Das Brustkrebsrisiko hängt auch vom sozialen und wirtschaftlichen Umfeld ab. Foto: dpa

Es gibt einen Zusammenhang zwischen höherem Einkommen und dem Risiko, dass ein Tumor in der Brust auftritt.

Heidelberg - In unserem Bericht über den deutschen Krebsforschungskongress, der Anfang der Woche in Heidelberg tagte, ging es auch um die Frage, wie die soziale und wirtschaftliche Lage einer Frau die Entstehung von Brustkrebs fördert. Dabei wurde die Gesundheitswissenschaftlerin Jana Mader mit der Bemerkung zitiert, dass ein geringeres Einkommen und Langzeitarbeitslosigkeit signifikant mit dem Auftreten der Krankheit verknüpft sind. Das stimmt so nicht: „Im Gegenteil steigt das Brustkrebsrisiko, wenn eine Frau über ein höheres Einkommen verfügt“, korrigiert Jana Mader das falsch wiedergegebene Zitat, dass geringer verdienende Frauen häufiger Brustkrebs bekommen.

Dass der sozioökonomische Status die Entstehung von Krebs beeinflusst, ist schon lange bekannt. Jana Mader hat nun am Heidelberger Krebsforschungszentrum (DKFZ) die bundesweiten Unterschiede in der Krebshäufigkeit auf Ebene der 401 Landkreise und kreisfreien Städte untersucht. Die Basis bildeten Daten des deutschen Krebsregisters. Bei der Studie ging es darum, die einzelnen Effekte unter anderem von Einkommen und Bildung genauer auf Brust- und Darmkrebs zu untersuchen.

Schützende Faktoren

Dabei zeigte sich, dass das Brustkrebsrisiko steigt, wenn das Einkommen steigt. „Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass eine frühe Schwangerschaft sowie längere Stillzeiten Faktoren sind, die vor Brustkrebs schützen“, erläutert Jana Mader. Diese Faktoren könnten auch eine Erklärung für die Erkenntnis liefern, dass ältere Frauen über 50 Jahre in Ostdeutschland seltener an Brustkrebs erkranken als im Westen.

Im vergangenen Jahr haben Jens Hoebel und seine Kollegen am Berliner Robert Koch-Institut (RKI) eine große Studie über den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und verschiedenen Krebsarten im Fachmagazin „Frontiers in Oncology“ veröffentlicht. Sie stellten fest, dass in Deutschland in Regionen mit einem niedrigeren sozioökonomischem Status bei Männern häufiger Krebs in der Lunge, im Mund und den Atemwegen, im Magen, in den Nieren und in der Blase diagnostiziert wird. Bei Frauen tritt in diesen Regionen häufiger Krebs in Nieren, Blase, Magen, Gebärmutterhals und Leber auf, zudem wurden mehr Krebserkrankungen im Blut- und Lymphsystem registriert. Interessant ist die andere Seite: Schilddrüsen-, Brust- und Hautkrebs finden sich öfter in den Regionen mit einem höheren sozioökonomischen Status.

Bei Darmkrebs sieht es anders aus

Der Index, der diesen Status abbildet, berücksichtigt eine Reihe von Faktoren: Arbeitslosenquote, Löhne und Haushaltseinkommen, Schulabbrecher, Privatinsolvenzen, Steueraufkommen sowie die Anteile an Sozialversicherten und Akademikern in den einzelnen Kreisen. Am deutlichsten fiel das Ergebnis bei Tumoren im Mund und den Atemwegen auf: In den benachteiligten Regionen erkrankten Männer um 38 Prozent häufiger. Dabei, so mutmaßen die Autoren der Studie, dürfte neben dem Rauchen Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Dass andererseits bösartiger Hautkrebs hier seltener auftritt, könnte damit zusammenhängen, dass Fernreisen in äquatornahe Regionen kaum vorkommen.

Beim Darmkrebs fand Jana Mader im Rahmen ihrer Studie übrigens bei Männern einen signifikanten Zusammenhang zwischen Einkommen und Häufigkeitsraten: je höher das Einkommen und je höher die Schulbildung, desto geringer ist hier das Risiko. Bei Frauen konnte dieser Effekt dagegen nicht aufgezeigt werden.

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