Matthias Brandt hat mit seinem Buch auf die Einladung der Stiftung 20. Juli 1944 reagiert. Foto: /Hartenfelser

Schauspieler Matthias Brandt hat ein Buch über seine Rede zum Gedenktag der Anschläge vom 20. Juli 1944 geschrieben.

Eigentlich wollte er absagen. Die Stiftung 20. Juli 1944 hatte Matthias Brandt Anfang 2025 eingeladen, zum Jahrestag des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in der Gedenkstätte Plötzensee eine Rede zu halten. Sein erster Impuls war ein klares Nein. Natürlich konnte er die Motive hinter der Anfrage nachvollziehen. Sein Vater, der 1992 verstorbene frühere Bundeskanzler Willy Brandt, wird bis heute von vielen Menschen verehrt, weil er für ein anderes Deutschland stand; außerdem war er während seines norwegischen Exils selbst im Widerstand. Als Sohn eines solchen Vaters hat auch Matthias Brandt, einer der gefragtesten deutschen Schauspieler und vielfach ausgezeichnet, selbstverständlich ein politisches Bewusstsein, aber es sei ihm, schreibt er in seinem Buch „Nein sagen“, immer unangenehm, wenn Prominente ihre Bekanntheit nutzten, „um sich als moralische Instanz aufzuspielen“. Den Drang, das politische Vermächtnis seines Vaters fortzuführen, habe er ohnehin nie verspürt.

 

Andererseits habe es sich falsch angefühlt, die Einladung der Stiftung abzulehnen, „nur weil ich Angst hatte, moralisierend zu wirken“. Allerdings habe sich gleich die nächste Frage aufgedrängt: Wie könnte er die Widerstandskämpfer würdigen, „ohne in die Falle zu tappen, mich dabei selbst zu wichtig zu nehmen“? In nahezu jedem anderen Zusammenhang wären solche Skrupel von vermutlich nachgeordnetem Interesse, aber Brandts Gedanken sind übergeordneter Natur. Früher, schreibt er, habe er sich damit begnügt, am Rand zu stehen „und die Dinge interessiert, aber schweigend zu beobachten.“ Heute habe er den Eindruck, „als würde die Gegenwart dieses Schweigen nicht mehr gelten lassen“; daher die Rede, daher das Buch.

Dass Brandt nicht bloß ein begnadeter Schauspieler, sondern auch ein begabter Erzähler ist, hat er bereits mit zwei Büchern bewiesen. Entsprechend fesselnd ist seine Introspektion. Die Ansprache im Juli 2025 hat nur 15 Minuten gedauert. All das, was er damals auch noch hätte sagen wollen, etwa über die Rückbesinnung auf seine Eltern und ihren Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, hat er nun notiert. Das Buch, mit seinen gut hundert Seiten eher ein Büchlein, mündet in den unausgesprochenen Aufruf, es ihm nachzutun. Er formuliert es anders, aber das ist die Botschaft: Schweigen ist feige. Den Widerstandskämpfern des 20. Juli und den vielen Namenlosen hinter ihnen war damals klar, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten. Das ist heute nicht so, jedenfalls im Großen und Ganzen. Angesichts der Anfeindungen nicht nur im Internet sei es jedoch, so Brandt, umso wichtiger, sich daran zu erinnern, „wie schnell Sprache verroht“ und „wie still es werden kann, wenn die Feinde der Demokratie laut werden“.

Matthias Brandt: „Nein sagen“. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 120 Seiten, 16 Euro.