Folkmar Schiek hat dem Solitude-Friedhof ein Buch gewidmet. Foto: Kai Müller

Der Vaihinger Folkmar Schiek hat ein Buch über den Solitude-Friedhof geschrieben – auch dank der finanziellen Unterstützung eines Bundespräsidenten.

Vaihingen - Er hatte es eilig – und doch schaute er genau hin. Nach seinem Geschäftstermin kehrte Folkmar Schiek zu dem aus den Augenwinkeln erspähten Schild zurück und entdeckte den Solitude-Friedhof. Er fand Gräber namhafter Persönlichkeiten und war begeistert von einer „traumhaften Umgebung“.

Doch Schiek stellte schnell fest, dass es kaum Informationen über den Soldaten-Friedhof gibt, der 1866 angelegt wurde. „Mein Forschergeist war geweckt“, sagt der Vaihinger. Er fahndete unter anderem im Hauptstaatsarchiv Stuttgart und im Stadtarchiv Gerlingen nach Dokumenten und Materialien. Herausgekommen ist ein 96 Seiten starkes Werk, das den Titel „Die Friedhöfe bei Schloss Solitude“ trägt und vor kurzem erschienen ist.

Der Waldschütz Renz und seine Sorgen

„Das Buch schließt eine Lücke“, ist sich Schiek sicher. So denkt wohl auch der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der das Projekt finanziell unterstützt hat. Zu den Sponsoren gehören unter anderem auch der Heimatverein Gerlingen, die Fritz-von-Graevenitz-Stiftung und die Heidehof-Stiftung. Richard von Weizsäckers Eltern und sein Bruder haben auf dem Solitude-Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Immer wenn von Weizsäcker in Stuttgart ist, besucht er das Grab seiner Eltern“, sagt Schiek. Auch der Künstler Fritz von Graevenitz und der Tanzregisseur John Cranko sind auf der Solitude bestattet.

Der erste Friedhof speziell für die Solitude-Bewohner entstand 1774 auf dem Rappenberg. Weil diese letzte Ruhestätte und der Gerlinger Gottesacker zwanzig Jahre später aus allen Nähten platzten, wurde ein „Kirchhof des Kriegsspitals im Wald“ angelegt. Als sich im Jahr 1866 Preußen und Österreich bekriegten, wurde auf der Solitude ein Militärhospital eingerichtet. Wenig später folgte der neue Soldatenfriedhof – und der rief auch einen Waldschütz mit Namen Renz auf den Plan, wie Schiek anhand alter Dokumente herausgefunden hat. Dieser hatte einen Teil des Grundstücks gepachtet, auf dem der neue Friedhof entstehen sollte und dort Kartoffeln und Erbsen angebaut. Da die Zahl der Sterbefälle aber deutlich niedriger lag, gestattet man ihm die noch nicht benötigte Fläche zu bewirtschaften. Im Gegenzug kümmerte sich Renz um die Pflege des Gottesackers.

Nächstes Buch ist bereits geplant

Schiek hat die Geschichte des Friedhofs nachgezeichnet, den eine Besonderheit auszeichnet: Er ist der einzige Stuttgarter Friedhof, den das Land verwaltet. Gestern hat er sein Werk dem Bürgermeister in Gerlingen überreicht. Im Oktober will er das Buch dort vorstellen.

Das Thema lässt Schiek nicht mehr los: Derzeit arbeitet er an einem Werk über den Alten Friedhof in Vaihingen.

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