Mit einem Optionsvertrag hat sich das Joint Venture von Daimler Truck und Volvo bis Ende 2029 16 Hektar Fläche im Gewerbegebiet Rosenloh gesichert. Eine Normenkontrollklage gegen die Stadt soll die Verwirklichung der Pläne nicht beeinträchtigen.
Die Vorbereitungen für den Bau einer der europaweit größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten im Kreis Esslingen im neuen Weilheimer Gewerbegebiet Rosenloh gehen weiter. Wie am Montag bekannt wurde, hat zwar am 19. Dezember, kurz vor Ende der einjährigen Einspruchsfrist, eine Privatperson beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg eine Normenkontrollklage eingereicht, um die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans Rosenloh prüfen zu lassen. Das soll aber keine Auswirkungen auf das Projekt insgesamt haben.
Einen Tag später, am 20. Dezember, haben Vertreter des Bauherrn Cellcentric, einem Joint Venture von Daimler Truck und Volvo sowie der Stadt Weilheim, einen Optionsvertrag über ein 16 Hektar großes Grundstück im Rosenloh unterzeichnet. Das haben sowohl Cellcentric als auch die Stadt Weilheim am Dienstag mitgeteilt.
Eines der wichtigsten Zukunftsprojekte in der Region
Der Vertrag ist ein weiterer Schritt hin zur Verwirklichung eines der wichtigsten Zukunftsprojekte in der Region Stuttgart. Für den Transformationsprozess werden dringend große Gewerbeflächen im vergleichsweise dicht besiedelten Wirtschaftsraum Stuttgart gesucht. Doch immer wieder scheitern große Projekte am Widerstand aus der Bevölkerung. Deshalb hatte sich neben dem Verband Region Stuttgart (VRS) und zahlreichen Landespolitikern auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann 2022 im Vorfeld des Weilheimer Bürgerentscheids vehement für das Projekt starkgemacht. Letztlich hatten sich damals 70 Prozent der Weilheimer für die Ansiedlung von Cellcentric ausgesprochen.
Das Gelände ist bis Ende 2029 für Cellcentric reserviert
Der nun geschlossene Vertrag regelt, dass Cellcentric bis Ende 2029 die Möglichkeit erhält, das fest reservierte Grundstück endgültig zu erwerben. Diese Kaufoption, so heißt es in der Mitteilung der Stadt, sichere Cellcentric die Flexibilität, um auf neue Entwicklungen in der Automobilindustrie, der sich noch im Aufbau befindlichen Wasserstoff-Infrastruktur und der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff reagieren zu können.
Die Reservierung lässt sich Cellcentric 15 Millionen Euro kosten. Entsprechend erfreut zeigt sich Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle über die Entwicklung: „Der Abschluss des Optionsvertrags bedeutet für Weilheim finanzielle Planungssicherheit.“ Das Geld sei ein „wesentlicher Beitrag, um die bisherigen finanziellen Aufwendungen der Stadt zu decken“.
Brennstoffzellen der zweiten Generation
Eigentlich hätte das Cellcentric-Werk bereits in diesem Jahr eröffnet werden sollen. Doch immer wieder haben sich die Planungen verzögert. Trotzdem bleibt es weiterhin das Ziel von Cellcentric, in Weilheim eine der größten europäischen Industrieanlagen zur Produktion von Brennstoffzellen zu bauen. Aktuell ist geplant, im Gewerbegebiet die zweite Generation des Cellcentric-Brennstoffzellensystems zur Marktreife zu entwickeln und dort dann auch die Großproduktion anlaufen zu lassen. „Cellcentric bereitet die zukünftige Skalierung von Brennstoffzellensystemen vor. Unser Unternehmen ist somit Teil der treibenden Kraft für den Wandel zu einer nachhaltigen Transportindustrie“, sagt Cellcentric-Chef Niklas Ekström. Neben den 16 Hektar für Cellcentric will Weilheim weitere elf Hektar zur Entwicklung von heimischen Betrieben zur Verfügung stellen.
Auch der Verband Region Stuttgart (VRS) hat dem Vertrag zugestimmt. Wegen der großen Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Stuttgart hatte der VRS erstmals in seiner Geschichte für die Ansiedlung eines regional bedeutsamen Unternehmens eine Bürgschaft bis zu 21 Millionen Euro übernommen: „Der nun unterzeichnete Vertrag ist ein wichtiges Bekenntnis zum Standort Weilheim und zur Region“, sagt der VRS-Regionaldirektor Alexander Lahl.
Erschließung soll Ende 2026 abgeschlossen sein
Die Normenkontrollklage gegen die Stadt Weilheim soll die Verwirklichung der Pläne fürs Gewerbegebiet Rosenloh zeitlich nicht beeinträchtigen. In der Mitteilung der Stadt heißt es zur Klage: „Das Gewerbegebiet Rosenloh bleibt damit derzeit noch ein Projekt, das auch weiterhin Ressourcen in den Verwaltungsebenen und der Justiz bindet.“
Die Vorbereitungen, das rund 30 Hektar große Gewerbegebiet zu erschließen, gehen derweil weiter: Bereits im Frühjahr sollen die ersten Bauleistungen ausgeschrieben werden. Im Sommer könnte dann mit den ersten Umbaumaßnahmen, der Umwandlung einer Kreuzung in einen Kreisverkehr, begonnen werden. Als konkreten Beginn für die Erschließung des Gewerbegebiets nennt die Stadt den Herbst 2025. Bis Ende 2026 sollen die Erschließungsarbeiten – unter anderem entsteht eine neue Umgehungsstraße – abgeschlossen sein.