Wer den alten Ofen aus dem Keller holt oder einen neuen Kaminofen in sein Wohnzimmer eingebaut hat, muss für Brennholz künftig tiefer in die Tasche greifen. Es muss mit Lieferstopps in den kommenden Monaten gerechnet werden.
„Aufgrund der sehr hohen Nachfrage nach Brennholz können wir momentan keine Aufträge mehr zur Auslieferung und Abholung entgegennehmen. Der Bestelleingang der letzten Wochen war enorm, so dass wir eine Warteliste anlegen mussten“ – wer sich in den vergangenen Monaten an den Holz- oder Koksofen der Großeltern erinnerte angesichts der aktuellen Diskussion über steigende Energiepreise oder wer sich für einige Euros zusätzlich in den vergangenen Jahren einen Kaminofen in seine Wohnlandschaft hat einbauen lassen, der muss nun enttäuscht feststellen: Auch hier kennen die Preise nur einen Weg, und zwar den nach oben.
Belieferung wird im August entschieden Nicht alle warnen so deutlich davor wie Uwe Mangold von der Firma Holzenergie Hermann in dem eingangs erwähnten Zitat auf der Internet-Startseite. Da heißt es außerdem noch: „Im Laufe des August entscheidet sich, ob wir die eingegangenen Bestellungen in vollem Umfang bedienen können, hierzu informieren wir gesondert. Bitte haben Sie auch Verständnis, dass wir Anrufe, E-Mails nicht sofort entgegennehmen beziehungsweise beantworten können.“ Im Gespräch beschreibt Mangold detaillierter seine Situation: „Die Zunahme des Brennstoffs Holz war schon zum letzten Quartal 2021 erkennbar. Mit Beginn der Lieferschwierigkeiten vieler unserer täglichen Güter, haben sich die Leute wieder auf den ‚guten alten‘, zuverlässigen, regionalen und natürlich CO2-neutralen Brennstoff Holz zurückbesonnen. Mit Beginn des Jahreswechsels und explodierenden Energiekosten überrollte uns förmlich ein nie da gewesener Bestelleingang, der für uns und auch vieler unserer Kollegen/Mitbewerber nicht mehr zu bewältigen war und ist. 30 bis 40 Anrufe und mindestens ebenso viele E-Mails pro Tag sind einfach nicht mehr bearbeitbar, da wir Brennholzerzeuger für solch derartige Anstürme schlicht und ergreifend nicht eingerichtet sind.“ Seine Konsequenz in dieser Situation: „Inzwischen führen wir für noch eingehende Bestellungen eine Warteliste, da noch nicht absehbar ist, was noch zusätzlich an Kunden beliefert werden kann.“
Preissteigerungen schon beim Förster Die Preisgestaltung beginnt freilich nicht beim Händler, sondern bei jenen, die das Holz bereitstellen. Das ist beispielsweise der landeseigene Betrieb Forst-BW, mit mehr als 300 000 Hektar Staatswald der größte Forstbetrieb des Landes, unterteilt in 21 Forstbezirke, auch auf Stuttgarter Gemarkung. „Auch hier regelt der Markt den Preis. Momentan übersteigt die Nachfrage das Angebot, Brennholz wird also für die kommende Saison teurer“, so Kathrin Klein vom Forstbezirk Schönbuch. Konkret zeigt sie das auf am Beispiel Buche: „Zuletzt wurde Brennholz Buche zu 78 Euro pro Festmeter verkauft. Für die kommende Saison liegen wir bei 82 Euro.“ Und sie hat auch einen Vergleich: „2021 sind wir im Buchen-Brennholzpreis bei 64 Euro gestartet.“ Und Klein gibt noch einen Spartipp: „Die Baumarten Eiche und Esche sind mit 69 Euro beziehungsweise mit 73 Euro pro Festmeter wegen der geringeren Nachfrage günstiger.“ Wobei Angebot und Nachfrage von Holz bei Forst-BW nur ein Aspekt sind. Auch hier muss mehr bezahlt werden, da die Treibstoffe wie Diesel teurer geworden sind.
Holz zum Selbstbearbeiten Wer gut mit der Axt umgehen kann, für den ist vielleicht das sogenannte Polterholz noch eine Sparmöglichkeit. Das sind Baumstämme, die an Waldwegen aufgehäuft sind. Die werden von Forst-BW direkt verkauft. Der Käufer muss dann selbst ofentaugliche Holzscheite daraus machen.
Der Forstplan Auch wenn die Preise weiter steigen, wird es auf absehbare Zeit nicht mehr Holz aus den Wäldern geben. Das Gartenamt der Stadt Stuttgart – auch ihr gehört viel Wald in und um Stuttgart – erinnert da an den sogenannten Forsteinrichtungsplan, der erst vor wenigen Monaten nach teils erbitterten Diskussionen beschlossen wurde. „Im Durchschnitt der Jahre wird nicht mehr Holz geschlagen werden, als diese Planung vorsieht. Das Landeswaldgesetz erlaubt es nicht, mehr Holz zu schlagen als nachwächst“, heißt es aus dem Gartenamt. Immerhin: „Die Baumstämme, die diesen Winter bei Verkehrssicherungsmaßnahmen an Waldrändern zu Bebauungs-, zu Straßen- oder Straßenbahnrändern angefallen sind, wurden zumeist als Brennholz verkauft. Darüber hinaus findet derzeit kein regulärer Einschlag statt“, so die Information aus dem Forst- und Gartenamt der Stadt.
Händler setzt auf Holzgasanlage Brennholzhändler Mangold treibt noch ein anderes Thema um angesichts der Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren: „Gerne würden wir an unserem Standort ein Nahwärmenetz mittels Holzgas-Blockheizkraftwerk und eines Biomassekessel errichten“, so Mangold. Der Rohstoff wäre bei ihm vorhanden: Eben das Holz, das nicht mehr den Anforderungen an Brennholz genügt. „Den erzeugten Strom benötigen wir für unsere Produktion selbst und die erzeugte Wärme für die Trocknung von Scheitholz und Hackschnitzel. In einem weiteren Schritt könnten wir damit auch die umliegenden Industriebetriebe versorgen“, so Mangold. Sein Problem: „Die Bürokratie sowie die Förderungsrichtlinien, die in der Hauptsache nur auf Biogasanlagen abzielen“. Inzwischen sei die Technik der Holzgasanlagen weiterentwickelt worden, auf jeden Fall sei dies eine Alternative zu Biogas.