Eine der schnelleren Truppen: Peloton des Brezel Race zwischen Dätzingen und Aidlingen im Würmtal Foto: Eibner/Michael Memmler

Über 107 oder 56 Kilometer durchpflügten ambitionierte Hobby-Rennradler am Sonntag den Landkreis Böblingen auf dem Brezel Race. Sie lobten die malerische Strecke mit ihren 1050 Höhenmetern auf der Langdistanz. Die machten den Teilnehmern weniger zu schaffen als die Kälte.

Es dürfte wohl eines der größten Radrennen gewesen sein, die je durch den Kreis Böblingen führten: Das vom ADAC gesponserte Brezel Race zeigte den ambitionierten Hobby-Rennradlern und Profi-Frauen in diesem Jahr die landschaftlichen Reize des Landkreises.

 

In Brezel-Form In der langen Distanz führte die Strecke von der Landeshauptstadt über den Dachswald, durch das Hölzertal weiter über Renningen, Magstadt ins Würmtal Richtung Deckenpfronn nach Gärtringen. Durchs Maurener Tal ging es weiter nach Holzgerlingen und Schönaich und durch das Siebenmühlental wieder zurück nach Stuttgart. Beschrieb also mit viel Fantasie in etwa die Umrisse einer Brezel auf 107 Kilometern. Die Kurzdistanzler bogen schon hinter Vaihingen Richtung Böblingen ab, um von dort Schönaich zu streifen und von da an auf gleicher Strecke Richtung Ziel zu pflügen.

Kampf mit der Kälte Dabei waren die Steigungen in der ersten Hälfte vergleichsweise milde, sagten einige der Teilnehmer. „Eher macht mir die Kälte zu schaffen“, sagt Thomas Fehser von der Radsportgruppe Böblingen. Nachdem er sich in Dachtel die Serpentinen Richtung Deckenpfronn hochgeschraubt hatte, ging es vom höchstgelegenen Ort im Kreis Böblingen eine lange Rampe abwärts nach Gärtringen. „Ich hatte noch überlegt, mir eine Jacke einzupacken, jetzt hätte ich sie eigentlich gerne“, sagt er. Viele friert es an Fingerknöcheln und Fußspitzen – eben dort, wo die Gliedmaßen im Wind stehen.

Feld hinter Dätzingen Richtung Aidlingen Foto: Eibner/Michael Memmler

Vereinzelte Fanclubs Einen zusätzlichen Motivationsschub von seiner Familie und von Nachbarn erhielt Raphael Raith aus Renningen, als er im Peloton durch seinen Heimatort brezelte. „Da standen die zum Anfeuern am Streckenrand, das hatte schon was“, sagt der 39-Jährige, für den es sein erstes Radrennen ist. „Die Steigungen fand ich gut zu meistern, habe sogar einige am Berg überholt“, sagt er. Anders war es auf der Ebene: Da sei auch mal eine Gruppe an ihm vorbeigezogen. Also fuhr er häufiger allein – ohne Windschatten-Effekt.

Stärkung zur Halbzeit Nach 54,3 Kilometern konnten sich die Pedaleure zum ersten und einzigen Mal an einer Verpflegungsstation stärken. Vor der Schwarzwaldhalle in Gärtringen warteten Helfer mit Wasser, Iso-Drink, Kraftriegel und Bananen auf die Hungrigen. Während die vorderen Gruppen es eilig hatten und die Station links liegen ließen, waren einige aus dem Hauptfeld dankbar für die Verschnaufpause. Enttäuscht wurden nur die, die sich nach einem Hefeweizen erkundigten.

Stärkung bei der Schwarzwaldhalle Foto: jps

Mobile Werkstatt in gelb Nicht nur leeren Mägen konnte dort abgeholfen werden, auch Pannen ließen sich beheben. Vor der Schwarzwaldhalle stand ein ADAC-Mobil, das regen Zulauf fand. „Einem habe ich sogar den Schlauch nach einem Platten gewechselt“, sagt der Engel in gelb. „Aber bei den meisten ging es um die Schaltung.“ Einer von ihnen konnte schon an der ersten Steige nach Vaihingen nicht mehr in die niedrigen Gänge schalten – und war heilfroh, als der ADAC-Mann das reparierte.

Frauen in Unterzahl Eine der ganz wenigen Frauen im Feld war die Chinesin Xilu Zheng aus Kornwestheim auf ihrem schwarzen Carbon-Rad. Darauf in Pink die chinesischen Schriftzeichen für Schönheit und Stärke. „Das ist mein Motto heute“, sagte sie, die noch nie an einem Radrennen teilgenommen hat. Außer ihr musste man die Frauen unter den 2200 Radlern auf der Langdistanz aber mit der Lupe suchen.

Dreiergruppe auf einer schnellen Passage Foto: Eibner/Michael Memmler

Veranstalter im Glück „Wir sind hochzufrieden, das Rennen hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Reinald Achilles vom Veranstalter Inflame Events. „Insbesondere wegen der guten Wetterbedingungen, das ist bei so einem Jedermann-Rennen die halbe Miete.“ Der niedrige Frauenanteil von rund 20 Prozent soll gesteigert werden, weswegen ganz bewusst der Women Cycling Grand Prix integriert wurde. „Das soll von der Spitze in die Breite strahlen“, sagt Achilles. Der Termin für 2025 steht bereits fest: 14. September. Gerüchten zufolge wird dann durch den Kreis Esslingen gebrezelt – bestätigt ist es aber noch nicht.