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Die Online-Händler sind nicht die Hauptkonkurrenz kleiner Buchläden, ist Christian von Zittwitz, Gründer des Fachmagazins „BuchMarkt“, überzeugt.

Stuttgart - Die Insolvenz des Stuttgarter Großhändlers KNV alarmiert die Buchbranche. Ist sie ein Indiz dafür, dass sich der stationäre Buchhandel nicht mehr lohnt? Branchenkenner und Chefredakteur des Fachmagizins „BuchMarkt“, Christian von Zittwitz, glaubt nicht an eine Krisensituation. „Der Buchhandel steckt in keiner Krise“, sagt der 75-Jährige im Gespräch mit Kulturredakteur Stefan Kister.

Herr von Zittwitz, Bücher sind keine Arzneimittel. Warum ist ein 24-Stunden-Lieferservice für ein so langsames Medium so wichtig?

Darüber wird branchenintern immer wieder mal gestritten, ob der Kunde wirklich jedes Buch schnell über Nacht braucht, was tatsächlich ein teurer Service ist. Aber in Zeiten der Online-Konkurrenz ist es zumindest ein überzeugendes Argument, vor allem in ländlichen Gebieten, wo es wenig Buchhandlungen gibt, jedes Buch sofort besorgen zu können. Die Preisbindung soll ja eine flächendeckende Grundversorgung mit Büchern sicherstellen. So kann auch eine kleine Buchhandlung auf das gleiche umfassende Angebot zurückgreifen wie die großen Ketten und Amazon und genauso schnell liefern.

Ist die Insolvenz des Großhändlers Koch, Neff & Volck­mar (KNV) die Folge von Managementfehlern?

Ich würde nicht von Managementfehlern sprechen, aber von einer völlig falschen Einschätzung des Marktes und der Probleme einer fast kompletten Betriebsverlagerung von Stuttgart in den Erfurter Raum. Aus Technikgläubigkeit wurde der Faktor Mensch unterschätzt. Der Aufbau eines hypermodernen neuen Logistikzentrums braucht gute, engagierte Mitarbeiter. Das hat schlicht nicht so geklappt wie am Reißbrett geplant. Daraus entsteht jetzt ein sehr großes Problem für die Buchbranche.

Inwiefern?

Viele Verlage, vor allem die noch konzernunabhängigen Verlage, werden vermutlich einen Großteil ihrer Forderungen an KNV nicht ganz bezahlt bekommen. Und das wiederum könnte viele selber in eine Insolvenz treiben.

Tritt die Krise des Buchmarkts in ein neues Stadium?

Mich stört, dass oft von Buchhandelskrise geredet wird. Der Buchhandel steckt in keiner Krise. Ich sehe die Krise allenfalls bei den großen Buchketten, die kein richtiges Konzept gegen die Konkurrenz durch den Online-Händler Amazon haben.

Buchhandel ist also nicht gleich Buchhandel?

Der unabhängige Buchhandel vor Ort ist davon weniger betroffen als die überregionalen Ladenketten, weil er noch eher in der Lage ist, eine echte Kundenbindung zu schaffen. Das kriegen die Ketten nicht immer so gut hin. Der unabhängige Buchhandel hat allerdings das Problem, dass er nicht zu den gleichen guten Konditionen der Ladenketten einkaufen kann. Seine Handelsspanne liegt deutlich unter der der Ladenketten und von Amazon. Er hat damit wenig Spielraum, sich teure Mieten leisten zu können, und muss sich deshalb darum sorgen, aus den attraktiven Innenstadtlagen vertrieben zu werden und gute Mitarbeiter nicht halten zu können.

Bei der vergangenen Buchmesse in Frankfurt war der Leserschwund das große Thema, jetzt ist es die Gefährdung der Buchlogistik. Wie geht das weiter?

Ich mache mir um den Buchhandel keine Sorgen. Die Buchlogistik ist ja nicht zusammengebrochen, sie funktioniert überragend, wenn es jetzt auch ein paar Wochen an manchen Stellen holpern mag. Und Bücher werden immer noch gern gekauft und gelesen. Der größte Feind des Buches ist das Handy als Zeitfresser. Aber noch gibt es lebendige Läden in attraktiven Innenstädten, oft sind gute Buchhandlungen dort noch der einzige Magnet, der Menschen anzieht. Einem Ort ohne Buchhandlung fehlt die Seele.

Sind nun nicht gerade diese Buchläden gefährdet?

Dass eine Logistikfirma jetzt nicht perfekt rundläuft, wird von Wettbewerbern aufgefangen. Die kleineren Läden werden davon im Ablauf noch ein wenig gestört, aber bis zum Weihnachtsgeschäft ist das aufgefangen.

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