Stuttgarter Besuch bei den Kanz-Brüdern Luxusautohändler locken Promis an

Von Tom Hörner 

Wie die Kanz-Brüder aus Melchingen einen neuen Showroom, einen Supersportwagen und ein kleines bisschen auch sich selbst feiern.

Stuttgart - Ein feines Plätzchen haben wir für unseren Dienst-Golf gefunden, gleich neben einem Porsche älterer Bauart. Nur einen Haufen Restschnee umkurven, dann steht der Wagen, etwas abseits vom Geschehen. Nie käme man bei einem solchen Anlass auf die Idee, ein Massenauto in der ersten Reihe abzustellen. Auch wenn der Golf davor in der Waschstraße war. Das musste sein. Man weiß schließlich, was sich gehört, wenn man bei Deutschlands angeblich bekanntesten Luxusautohändlern vorbeischaut.

Wir sind in Burladingen-Melchingen angekommen, und um ganz ehrlich zu sein, keine Ahnung wo das liegt. Irgendwo hinter Tübingen ging es in einer mondlosen Nacht links weg. Hätte uns das Navi nicht geführt, wir würden noch heute über die Schwäbische Alb kurven. Stadteier halt.

Neuer Showroom eröffnet

Bei einer Radiosendung in Stuttgart haben wir Michael und Sven Kanz, die beiden Luxusautohändler von der Alb, vor einem Jahr das erste Mal getroffen. Wir sollten sie doch mal besuchen, haben sie gesagt, als sie mit einem schweren Audi Q7 bei Schneeregen in Richtung Heimat losblubberten.

Heute ist eine gute Gelegenheit, denn die Kanz-Brüder haben was zu feiern. Ihr neuer Showroom soll eröffnet werden, eine schicke Aluhülle zur Präsentation von exklusiven Automobilen. Das lange Bauwerk erinnert an eine Biskuitrolle. Nur dass im Innern keine Creme- und keine Marmeladenfüllung steckt, sondern eine automobile Sahneschnitte. Noch aber ist das Objekt der Begierde mit dunklem Tuch verhüllt.

Wir sind nicht die einzigen, die an diesem Abend nach Melchingen zu den Kanz-Brüdern gekommen sind. Jürgen Milski ist da, Teilnehmer der ersten „Big Brother“-Staffel, der später auf Malle sein Glück als Party-Sänger versucht hat; und Menderes, der ewig glücklose „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidat, der es immerhin zum RTL-Dschungelkönig gebracht hat; und natürlich dürfen die Ludolfs nicht fehlen, TV-erprobte Schrotthändler, die verkracht seien, behauptet das Boulevard. Sieht man sie daher nie gemeinsam in ein Reportermikrofon sprechen? Wer viel Privatfernsehen schaut, ist an diesem Abend eindeutig im Vorteil.

VfB-Profis sind am Start

Michael und Sven Kanz begrüßen ihre Gäste mit Handschlag, kurze Umarmung. „Schön, dass ihr gekommen seid.“ Bei diesen beiden lassen sie sich noch etwas mehr Zeit: Aus Stuttgart sind die VfB-Profis Daniel Ginczek und Matthias Zimmermann eingetroffen. Ob die beiden Fußballer zu ihren Kunden gehören? „Noch nicht“, sagt grinsend Michael Kanz, „aber wir sind miteinander im Gespräch.“ Das Gespräch wird später auch ein älterer Herr suchen. Er wird sich ungefragt zu den Sportlern setzen und ihnen erklären, mit welcher Taktik sie am kommenden Wochenende auf den Platz laufen müssen.

Die Kanz-Brüder mögen gute Verkäufer sein, Autohändler mit Leib und Seele, doch Meister großer Reden sind sie nicht. Daher gibt es auch keine Ansprachen. Das Büfett wird von Sven Kanz gewissermaßen nebenbei eröffnet, indem er sich fast verlegen einen Teller schnappt und ein belegtes Laugenweckle drauflädt. So bodenständig wie die Chefs, die angeblich einmal die Woche mittags zu Linsen und Spätzle bei den Eltern vorbeischauen, ist auch die Essenauswahl. Die feinen Petit-Four-Kunstwerke wirken fast etwas deplatziert.

Die Party für den Showroom haben die Kanz-Brüder, mit freundlicher Unterstützung diverser Sponsoren selbst organisiert. Wer sich erkundigt, wie viele Angestellte die Firma hat, bekommt zu hören: keine. Und wenn mal wieder RTL II für eine Neuauflage von „Kanz oder gar nicht“ oder n-tv für „Deluxe – Alles was Spaß macht„ anklopfen? „Wenn es passt, machen wir so was gern“, sagt Michael Kanz, „und zur Not stehen die Eltern dann halt im Laden.“

Das teuerste Serienauto der Welt

Stars und Sternchen mögen wichtig sein für so eineFeier. Aber eigentlich geht es bei den Kanz-Brüdern immer um Autos. Völlig klar, dass sie bei der Enthüllung im Showroom selbst Hand anlegen: Zum Vorschein kommt ein Bugatti Chiron, 1500 PS stark, 420 Kilometer schnell und mit vier Millionen Euro offenbar das teuerste Serienauto der Welt. Sinnlos zu überlegen, ob man am Preis mit der Umweltprämie was machen kann, der Bolide aus dem Volkswagenkonzern ist bereits in festen Händen.

Wenig später erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel über dem Autohaus. Ob es daran liegt, dass die Augen von Michael Kanz glänzen, wenn er über den neuen Bugatti sagt: „Man kann das Fahrgefühl mit Worten nicht beschreiben.“

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