Anwohner der Breslauer Straße haben im Herbst in einer Bürgerfragestunde ihr Leid geklagt. Die Stadt Böblingen reagiert auf Nachfrage zurückhaltend.
Es ist ein wiederkehrendes Thema in Böblingen und vermutlich auch anderswo: Anwohner, die sich über zu schnelle Autos in ihrer Straße beschweren auf der einen und eine Stadtverwaltung, die auf offizielle Messwerte verweist, die dies nicht belegten, auf der anderen Seite.
Zuletzt hatten Anwohner der Breslauer Straße in einer Bürgerfragestunde im Gemeinderat ihr Leid geklagt. Der Vorwurf lautet im Kern: Autofahrer hielten sich nicht an das dort geltende Tempo 30, rasten teils durch die Straße und gefährdeten Passanten. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den Kitas, die in der Straße angesiedelt sind und der Sorge um die Kinder, die beim Bringen, Abholen oder bei Ausflügen die Straße überqueren.
Messungen waren unauffällig
Insgesamt 20 Menschen haben eine Unterschriftenliste unterzeichnet, die die Stadt auffordert, Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings liegen der Stadt offenbar keine Hinweis vor, die auf Raser in der Breslauer Straße hindeuten. Die durchschnittliche Geschwindigkeit habe bei verschiedenen Messungen – beispielsweise mit einem mobilen Blitzer – 29 Kilometer pro Stunde betragen, teilt Stadtsprecher Gianluca Biela mit.
Lediglich zwei Prozent der gemessenen Autos hätten gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung verstoßen. „Die Messungen sind also objektiv unauffällig“, so die Verwaltung. Man könne aber gut nachvollziehen, dass in engen, dicht bebauten oder langen, geraden Straßen, subjektiv eine zu hohe Geschwindigkeit wahrgenommen werde.
Anwohner der Breslauer Straße wiederum argumentieren, dass Autofahrer den mobilen Blitzer von weitem gesehen und rechtzeitig abgebremst hätten. Die Messungen also nicht aussagekräftig seien. Sie fordern unter anderem zwei stationäre Blitzer, mehr Tempo-30-Schilder und Smiley-Schilder, die den Fahrenden ein Lächeln schenken, wenn sie sich an die Geschwindigkeit halten – oder sie bei zu schnellem Fahren mit mit einem traurigen Blick bedenken. „Das wäre für uns schon ein wichtiger Schritt“, sagt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, über die Idee mit den Smiley-Schildern.
Stadt nutzt mobilen Blitzer
Kriterien für stationäre Blitzer sieht die Stadt allerdings nicht erfüllt und gegen mehr Tempo-30-Schilder sprächen rechtliche Vorgaben. In einer Tempo-30-Zone, in der die Breslauer Straße liegt, seien nur am Beginn entsprechende Hinweisschilder erlaubt. Man werde die weiteren Anregungen der Anliegerinnen und Anlieger daraufhin prüfen, ob sie örtlich und rechtlich umsetzbar sind, kündigt Pressesprecher Biela an.
Überhöhte Geschwindigkeiten sind in der Stadt immer wieder Thema. Seit Sommer 2024 hat Böblingen einen mobilen Blitzanhänger im Einsatz. An die Stadt sei herangetragen worden, dass insbesondere in verkehrsberuhigten Bereichen zu schnell gefahren werde, hatte Stadtsprecher Fabian Strauch damals unserer Zeitung als Grund genannt.
Mehr als 10 000 Verstöße in ganz Böblingen
Der Blitzer wird seither laut Gianluca Biela im wöchentlichen Wechsel an verschiedenen Standorten eingesetzt. „Wir wechseln hier ab zwischen Einfall- und Hauptverkehrsstraßen, Wohnsammelstraßen und reinen Wohnstraßen, sodass eine gute Durchmischung erfolgt.“ Zu möglichen Hotspots als Erkenntnis aus den Messungen kann die Stadt allerdings keine Aussagen treffen.
Auch die Zahl der „Geblitzten“ lasse sich nicht so einfach und genau ermitteln, weil viele Faktoren eine Rolle spielten – unter anderem kämen Messungen der Polizei hinzu. Insgesamt könne man aber festhalten, dass die jährlichen Geschwindigkeitsverstöße in Böblingen im niedrigen fünfstelligen Bereich liegen – als ab 10 000 aufwärts. Eine Einordnung dieser Zahl erweist sich als schwierig. So sind laut Biela zwar die absoluten Zahlen in den vergangenen Jahren gestiegen. Das liege aber nicht unbedingt daran, dass generell schneller gefahren, sondern dass mehr kontrolliert werde.