Die Brücke auf der Straße zwischen Marbach und Murr (Kreis Ludwigsburg) wird mit zusätzlichen Fahrbahnen neu gebaut. Zudem ist eine Einfädelspur geplant – was schon einmal schiefging.
Kaum ein Thema wird derzeit in und rund um Marbach so heiß diskutiert wie der im Sommer anstehende Neubau der Brücke über die Murr auf der Landesstraße 1100. 75 Tage sollen die Arbeiten dauern, das Nadelöhr von Ende Juli bis Mitte Oktober komplett gesperrt sein. Autofahrer müssen dann lange Umwege in Kauf nehmen. Gut möglich allerdings, dass die Stelle zwischen Marbach und Murr am Abzweig nach Benningen auch nach der Freigabe der Brücke die Gemüter erhitzt. Denn mit dem Neubau wird sich die Verkehrsführung an dem Knotenpunkt grundlegend ändern.
Bedingt wird das vor allem durch die Brücke selbst. Aktuell queren Lastwagen, Autos und Co. die Murr auf zwei Fahrstreifen. Die neue Brücke wird deutlich mehr Platz bieten. Bislang hieß es immer, der Verkehr werde künftig über vier Spuren über die Konstruktion geführt. Tatsächlich sollen es aber sogar fünf Streifen sein, erklärt Andrea Panitz, Pressereferentin des bei dem Vorhaben federführenden Regierungspräsidiums (RP) in Stuttgart. Je zwei Fahrbahnen sollen geradeaus führen. Die fünfte ist für Linksabbieger aus Marbach in Richtung Benningen gedacht.
Am Knotenpunkt hat es häufig gekracht
Letzteres dürfte wenig problematisch sein und den Verkehr eher entzerren. Ob allerdings die Aufweitung der Geradeaus-Fahrbahnen auf einer kurzen Passage der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich erst zeigen. Zweifel daran äußerte Ernst Morlock (SPD) jetzt im Marbacher Gemeinderat, als das Konzept für den Neubau der Brücke präsentiert wurde. Er erinnerte daran, dass der Verkehr im Anschluss ja wieder zusammengeführt werden müsse, weil es einspurig weitergeht. „Ich frage mich, wie das unfallfrei funktionieren soll“, sagte Morlock.
„Ich frage mich, wie das unfallfrei funktionieren soll.“
Ernst Morlock, Marbacher Gemeinderat
Eine Befürchtung, die nicht unbegründet sein dürfte. Der Abzweig nach Benningen war vor einigen Jahren nach einem vergleichbaren Konzept umgestaltet worden. Sowohl nach Marbach bis unmittelbar vor der Murrbrücke als auch in Richtung Murr führten zwei Spuren geradeaus, ehe es nach einer kurzen Strecke auf einer Fahrbahn weiterging. Mit üblen Folgen. In nur eineinhalb Jahren krachte es dort fast 100 Mal. Die Behörden zogen deshalb die Reißleine. Im Spätsommer 2025 wurde die Einfädelspur in Richtung Murr vor dem Abzweig nach Benningen gesperrt, ebenso wie jene in umgekehrter Richtung.
Dieses Zurück auf Los scheint sich bewährt zu haben. Im restlichen Jahr nach dem Umbau hätten an der Kreuzung fünf Unfälle aufgenommen werden müssen, erklärt Steffen Grabenstein, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Ludwigsburg. Zuvor, von Januar bis Ende August 2025, hatte die Polizei 23-mal wegen einer Kollision zu dem Knotenpunkt ausrücken müssen.
„Die erste Bilanz ist durchaus positiv, die Unfallzahlen haben sich bislang rückläufig entwickelt“, resümiert Grabenstein. „Die veränderte Verkehrsführung ist unter Verkehrssicherheitsaspekten daher positiv zu bewerten, wobei Langzeiterfahrungen natürlich noch fehlen“, fügt er hinzu.
Setzt das Regierungspräsidium diese positive Entwicklung nun also wieder aufs Spiel? Miriam Höfig betont, dass es bei der Neuplanung einen Unterschied gebe. Die Geradeausspuren würden durch den Brückenneubau zumindest in Richtung Marbach deutlich länger, erklärt die Sachgebietsleiterin Planung im Baureferat West des RP. Damit hätten Autofahrer entsprechend mehr Zeit, sich per Reißverschlussverfahren einzuordnen, die Situation werde dadurch entschärft.
In Richtung Murr bleibt es bei einer provisorischen Lösung
In Richtung Murr bleibe es nach der Brücke jedoch zunächst bei dem aktuellen Provisorium und der Sperrung der zweiten Geradeausspur. Die Planung für eine Verlängerung der zweiten Geradeausspur hätte begonnen und würde zu einem späteren Zeitpunkt realisiert. Auf der Brücke selbst wird zunächst auch nur einer von zwei Fahrstreifen in Richtung Murr nutzbar sein, der Verkehr also nicht geteilt und dann wieder vereint.
Perspektivisch plant man beim RP aber den ganz großen Wurf. Nach dem Abzweig nach Benningen wolle man die Landesstraße 1100 bis zur Bergkelterkreuzung zwischen Murr und Pleidelsheim durchgehend dreistreifig ausbauen, verkündete Andreas Klein, Leiter des Baureferats West im Regierungspräsidium. Dazu müssten jedoch zunächst einige naturschutzrechtliche Dinge geklärt werden. Man habe aber auch die Option, nach dem Knotenpunkt bei Benningen „erst mal ein Stückchen zu bauen, damit auch dort das Verflechten auf einer Regellänge stattfinden kann“.