Zen-Meister Hinnerk Polenski (links) und sein Schüler, der Sternekoch Frank Oehler. Telefon:07 11 / 72 057 – 333E-Mail:u.bogen@stn.zgs.de Foto: Kösel

Unwesentliches loslassen, Lebensmittel nicht verschwenden – dafür plädiert Sternekoch Frank Oehler in seinem neuen Buch „Die Zen-Gebote des Kochens“, das eher ein Zen- als ein Kochbuch ist. Der quirlige Speisemeister und RTL-2-Restaurantretter verrät, was Meditation mit ihm macht.

Stuttgart - „Lass mich dein Schnitzel sein auf deinem Tellerlein – du hast mich weich geklopft und lecker vollgestopft!“ So fröhlich wird in der RTL-2-Sendung „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ gesungen, in der Wirte in letzter Minute vorm Scheitern ihre Retter suchen – und immer ist die Kamera dabei.

Frank Oehler, seit Anfang 2008 Patron der Speisemeisterei beim Schloss Hohenheim, ist einer der Fernsehhelden am Herd, die bundesweit ausrücken, um Pleiten, Pech und Pannen bei glücklos agierenden 08/15-Köchen abzuwenden.

Seit 2009 gehört der Wahl-Stuttgarter und Geburts-Allgäuer zum RTL-2-Team. Und man fragt sich beim Betrachten einiger Folgen in der Mediathek, warum er sich das antut. Die Zuschauer des Privatsenders dürften nicht zur Zielgruppe seiner Sterneküche zählen. Man kann es positiv sehen: Sein Fernsehdienst führt ihn in eine andere Welt, auf die er im Barockambiente des Schlosses niemals stößt. Könnte einem Sternekoch nicht schaden, wenn er geerdet bleibt und nicht sinnenreich abhebt.

Sitzen im Stille

Woher der 52-Jährige die Energie nimmt, um die oft nervige Hektik der Doku-Soap mit Fällen, die wie inszeniert wirken, zu ertragen? Das Buch „Die Zen-Gebote des Kochens“ (Kösel-Verlag) kann es gut erklären. Oehler hat den reich bebilderten Band mit einem Freund, dem Zen-Lehrmeister Hinnerk Polenski, geschrieben. Meditation, Sitzen in Stille, morgendliches Gedanken-Treiben-Lassen auf der Matte – der spirituelle Weg sorgt dafür, dass der rastlose Chef der Speisemeisterei mit Gelassenheit den Druck in den Höhen der Sterneküche und den Einsatz in den Tiefen des Privatfernsehens äußerst angenehm aushält und dabei positive Stimmungen aussendet.

„Ein Tag ohne Zazen ist kein richtiger Tag“, schreibt der Bayern-Schwabe in seinem Buch. Früh morgens fängt er damit alleine an. Zazen ist eine Meditationstechnik des Zen-Buddhismus. Sie soll Körper und Geist zur Ruhe bringen. Oehler hält sich streng an Rituale: Tag für Tag betritt er die Matte stets mit dem linken Fuß. Auf eine Schale aus Kokos trommelt er, bevor er Räucherstäbchen und Kerze anzündet. Dann schlägt der Koch in aller Frühe zwei Hartholzstäbe aufeinander. Das „Klack-klack-klack“ ist für ihn das Zeichen, „einfach loszulassen“. Die Meditation beginnt.

„Wenn ich gehe, dann gehe ich“

Im Zen geht es nicht darum, sich in hohe Sphären zu denken. Vielmehr sollte man überhaupt nicht denken. Es reiche, darauf zu achten, was gerade ist. Frank Oehler erklärt diesen Weg mit einem Dialog zwischen einem Zen-Schüler und einem Zen-Meister. Was der Unterschied zwischen einem Schüler und Meister sei, will der Jüngere wissen. Der Ältere antwortet: „Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ist.“

Der Schüler ist verwundert: „Wieso, das mache ich doch auch?“ Der Meister antwortet: „Wenn du gehst, denkst du ans Essen, und wenn du isst, dann denkst du ans Schlafen. Wenn du schlafen sollst, denkst du an das Mögliche. Das ist der Unterschied.“

Chefs aufgepasst! Gelassenheit und innere Kraft, so steht’s im Buch, das trotz einiger Rezepte kein Kochbuch ist, verbessern das Arbeitsklima. Den Mitarbeitern der Speisemeisterei tue es gut, erfahren wir, wenn „kein Stresskaspar mit knallroten Augen und Bluthochdruck“ herumläuft, sondern ein Chef um die Ecke kommt, der seinen Köchen erst mal ein Lächeln schenkt.

Wer sich fürsorglich mit Körper und Geist befasse, könne auch respektvoller mit der Umwelt und mit den Lebensmitteln umgehen. Dies ist eine der Botschaften des Buches. Frank Oehler versteht seine Texte nicht als Aufforderung, seinem spirituellen Weg zu folgen. Aber er würde gern die Liebe zu Lebensmitteln mit seinen Lesern teilen. Wenn die Lektüre lediglich dazu führe, dass der Leser künftig eine Tomate anders sehe als zuvor, habe er viel erreicht, schreibt er. Und dann darf, wer will, auch ein Schnitzel sein auf irgendeinem Tellerlein.

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