Am kleinen Brückenquerschnitt staut sich der Talbach in Hochdorf bei Starkregen auf- oder läuft über. Foto: /Privat

Betroffene des Hochwassers in Hochdorf im Kreis Esslingen im vergangenen Jahr dringen auf schnellere Maßnahmen. Ab Juli haben sie keine Gebäudeversicherung mehr. Jetzt soll die Regierung helfen.

Äußerlich betrachtet scheinen die Hochwasserschäden aus dem vergangenen Jahr in Hochdorf weitgehend beseitigt, auch in den Gebäuden Bachstraße 3 bis 9. Doch die Wohneigentümergemeinschaft steht weiterhin vor einem Scherbenhaufen: ab Juli hat sie keine Gebäudeversicherung mehr, zum Jahresende 2025 hat die Hausverwaltung gekündigt. Für beide ist das Objekt nicht mehr wirtschaftlich. Konkrete und kurzfristige öffentliche Schutzmaßnahmen sind nicht in Sicht, gleichzeitig stößt eine mögliche Eigeninitiative der Betroffenen auf absurde bürokratische Hindernisse.

 

Die Eigentümer haben deshalb einen Brief an die Zuständigen im Umwelt- und Innenministerium geschrieben. „Das ist unser letzter Hilferuf“, sagt ihr Sprecher Sascha Baumann. „Wir sind verzweifelt“. Während sich andere aufs Frühjahr freuen, wächst bei ihnen die Angst vor der Gewitterzeit. Innerhalb von sechs Jahren kam es drei Mal zu Hochwasser: 2018 und 2024 mit Millionenschäden, 2021 stand das Wasser nur so hoch, dass die Schutzmaßnahmen der Wohnungseigentümer das meiste abhielten. Es hätten aber nur wenige Zentimeter gefehlt, sagt Baumann. Schon vor Jahren habe man vorgesorgt und unter anderem Keller und Türen abgedichtet, Hochwasserschotts angebracht und Berge von Sandsäcken gelagert.

Den Ernst der Lage in Hochdorf nicht erkannt?

Am kleinen Brückenquerschnitt staut sich der Talbach in Hochdorf bei Starkregen auf- oder läuft über. Foto: Ait Atmane

Es wäre deshalb aus Sicht der Geschädigten wichtig, dass so viel Wasser wie möglich schon vor dem Ort aufgehalten wird. Ein Rückhaltebecken am Talbach kommt für die Gemeinde aufgrund der hohen Kosten und fehlender Fördermittel nicht infrage. Anders am Tobelbach: Hier wird laut der Gemeindeverwaltung ein Rückhaltebecken geplant, wobei dessen Größe noch gar nicht bekannt ist, denn diese wird von der Höhe der Fördermittel abhängig gemacht. So oder so würde es bei einem ähnlich extremen Hochwasser wie 2024 nicht gänzlich ausreichen, sondern wäre nur ein Baustein des Schutzes, der etwas Entspannung und Zeitgewinn für die Ortsmitte bringt.

Hinzu kommt: Die Umsetzung wird mit den notwendigen Genehmigungen und Planungen mindestens fünf Jahre dauern, das bestätigt der Hochdorfer Bürgermeister Gerhard Kuttler. Den Anwohnern macht diese Aussage Angst. Sie hätten den Eindruck, dass die Behörden und die Landesregierung den Ernst der Lage in Hochdorf nicht erkennen, sagt Baumann.

Auf eigene Kosten haben die Eigentümer der Bachstraße 3 bis 9 nun eine weitere mögliche Maßnahme planen lassen: eine Hochwasserschutzwand aus Beton direkt an den Gebäuden, die bei Bedarf durch Steckelemente erhöht werden könnte. Die Kosten für diese und weitere zusätzliche Schutzmaßnahmen gehen „mit Sicherheit in Richtung von einer Dreiviertelmillion“, so Baumann.

Die Gemeindeverwaltung hat in der Vergangenheit die Anwohner aufgerufen, sich selbst zu schützen und dafür Zuschüsse versprochen. Ob das in diesem konkreten Fall gelte, müsse noch geklärt werden, sagt der Hochdorfer Rathauschef Gerhard Kuttler. Er befürchte, dass durch dieses Projekt mehr Wasser bei den Nachbarn ankommen könnte, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Was wiederum Baumann auf die Palme bringt. Die Gemeinde habe es schließlich in der Hand, selbst etwas zu tun: „Es kann nicht sein, dass wir noch länger das Rückhaltebecken für andere sind.“

Betroffene hoffen auf Termin und Lösung für Hochdorf

Allerdings wäre auch für diese private Maßnahme eine wasserrechtliche Genehmigung und damit ein langer Vorlauf nötig. Und schließlich könnte die Wand das „Schadenspotenzial“ in der Ortsmitte verringern und damit den Landeszuschuss fürs Rückhaltebecken am Tobelbach verhindern. Die Situation ist also vertrackt, ein „kafkaeskes Dilemma“, wie Baumann sagt.

„Unfassbar frustriert“ seien die Eigentümer gewesen, als sich diese Hürden herauskristallisierten. Sie hoffen nun auf einen kurzfristigen Termin mit den Entscheidungsträgern im März. Erste Reaktionen aus der Landespolitik haben sie auf ihr Schreiben hin schon bekommen.

Immer wieder hohe Schäden

Hochwasser 2024
Anfang des vergangenen Jahres wurde die Hochdorfer Ortsmitte überflutet, mit Schäden in Millionenhöhe an Gebäuden. Stark betroffen waren neben den Bewohnern der Mehrfamilienhäuser Bachstraße 3-9 auch die Zinßer-Mühle oder „s’Cafele“ und weitere Anwohner.

Immer häufiger
Das Ereignis im Juni 2024 wurde als ein Hochwasser eingestuft, wie es statistisch gesehen nur alle 1000 bis 5000 Jahre auftritt. Diese Einstufung ist allerdings mittlerweile kaum noch realistisch, wie Experten warnen – es wird in Zukunft weitaus öfter zu Starkregenereignissen kommen. Das Hochwasser 2018 in Hochdorf war als 100-jährliches Ereignis eingestuft, das im Jahr 2021 als 50-jährliches.