In der Nähe der Unglücksstelle bekunden die Menschen in Genua ihre Anteilnahme. Foto: dpa

Mindestens 39 Menschen hat der Brückeneinsturz in Genua aus dem Leben gerissen. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Im Mittelpunkt steht weiter die Frage: Wer hat Schuld an dem Unglück?

Genua - Baufehler, nicht ausreichende Wartungen: Nach dem Brückeneinsturz im italienischen Genua konzentrieren sich die Staatsanwälte auf mehrere mögliche Unglücksursachen. Nach dem Geschehen mit mindestens 39 Toten weigerte sich Innenminister Matteo Salvini am Mittwoch, eine Zahl zu möglichen weiteren Vermissten anzugeben. Manche antworteten beispielsweise nicht auf Nachrichten, weil sie im Urlaub seien und entspannen wollten - andere seien unter den Trümmern begraben, sagte Salvini. Er hoffe aber, die Zahl der Toten werde nicht weiter steigen. „Wunder sind noch immer möglich.“

Rund 1000 Einsatzkräfte arbeiteten am Mittwoch, einen Tag nach dem Einsturz, weiter daran, den Schutt beiseite zu räumen. Teile der Ponte Morandi waren in eine Tiefe von 45 Metern gestürzt. Die 51 Jahre alte Brücke verbindet die italienische Autobahn A10 Richtung Frankreich mit der A7 Richtung Mailand.

Genua zum Notstandsgebiet erklärt

Nach dem Vorfall erklärte die italienische Regierung Genua zum Notstandsgebiet. Sein Kabinett habe einen entsprechenden Beschluss gefasst, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte nach einer Ministersitzung in Genua. Diese Tragödie sei „in einer modernen Gesellschaft inakzeptabel“. Die Regierung arbeite daran, dass so etwas nicht noch einmal passiere.

Conte kündigte an, die Regierung werde von der Instandhaltungsfirma bereits vor Abschluss der Untersuchungen zur Unglücksursache Schadenersatz verlangen. „Wir können nicht auf die Justiz warten“, sagte er. „Alle Bürger müssen sicher reisen können.“ Der Ministerpräsident sagte zudem, Genua sei durch den Einsturz nun praktisch zweigeteilt. Bahngleise müssten nun schnell freigeräumt werden, weil die Stadt mit der Brücke einen so wichtigen Verkehrszweig verloren habe.

Die Statik der noch stehenden Brückenteile war indes ein Fall für Experten. Die Behörden ordneten eine großräumige Evakuierung nahe gelegener Wohngebäuden an, betroffen waren 630 Anwohner.

Keine ernsthaften Sicherheitsbedenken

Genuas Staatsanwalt Francesco Cozzi sagte, Schwerpunkt der Ermittlungen zum Brückeneinsturz sei menschliches Versagen, etwa, ob es Architektur- und Baufehler oder fehlerhafte Wartungsarbeiten gegeben habe. Er wisse nicht, wer verantwortlich sei, so Cozzi, und ergänzte: „Es war kein Unfall.“ Auf die Frage, ob die Behörden über die Gefahren der Brücke informiert worden seien, erklärte er, es hätte keine ernsthaften Sicherheitsbedenken gegeben. „Sonst wäre niemand von uns (...) 20 Mal im Monat über die Schnellstraße gefahren.“

Vor dem Einsturz war bereits ein 20-Millionen-Euro-Projekt zur Sanierung der Brücke genehmigt worden. Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio warf der Betreibergesellschaft der Brücke, Autostrade Per L’Italia, vor, Profit gemacht statt Geld in die Instandhaltung investiert zu haben. Verkehrsminister Danilo Toninelli fügte an, seine Behörde habe ein Verfahren eingeleitet, mit dem Autostrade mit bis zu 150 Millionen Euro Strafe belegt werden könnte.

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