Auch das ist Kasachstan: Das zentrale Konzerthaus von Astana. Ein Architekturführer von Philipp Meuser zeigt die schönsten Gebäude. Unser Buch der Woche. Foto: Philipp Meuser

Ein ehrgeiziger Präsident, die vielen Bodenschätze und die Weltausstellung Expo 2017 machen es möglich: Das zentralasiatische Land Kasachstan und dessen neue Hauptstadt Astana protzen mit spektakulärer Architektur.

Nursultan Nasarbajew rief, und sie kamen: Norman Foster, Massimiliano Fuksas, Kisho Kurokawa, Manfredi Nicoletti hinterließen ihre architektonischen Fußabdrücke in Astana – der neuen Hauptstadt Kasachstans. 2017 ist mit Astana erstmals eine zentralasiatische Stadt Gastgeber der Weltausstellung Expo. Astana dürfte damit auch die bisher jüngste Hauptstadt eines Expo-Gastgeberlandes sein.

Im Verlag Dom Publishers ist jetzt ein Architekturführer über Kasachstan erschienen. Wie gewohnt in anspruchsvoll designter Optik,aber auch immer noch durch schweres Papier nicht so ganz reisetauglich. Zum einen widmet sich der Band 80 Bauten und Projekten in Astana aus 150 Jahren, setzt dabei den Schwerpunkt auf die letzten zehn Jahre. Zum anderen setzt sich das deutsch-kasachische Autorenteam auch mit der Architektur in Orten wie Almaty (der früheren Hauptstadt), dem Weltraumbahnhof Baikonur, Stätten am Aralsee, Kaptschagai (dem kasachischen Las Vegas) und dem Neuland an der Seidenstraße auseinander.

Nasarbajew, ehrgeiziger Präsident seines an Bodenschätzen reichen Landes, will ­Kasachstan bis zum Jahr 2050 zu den 30 am weitest ­entwickelten Staaten weltweit führen. Architektur dient ihm als Visitenkarte. „Seit der Unabhängigkeit des Landes von der ­ehemaligen Sowjetunion im Jahre 1991 dreht sich in Kasachstan in der Öffentlichkeit alles um Bauen und Architektur“, sagt Philipp Meuser, Architekt und Herausgeber des Buchs.

Architekturkritik werde bisher nicht geübt. Der Architekturführer zeigt: Aus der Sicht Nasarbajews soll Astana ein Kristallisationspunkt kasachischer eigenstaatlicher Identität werden – nicht wenige Gebäude spielen mit orientalischer oder muslimischer Symbolik; im Ganzen ist die Stadt stilistisch gezeichnet durch extremen Eklektizismus.

„Baiterek“, eine 105 Meter hohe Turmkonstruktion (Planung Rustembekow/Basarbajew), ist schon jetzt eines der ikonischen Symbole des Landes und der Turm auf jeder kasachischen Banknote abgebildet. „Chan Schatyr“, ein Freizeit- und Einkaufszentrum aus dem Planbüro Foster + Partner bringt westliche Architektenhandschrift in die Stadt. Der von Norman Foster entworfene, 150 Meter hohe Bau gleicht einem gigantischen Zelt und besteht tatsächlich aus einer von einem dreibeinigen Mast getragenen Stahlseil-Konstruktion, die die transparente Kunststoffhaut zum Zelt spannt. Man geht gern konform mit der Meinung der Autoren, dass dieses Bauwerk reduziert in der Form und ästhetisch zugleich ist.

Wer sich in Astana verabredet, tut es gern am „Ei“, dem Staatsarchiv der Republik ­Kasachstan. Mag der Aufbau des Basis­gebäudes einem Ei ähneln, Architekt ­Nurmachan Tokajew bediente sich hier auch in der Abteilung „Protz & Co.“. Wer sich ­heute für die Bereite zeitgenössischer Architektur ­interessiert, wird in Zentralasien ­anders fündig als auf dem Kontinent und in Amerika. Das Geld, das aus Erdöl und ­Erdgas sprudelt, verführt jedoch zu Gigantismus und Kitsch. Auch das zeigt dieser Architekturführer.

Philipp Meuser (Hg.): Architekturführer Kasachstan. Dom Publishers, Berlin. 252 Seiten, über 900 Abbildungen. 48 Euro.

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