Jostein Gaarders neues Buch will Denkanstöße geben. Klimawandel, Artensterben, ganz allgemein die Gefährdung unseres Planeten sind seine Themen Foto: dpa-Zentralbild

Mit „Sophies Welt“ machte er die Philosophie populär. Nun kümmert sich Jorstein Gaarder um den Zustand unseres Planeten. Der norwegische Bestsellerautor schickt seine  Heldin  ins Jahr 2084 und eine verbesserungsfähige  Zukunft.

In Norwegen, dachten wir, sei die Welt noch in Ordnung. Von wegen! Eine in fast jeder Hinsicht intakte Umwelt und ein vorderer Platz in den Top Ten der reichsten Länder vermögen nur noch Außenstehende zu blenden. Der norwegische Autor Jostein Gaarder zum Beispiel hat eine andere Sicht der Dinge. Gaarder? Genau der, der 1991 mit dem Bestseller „Sophies Welt“ die Philosophie nach vorn brachte. Mit Hilfe dieses Erfolgs stiftete er den Sophie-Preis, der sich jährlich für Umwelt und Entwicklung engagiert.

 

Auch Jostein Gaarders neues Buch will Denkanstöße geben. Klimawandel, Artensterben, ganz allgemein die Gefährdung unseres Planeten sind seine Themen. Die wenden sich nicht explizit an ein junges Lesepublikum, auch wenn Gaarders Heldin 16 Jahre alt ist. Nora, klug, zupackend und vor allem mit reger Fantasie begabt, erzählt uns vom Zustand der Welt im Jahr 2084 und von der Verantwortung, die jedem heute in diesem Schreckensszenario der globalen Erwärmung zukommt, besonders in Norwegen. „War die hemmungslose Orgie der Ölverbrennung nicht zugleich die größte Bedrohung der Lebensgrundlage von Pflanzen, Tieren und Menschen?“, fragt sich die junge Frau und weiß, dass die Munitionierung dieser Orgie, also die Förderung fossiler Brennstoffe, zugleich den Wohlstand ihres Landes begründet.

Mit seinem Bestseller „Sophies Welt“ war Gaarder eine kleine Sensation gelungen. Der Norweger begeisterte junge wie erwachsene Leser mit seinem Wechselspiel zwischen Fiktion und Realität für philosophische Fragestellungen. Fraglich, ob ihm mit „2084 – Noras Welt“ ein ähnlicher Erfolg gelingen wird, denn sein Buch zeigt unbequeme Wahrheiten auf. Auch seine neue Heldin pendelt zwischen zwei Welten: zwischen ihrer Gegenwart als 16-Jähriger und einer geträumten Zukunft, in der sie ihrer eigenen Urenkelin und den Auswirkungen des Klimawandels begegnet.

Von allerlei Katastrophen wie Artensterben oder Klimaflüchtlingen erzählt Jostein Gaarder, von Dromedaren in Norwegen und im Sand versunkenen Landschaften, vor allem aber auch von den ethischen Fragen, die diese Einsichten mit sich bringen und der Verantwortung jedes Einzelnen. Gerade hier gelingen ihm spannende Einwürfe, zum Beispiel bei der Frage nach dem menschlichen Wesen. Besitzt jeder eine tiefere Identität als seinen Körper und das kurze Leben auf der Erde?

Der Schutz der Menschheit und des ganzen Planeten hat für Gaarder höchste Priorität. Nora und ihr Freund gründen eine Umweltgruppe an ihrer Schule, beide sind echte Öko-Nerds, die stapelweise ihre Funde aus dem Internet vor uns ausbreiten. Das muss man aushalten können. Zu sehr wiederholt sich da Gaarder, insistiert in seiner modernen Fabel auf Fakten, die inzwischen Allgemeingut sind, auch wenn keiner Konsequenzen daraus ziehen mag. Gerade darum geht es dem engagierten Norweger aber: Die Welt muss jeder selbst retten, jeden Tag.Wie man das tun kann? Gaarder lässt seine jungen Helden witzige Ideen entwickeln – und ermuntert seine Leser mit dem realen Beispiel von Felix Finkbeiners Baumpflanzinitiative Plant-for-the-Planet zum Aufwachen.