Im bisherigen Hauptwerk in Kirchheim-Nabern wird seit Jahren an der Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie zur Marktreife gearbeitet. Foto: Daimler AG/Global Communication

In Weilheim könnte eine der größten Brennstoffzellenfirmen Europas entstehen: Das Technologie-Unternehmen Cellcentric will am Albrand bauen und dort die Standorte Nabern, Esslingen und Untertürkheim zusammenziehen. Damit sollen dort 800 Arbeitsplätze entstehen.

Weilheim - Aktuell befindet sich der Nukleus der Brennstoffzellenforschung in Baden-Württemberg noch im Kirchheimer Ortsteil Nabern (Kreis Esslingen). Doch das könnte sich bald ändern. Bisher war nur bekannt, dass das Unternehmen Cellcentric, ein Joint Venture der Daimler Truck AG und der Volvo Group, im benachbarten Weilheim eine der größten Brennstoffzellenfabriken Europas bauen möchte. Jetzt ist durchgesickert, dass Cellcentric in Weilheim die Konzentration nahezu aller seiner Firmenaktivitäten plant. Entsprechende Aussagen des Weilheimer Bürgermeisters Johannes Züfle bestätigt ein Cellcentric-Sprecher, betont aber: „Noch haben wir keine Gewissheit, dass sich unsere Pläne in Weilheim überhaupt verwirklichen lassen. Aber in der Tat denken wir darüber nach, die Produktion, die Entwicklungsaktivitäten und die Verwaltung an einem Ort zu bündeln.“

 

500 neue Arbeitsplätze könnten entstehen

Neben rund 500 neuen Arbeitsplätzen, die im Endausbau der Produktionsstätte auf einem 15 Hektar großen Areal des neuen Weilheimer Gewerbegebiets Rosenloh geschaffen werden könnten, sollen rund 300 bereits existierende Arbeitsplätze aus drei der vier bisherigen Cellcentric-Standorte nach Weilheim verlagert werden. Neben den Mitarbeitern im bisherigen Hauptstandort in Nabern sollen auch Mitarbeiter aus Untertürkheim und dem Standort in Esslingen nach Weilheim wechseln. Lediglich die kleine Niederlassung im kanadischen Burnaby nahe Vancouver soll erhalten bleiben.

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Umso wünschenswerter ist es deshalb aus Sicht von Cellcentric, dass der neue Firmenstandort für möglichst viele der hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar bleibt. Unter diesem Aspekt gewinnt die Aussage des Sprechers an Bedeutung, dass man zwar nach wie vor alternative Bauoptionen auch außerhalb der Region prüfe, Weilheim aber ein „potenzieller und sehr interessanter Standort für uns ist“.

Runde Tische in der Gemeinde zur Cellcentric-Ansiedlung

In Weilheim wird derweil mit Hochdruck die Entscheidung vorbereitet, ob das insgesamt 30 Hektar große Industriegebiet Rosenloh geschaffen wird. Am 19. Oktober wird der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen das weitere Vorgehen beraten. Am 21. Oktober trifft sich bereits zum zweiten Mal ein Runder Tisch zur Cellcentric-Ansiedlung. An ihm sitzen neben Stadtverwaltung und Stadträten Vertreter von Cellcentric, von Umweltverbänden, der IG Metall, der regionalen Wirtschaftsförderung und des Weilheimer Gewerbevereins sowie des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. In den Wochen darauf ist eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung geplant.

Eigentumsverhältnisse sind noch nicht endgültig geklärt

Johannes Züfle ist dabei vorsichtig optimistisch, dass die Grundstimmung in Weilheim einem solchen Großprojekt gegenüber vergleichsweise positiv ist. Bei einer Bürgerbefragung 2020, an der sich mehr als 1000 Weilheimerinnen und Weilheimer beteiligten, haben 71 Prozent der Befragten der These zugestimmt, dass die Kommune auch künftig ausreichend Gewerbeflächen vorhalten müsse und dass sich bei Bedarf auch geeignete neue Betriebe ansiedeln können.

Auch die öffentlichen Diskussionen zum geplanten Gewerbegebiet Rosenloh seien bisher in großem Einvernehmen geführt worden. Nicht abschließend geklärt sind die Eigentumsverhältnisse im Rosenloh. Um eine zusammenhängende, 30 Hektar große Fläche ausweisen zu können, ist Weilheim dabei, die Besitzer von Grundstücken auf einer Fläche von 80 Hektar abzufragen, ob sie einem Verkauf zustimmen. Auf diese Weise will Weilheim ausreichend Tausch- und Verhandlungsmasse sammeln, um denen, die nicht verkaufen wollen, attraktive Flächenangebote machen zu können.

Auch lokale Firmen haben schon Bedarf angemeldet

Seit dem vorigen Jahr kümmert sich die Kommunalentwicklungsgesellschaft der LBBW um den Grundstückserwerb und die Beratung der Verkäufer. Johannes Züfle: „Rund die Hälfte der mehr als 300 Eigentümer war schon beim Notar und hat zugesagt, uns ihre Flächen im Fall der Realisierung des Gewerbegebiets zu verkaufen.“ Dass es auch bei diesen Gesprächen keinen Aufschrei der Empörung gegeben habe und die dabei vereinbarte Vertraulichkeit von allen Gesprächspartnern offensichtlich akzeptiert worden sei, wertet der Weilheimer Bürgermeister als weiteres Zeichen dafür, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung den Erweiterungsplänen im Weilheimer Gewerbebereich positiv gegenübersteht.

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Denn nicht nur Cellcentric soll im Rosenloh eine neue Heimat finden. Auch etliche in Weilheim ansässige Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben schon Erweiterungsbedarf bei der Stadt angemeldet. Auch ihre Wünsche sollen im Gewerbegebiet Rosenloh berücksichtigt werden.