Die Deutsche Post behauptet, dass das Briefkastennetz stabil sei. Wo abgebaut werde, suche sie einen Ersatzstandort. Ein Senior hat der Post seinen Ärger mitgeteilt.
Schon wieder ein Postkasten weg. Und das vielleicht für immer? Der 88 Jahre alte Werner Kern aus Bad Cannstatt ärgerte sich kürzlich sehr, als er beim Blick auf das Gaststättengebäude in der Augsburger Straße 215 feststellte, dass dort der gelbe Postbriefkasten nicht mehr hing. Werner Kern schrieb daraufhin an die Post eine Beschwerde. Er kritisierte, dass das Unternehmen sich über den Rückgang des Postaufkommens beklage und zugleich über eine Erhöhung des Briefportos nachdenke. Er finde es unvorstellbar, dass die Entfernung eines Einwurfbriefkastens mit betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten begründet werden könne. Bis heute habe er keine Antwort der Post.
Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutschen Post, dass der Briefkasten in der Augsburger Straße abgebaut wurde, weil der Hausinhaber die Post darum gebeten habe. Ein Ersatzstandort werde gesucht. Die Post verweist auf die anderen nächstgelegenen Briefkästen in der Mercedesstraße 109 oder Kienbachstraße/Ecke Winterhaldenstraße. Kern freut sich zwar, dass ein Ersatzstandort gesucht wird. Doch wann wird er gefunden? In der Zeit der vorübergehenden Lücke muss er weitere Wege gehen. Oft fährt er über die Beskidenstraße zum Briefkasten oder er weicht auf einen anderen Postbeförderer aus. Für Kern ist jedenfalls der Vorschlag der Mercedesstraße als nächsten Briefkastenstandort zu weit. Der Senior kritisiert, dass so vieles für das Leben der Menschen umständlicher werde.
Aktuell gibt es in Stuttgart 435 Briefkästen
Die Post indes versichert, dass sie die Gesetze einhalte. „Aktuell haben wir in Stuttgart rund 435 Briefkästen“, sagt Nawrath. Das Briefkastennetz sei seit vielen Jahren stabil. „Wir bauen keine Briefkästen in Stuttgart ab und planen auch keinen Abbau.“ Es gab und gebe vereinzelt natürlich Standortverlagerungen, beispielsweise wegen veränderter Kundennutzung, Straßenumbauten oder weil ein Hauseigentümer den Briefkasten nicht mehr an seinem Haus haben möchte. So wurde auch in Raitelsberg im Stuttgarter Osten vor einer Bäckerei ein Briefkasten abgebaut und dann nach etwa zwei Jahren wieder angebracht. Selbstverständlich halte sich die Post an die Vorgaben der Postuniversaldienstleistungsverordnung (PUDLV), versichert der Sprecher. Briefkästen müssen so ausreichend vorhanden sein, dass die Kunden in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in der Regel nicht mehr als 1000 Meter zurückzulegen haben, um zu einem zu gelangen.
Die Vorschrift von 1000 Metern Fußmarsch hinterfragt Briefkunde Kern. Er stellt fest, dass ein Gang zum Briefkasten 30 Minuten hin und zurück erfordere. Dies begünstige keinesfalls den Briefversand. Auch ist er verwundert, dass der Briefkasten abgebaut wurde und danach erst nach einem neuen Standort geschaut wird, statt umgekehrt. Dies hätte man in einem Arbeitstag erledigen können. Kern befürchtet, dass es zu einer weiteren Portoerhöhung für Briefe kommt. So hat die Post kürzlich einen Antrag zur Portoerhöhung bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Bisher ist geplant, eine Erhöhung erst zum Januar 2025 zuzulassen.
Normalerweise steigt das Porto alle drei Jahre. Falls die Regulierungsbehörde den jüngsten Antrag annimmt, könnte es schon im Januar 2024 teurer werden. Die Post begründete ihre neueste Erhöhung mit Extrakosten durch die Inflation.
Nicht mehr als 1000 Meter Fußmarsch nötig
Die genauen Standorte aller Filialen, Paketshops, Briefkästen und Packstationen findet man unter www.deutschepost.de/standortfinder