Silvia und Johannes Walker vom Waldenbucher Buchenhof vor dem Damwild-Gehege, in dem sie etwa 70 Tiere halten. Foto: /Claudia Barner

Neben den Hühnern und Schweinen auf seinem Hof hält der Waldenbucher Landwirt Johannes Walker in einem zwölf Hektar großen Gehege Damwild. Die Auflagen sind streng und der Ertrag überschaubar.

Wer einem Reh in freier Natur begegnen will, muss früh aufstehen und viel Geduld mitbringen. Viel zu schnell sind die scheuen Waldbewohner wieder im Gehölz verschwunden. In Waldenbuch jedoch kann man die stolzen Geweihträger ganz entspannt beim Sonntagsspaziergang beobachten. Auf den Wiesen und Weiden an der Straße Richtung Tübingen äsen die sanftäugigen Wiederkäuer in einem zwölf Hektar großen Gehege. Und auch an der Seitenbachmühle lassen sich Bambi & Co. von Besuchern und Passanten bewundern. In die Freude über die Tierbegegnungen mischen sich aber mitunter auch kritische Fragen: Ist es überhaupt artgerecht, Wildtiere hinter einem Zaun zu halten, und welche Auflagen muss man dabei erfüllen?

 

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Johannes Walker vom Waldenbucher Buchenhof kennt solche Vorbehalte. Vor knapp 40 Jahren hat sein Vater Karlhans Walker in Zusammenarbeit mit dem damaligen Förster Reinhold Hermann am Hang unterhalb des Betzenbergs die ersten Damwild-Familien angesiedelt. Der Sohn und Nachfolger klärt auf: „Im Unterschied zum klassischen Reh ist das Damwild ein Herdentier, das für die Haltung im Gehege gut geeignet ist. Es handelt sich dabei um eine Unterart des Rotwilds, die ursprünglich in Kleinasien zu Hause war und im Hochmittelalter vom Adel eingeführt wurde, um in großen Wildgattern gehalten und bejagt zu werden.“

Die Kunden stehen für das Wildfleisch Schlange

Auf dem Buchenhof am Schönbuchrand ist das Damwild vor allem Nutztier und Fleischlieferant. Im Herbst stehen die Interessenten am Verkaufswagen der Familie auf den Wochenmärkten Schlange. Immer mehr Kunden sind wild auf Wild. Bio-Qualität und Regionalität liegen im Trend. „Innerhalb von zwei Wochen sind wir ausverkauft“, berichtet Johannes Walker, der die Tiere im Spätherbst selbst schießt und im hofeigenen Schlachthaus sofort verarbeitet.

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Etwa 40 Tiere – meist die Einjährigen – werden jedes Jahr erlegt, um den Bestand stabil zu halten und den Frieden zu wahren. „Mehr als vier bis sechs Hirsche verträgt die Herde nicht. Die Konkurrenz wäre zu groß“, erklärt der Landwirt. Johannes Walker und seine Frau Silvia legen großen Wert darauf, dass alles seine Ordnung hat. Denn die Vorschriften und Auflagen für die Haltung der Wildtiere sind streng.

Das Veterinäramt kommt regelmäßig vorbei

Die Mindestgröße für ein Damwild-Gehege liegt bei 3,5 Hektar. Zaunanlage, Fütterungsstelle und Unterstände müssen vom Landwirtschaftsamt genehmigt werden. Der Sachkundenachweis Gehege/Wild ist für den Halter obligatorisch. Ebenso die Zusammenarbeit mit einem betreuenden Tierarzt. Das Veterinäramt kommt regelmäßig vorbei und kontrolliert den Betrieb. Außerdem muss der Abschuss durch einen erfahrenen Jäger gewährleistet sein.

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Johannes Walker hat selbst den Jagdschein. Das erleichtert das Prozedere, da er als Jäger auch für die Fleischbeschau zuständig ist. „Das ist möglich, weil wir unsere Tiere als frei lebendes Wild halten“, erklärt er. Anders als bei der Farmwild-Haltung – die zum Beispiel vom Eigentümer der Herde an der Seitenbachmühle praktiziert wird – tummeln sich die Paarhufer hier auf mindestens zehn Hektar zwischen Wiesen, Hecken und Bäumen, sie müssen in Tälern und Senken Schutz finden und Zugang zu einer natürlichen Wasserstelle haben. Nur im Notfall ist zufüttern erlaubt, und es dürfen keine Medikamente zum Einsatz kommen. „Wenn ein Tier erkrankt ist, lassen wir der Natur ihren Lauf“, erklärt Silvia Walker.

Welche Tiere sind für den Abschluss geeignet?

Sie hat sich gemeinsam mit ihrem Mann in die Besonderheiten des Wild-Zyklus eingearbeitet, kennt die Abläufe der Brunft- und Setzzeit, führt die Bücher und hilft dabei, wenn es gilt, jene Tiere auszuwählen, die für den Abschuss geeignet sind. Das erfordert Fingerspitzengefühl und Beobachtungsgabe. Denn die Tiere bleiben scheu. Von Zeit zu Zeit überfliegt das Paar sein Gehege deshalb schon mal mit der Drohne, um sich einen Überblick über den aktuellen Bestand zu verschaffen.

Das ist viel Aufwand für einen überschaubaren Ertrag. Etwa 23 Kilogramm Fleisch liefert ein Tier. „Großer Gewinn ist – trotz vergleichsweise hoher Preise – damit nicht zu machen. Es ist ein kleiner Nebenerwerb“, sagt Silvia Walker. Das Hauptgeschäft des Buchenhofs bleiben die Hühner und Schweine. Das Damwild ist Familientradition und irgendwie auch Seelen-Schmeichler. „Wir sitzen oft nach Feierabend auf unserer kleinen Bank über dem Gehege und haben einfach Freude daran, den Tieren zuzuschauen“, verrät das Ehepaar. Da geht es ihnen nicht anders als den Spaziergängern und Passanten, die sich von der unverhofften Begegnung mit den stolzen Geweihträgern immer wieder gern begeistern lassen.