Nabu-Vorsitzender Günter Zerweck hält stolz das Buch „Naturschätze bei uns in Korntal-Münchingen“ in den Händen. Foto: factum/Granville

Die Stadt hat mit dem BUND und dem Nabu ein Buch über „Naturschätze bei uns“ herausgebracht. Es zeigt 44 seltene und gefährdete, aber auch unbekannte und besondere Tier- und Pflanzenarten.

Korntal-Münchingen - Man muss nicht nach Mittel- oder Südamerika reisen, um wild wachsende Orchideen zu bestaunen. Denn auch hier, in Korntal-Münchingen, gedeihen einige Orchideen-Arten. Eine davon ist die Bienen-Ragwurz.“ Diese Zeilen sind dem Buch „Naturschätze bei uns in Korntal-Münchingen“ entnommen, das die Stadt jetzt mit den örtlichen Natur- und Umweltschutzverbänden BUND und Nabu herausgebracht hat. Am Dienstag präsentierten die Autoren ihr Werk der Öffentlichkeit. Das löste einen für sie überraschenden Besucheransturm aus: Mehr als 80 Bürger sind ins Korntaler Rathaus gekommen. „Für 40 Besucher hatten wir Stühle aufgestellt“, sagt Angelika Lugibihl, die Sachgebietsleiterin Umwelt, Klima- und Naturschutz der Stadt.

Die Bienen-Ragwurz ist eine gefährdete Orchideen-Art. Und einer von 44 „Naturschätzen“ in dem für Korntal-Münchingen einmaligen Buch. Darin werden seltene und bedrohte, aber auch unbekannte und besondere Pflanzen- und Tierarten erklärt und illustriert. Manche – Mauersegler, Kröten, Fledermäuse oder Blindschleichen – kennen die Bürger aus ihrem Garten oder von Spaziergängen. An anderen gehen sie teils achtlos vorbei. Weil die Tiere und Pflanzen am Straßenrand sind, unattraktiv oder schlicht unscheinbar aussehen.

„Man sieht und schützt nur, was man kennt“

Letzteres wollen die Herausgeber ändern, die seit Januar an dem Buch gearbeitet haben. Es soll die Bürger auf die Natur in ihrer Heimat aufmerksam machen und dafür sensibilisieren. „Man sieht und schützt nur, was man kennt“, sagt Lugibihl von der Stadt. Diese hat die Produktionskosten von 3600 Euro übernommen. „Das Buch soll aber auch gefallen. Die Schönheiten darin sollen den Betrachter erfreuen. Wir zeigen, was wir noch haben“, sagt Wolf Ohl, der Vorsitzende des BUND. „Das Buch ist weder ein wissenschaftliches Buch noch ein Naturführer“, sagt Ohl. Trotzdem beschreibt es auch, in welcher Symbiose und Wechselwirkung die Tiere und Pflanzen zueinander stehen. „Bläulinge ernähren sich von der Ameisenbrut. Ohne Ameisen wären auch die Schmetterlinge gefährdet“, sagt Ohl. Ohnehin hätten Bläulinge ein besonderes Fortpflanzungsverhalten: Der seltene Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling schlüpft in den Blüten des Großen Wiesenknopfes aus den Eiern. Später fallen die Raupen auf den Boden und werden von Ameisen in deren Nest getragen, wo sie sich im Frühjahr in Schmetterlinge verwandeln.

Den Ortsbezug stellen die Autoren auch mit Fotos von den Standorten der Pflanzen und Tiere her. Hinten im Buch gibt es die Karte „Landschaftsraum Strohgäu“. „Wir geben aber nicht die exakten Standorte preis“, sagt Günter Zerweck, der Vorsitzende des Nabu. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Bürger den Tieren oder Pflanzen allzu nahe kommen und sie möglicherweise stören oder zerstören.

34 geschützte Biotope in Korntal-Münchingen

Was passiert, wenn Mensch und Natur zu sehr aufeinandertreffen, zeigt sich etwa an den Gschnaidtwiesen im Westen von Korntal. Ein wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna und ein beliebtes Naherholungsziel. „Dort erholen sich auch Spaziergänger mit Hunden“, sagt Angelika Lugibihl. Die Hunde rennen frei herum – was sie dürfen –, hinterlassen aber Kot und scheuchen andere Tiere auf. „Seit 20 Jahren haben wir auf den Gschnaidtwiesen keine Grauammer mehr gesehen“, sagt Lugibihl.

Insgesamt bemühen sich die Stadt mit den Natur- und Umweltschutzverbänden mit diversen Projekten sehr um die heimische Natur. Mehr als ein Drittel der Korntal-Münchinger Gemarkung steht unter besonderem Naturschutz. Es gibt unter anderem 34 geschützte Biotope, 14 Naturdenkmale, vier Landschaftsschutzgebiete und ein Naturschutzgebiet. „Naturschutzgebiete nur auszuweisen reicht nicht. Wir brauchen auch Experten und Helfer, die sich kümmern“, sagt Lugibihl. Außerdem kooperierten die Stadt und die Verbände mit den Landwirten. Diese müssten zwar Geld verdienen, hätten aber durchaus auch das Bewusstsein, naturverträglich zu arbeiten. Gegen das Insektensterben etwa legen sie Blühstreifen entlang von Feldwegen an.

Verkauf Das Buch „Naturschätze bei uns“ verkaufen die Büchereien in Korntal und in Münchingen, das Korntaler Rathaus, die Korntaler Buchhandlung Blessings 4 you und der Ditzinger Buchladen Pan. Es kostet 8,50 Euro. Den Gewinn – 1200 Euro, wenn alle 600 Exemplare weggehen – teilen sich die Stadt Korntal-Münchingen, der Nabu und der BUND und investieren es in Naturschutzprojekte.

Druck Ende 2018 ziehen die Herausgeber Bilanz. Je nach Resonanz werden die „Naturschätze“ nachgedruckt. Auch ein zweiter Band sei denkbar, denn laut BUND und Nabu sind längst nicht alle Naturschätze erfasst.

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