Das traditionelle Geschäft mit den Büchern ist im Umbruch. Die Anforderungen an den Nachwuchs verändern sich, denn digitale Kompetenz wird immer wichtiger.

Stuttgart - 'Wer heute in die Buchbranche einsteigen will, hat es mit einem hoch dynamischen Markt zu tun', sagt Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Digitale Produkte gewinnen an Bedeutung: So bieten mittlerweile zwei Drittel aller Verlage E-Books an, darunter sämtliche großen Verlage. Inzwischen machen sie knapp zehn Prozent ihres Umsatzes aus. Damit verändert sich auch der Bedarf an Mitarbeitern: 'Im Bereich der E-Book-Herstellung, aber auch im Online-Marketing, werden neue Stellenprofile und Stellen geschaffen. Gerade spezielle Stellen - zum Beispiel für IT-Spezialisten - sind gar nicht so leicht zu besetzen. Denn viele ITler präferieren nicht unbedingt die Buchbranche.'

Die Veränderungen führten zu der Gründung von Start-ups, die Dienstleistungen und Services für die Branche anbieten. 'Über alle Berufsgruppen hinweg werden Themen wie E-Publishing, Social Media und Online-Marketing immer bedeutender', betont Kolb-Klausch. Deshalb sollten sich Berufseinsteiger für diese Themen interessieren. Für die 33-jährige Dr. Katharina Schäfer spielt das Thema 'Digitale Medien' eine zentrale Rolle. Die Redakteurin beim Georg Thieme Verlag entwickelt Lernmaterial für Auszubildende in Pflegeberufen. 'Als Verlag sehen wir uns als Dienstleister, der seinen Kunden spezifisches Fachwissen in genau jener Form vermittelt, die sie brauchen.' Das kann zum Beispiel eine spezielle App sein, mit der Auszubildende per Smartphone Prüfungsinhalte lernen können, aber auch Online-Portale, die Fotos, Videos und Animationen als Anschauungsmaterial beinhalten. 'Uns geht es darum, Wissen optimal aufzuarbeiten.

"Das Studienfach ist gar nicht so entscheidend"

Deshalb entwickeln wir zahlreiche elektronische Lösungsangebote, produzieren aber auch noch nach wie vor neue Buchkonzepte.' Katharina Schäfer hat in Tübingen und Toronto Biologie studiert und anschließend in Kopenhagen promoviert. 'Ich hatte schon immer Freude daran, Wissen zu vermitteln und aufzubereiten.' Deshalb lieb­äugelte sie auch mit der Tätigkeit in einem Verlag. Um sich ihrer Sache sicher zu werden, absolvierte sie ein Praktikum im Stuttgarter Thieme Verlag. Anschließend bewarb sie sich dort um ein Volontariat. Seit Oktober ist sie nun Redakteurin und mit ihrer Berufswahl sehr zufrieden. Susanne Haselhorst, Personalleiterin beim Thieme Verlag, erwartet von Nachwuchskräften Engagement und Leidenschaft für die Wissensaufbereitung. 'Das Studienfach ist gar nicht so entscheidend. Wir nehmen Mediziner und Biologen, aber auch Geisteswissenschaftler. Auf jeden Fall sollten unsere Bewerber eine Affinität zu medizinischen Themen und elektronischen Medien mitbringen, außerdem ein Gespür dafür, welche Kanäle für welche Zielgruppen wann besonders geeignet sind', erklärt Haselhorst.

'Wer heute bei uns einsteigt, erlebt eine spannende Zeit, in der wir neue multimediale, didaktische Konzepte für die Zukunft entwickeln.' Der Thieme Verlag bildet Medienkaufleute, Mediengestalter für Digital und Print sowie Wirtschaftsinformatiker im dualen Studium aus. Daneben bietet er Volontariate in Redaktion, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Projektmanagement an. Das Berufsbild des Buchautors und der Buchautorin ist ebenfalls im Wandel: Wurden Bücher früher in der Regel von einem Verlag veröffentlicht, so übernehmen viele E-Book-Autoren diese Aufgaben inzwischen selbst. Als Selfpublisher sind sie nicht nur Autoren, sondern kümmern sich auch um Marketing und Vertrieb. Zu den bekanntesten deutschen Selfpublishern gehört die 34-jährige Emily Bold, die 2011 ihre Karriere als Schriftstellerin startete. 'Bevor ich begann, meine Bücher als E-Books zu veröffentlichen, hatte ich einen ganz normalen 40-Stunden-Job als Chemielaborantin', berichtet die aus Franken stammende Bold. Nebenher schrieb sie. Allerdings fand ihr Erstlingswerk - ein historischer Liebesroman - keinen Verlag.

'Damals war der Markt in diesem Genre von US-Autoren mehr als nur gesättigt. Für die Verlage war es nicht interessant, in eine Debütantin zu investieren, wenn sie doch bereits bekannte und erfolgreiche Autoren unter ihrem Verlagsdach hatten.' Bolds Mann überzeugte sie, das damals neue 'Kindle Direct Publishing-Programm' von Amazon zu nutzen und ihr Manuskript als E-Book auf den Markt zu bringen. 'Ohne diese Möglichkeit wäre ich vermutlich heute noch Laborantin. Stattdessen habe ich mittlerweile 15 deutschsprachige und sechs englischsprachige Romane veröffentlicht und mehr Bücher verkauft, als ich es mir je hätte vorstellen können.' Inzwischen ist Bold auch Autorin des Ullstein Verlags. Auch wenn Bold selbst erfolgreich ist, rät sie Autoren, den Aufwand beim Selfpub­lishing nicht zu unterschätzen. Denn neben dem Schreiben des Buches bleibt noch jede Menge Arbeit wie die technische Erstellung des E-Books und seines Covers sowie das Lektorat.

'Entweder muss ein Autor das alles selbst erledigen oder externe Hilfe in Anspruch nehmen. Doch wer das alles nicht scheut, hat gute Chancen, seine Zielgruppe durch geplantes Marketing zu erreichen.' Der Wandel in der Buchbranche hat große Auswirkungen auf die Beratungs- und Verkaufswege. Kolb-Klausch: 'Die Buchhändler müssen ihre Rolle neu erfinden. Immer mehr von ihnen sind digital aktiv: Vom eigenen Webshop bis zur App fürs Smartphone. Wer heute diesen Beruf ergreift, sollte die neuen Trends verstehen.' Dazu gehört der Verkauf von E-Book-Readern genauso wie ein umfassender Kunden­service: 'Immer mehr Buchhändler versenden Newsletter oder haben ein eigenes Veranstaltungsprogramm.'

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