Göppingens Erste Bürgermeisterin Almut Cobet (vorne links), aber auch die Polizei und der GVD,  lassen sich  schildern, was sich dort täglich abspielt. Foto: Staufenpress

Anwohner und Geschäftstreibende schlagen Alarm wegen der Zustände am Göppinger Apostelhof.

Das mehr als zweistündige Treffen war als Runder Tisch deklariert, den die CDU-Landtagsabgeordnete und Stadträtin Sarah Schweizer gefordert und die Stadt organisiert hatte. Schweizer hatte in einem Brief an den Oberbürgermeister davon gesprochen, dass die Lage am Apostelhof „sowohl für die Anwohnerschaft als auch das örtliche Gewerbe so nicht weiter tragbar ist“. Schweizer schrieb: „Regelmäßig kommt es zur Ansammlung von Menschen im Apostelhof, die sich exzessiv betrinken und häufig auch Drogen konsumieren oder mit diesen handeln. Immer wieder berichten Anwohner, Passanten und Mitarbeiter von Geschäften von Bedrohungen und Belästigungen.“ Und weiter: „Insbesondere kommt es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Schlägereien, die das Sicherheitsgefühl im Apostelhof nachhaltig beeinträchtigen. Mindestens zweimal pro Woche muss der Krankenwagen anrücken.“

 

Überall wird uriniert und Müll hinterlassen

Jetzt versuchte die Stadtverwaltung, vertreten durch die Erste Bürgermeisterin Almut Cobet, den Gemeindevollzugsdienst, die Ordnungsbehörde und die Stadtplanung, gemeinsam mit den Anwohnern, der Polizei, den Streetworkern und anderen Beteiligten Lösungen zu finden. Es begann mit einem Vor-Ort-Termin am Apostelhof. Dort bestätigten die Anwohner die Lage: Vor dem Hauptzugang zu den Wohnungen sei wegen der Menschenansammlungen oft kein Durchkommen, erklärte eine Anwohnerin, überall werde hingepinkelt und Müll hingeworfen. Ein anderer Nachbar berichtete, er beobachte von seinem Balkon aus häufig Drogengeschäfte. Ein weiterer Bewohner erzählte, es seien dort ständig zwölf bis 15 alkoholtrinkende Menschen versammelt, die Sitzbänke stünden den ganzen Tag voller Bierdosen.

Als die Runde im Ratssaal fortgesetzt wurde, lieferte Gerhard Daiber, Seniorchef des Edeka-Einkaufsmarktes am Apostelhof, die eindringlichste Schilderung der Misere: Wie er mit vielen Investitionen und Optimismus die Außenbewirtung seiner Bäckereiabteilung gestartet habe, aber „krachend gescheitert “ sei. Wie er beschimpft und bespuckt werde, wenn er darum bitte, seine Außengastronomie zu respektieren. Hausverbote würden einfach ignoriert. „Und wenn die Polizei kommt, haben die sich in Luft aufgelöst.“ Daiber schilderte die Belastung für seine Mitarbeiter: „Die Szene ist mega gefährlich und die Sache kippt“, sagte der merklich belastete Geschäftsmann und bezeichnete den Apostelhof als „bösen Brennpunkt“.

Für ein Alkoholverbot fehlen die rechtlichen Voraussetzungen

Wolfram Bosch, der Leiter des Göppinger Polizeireviers, sagte, auch für seine Beamten sei der Apostelhof „absolut im Fokus“. Hinzu kämen kleinere Einsätze, beispielsweise wegen Ruhestörungen. Der Revierleiter machte darauf aufmerksam, dass die Polizei darauf angewiesen sei, dass Vorfälle auch gemeldet würden. Einig waren sich die Teilnehmer, dass es letztlich nur um ein Verdrängen der als problematisch empfundenen Personengruppen gehen könne.

Zu den Lösungsvorschlägen gehörte ein Alkoholverbot. Doch Katrin Eichelmann, Leiterin des städtischen Fachbereichs Recht, Sicherheit und Ordnung, machte deutlich, dass dafür die rechtlichen Voraussetzungen am Apostelhof nicht gegeben seien. Polizeirevierleiter Bosch schilderte, wie die Polizei stattdessen mit Aufenthaltsverboten agiere. Gegen eine Person sei das bereits verhängt worden, weitere würden folgen. „Das spricht sich herum,“ sagte Almut Cobet. Nun soll ein Alternativ-Ort gesucht werden, wohin man diese Klientel locken könnte.