Angesichts einer drohenden Gaskrise schauen sich viele Menschen nach alternativen Heizmöglichkeiten um. Vor allem die Nachfrage auf Brennholz ist enorm gestiegen – das setzt Förster und Brennholzhändler auch im Kreis Böblingen mächtig unter Druck.
Die Leute rennen uns das Haus ein: So beschreibt ein Brennholzhändler aus Weil im Schönbuch die Situation. Sein Telefon klingelt ununterbrochen – eigentlich ungewöhnlich für die Sommermonate, in denen es im Holzhandel zumeist ruhig zugeht. Doch nicht in diesem Jahr: Die Folgen der Gaskrise bekommen momentan vor allem diejenigen zu spüren, die andere Heizmittel – wie Holz – anbieten. Nur während der Ölkrise in den 70er Jahren sei die Nachfrage vergleichbar hoch gewesen, sagt der Holzhändler, der bereits mehrere Jahrzehnte im Geschäft ist: „Aber selbst damals war es nicht ganz so schlimm wie jetzt.“
Wer momentan versucht, an Brennholz zu kommen, findet bei vielen Anbietern im Kreis folgenden Vermerk auf der Internetseite: „Wir beliefern nur noch Stammkunden“. Dies ist auch der Fall bei dem Brennholzhändler aus Weil im Schönbuch, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zwischen 400 und 500 Festmeter Buche, Eiche und Birke verarbeiten die Weilemer Händler jedes Jahr. Dieses Jahr könnten sie allerdings einiges mehr verkaufen.
Aber: Die Kontingente sind begrenzt und die Arbeitskraft auch. Dazu kommt, dass das Holz nach dem Einschlag eineinhalb bis zwei Jahre trocknen muss, bevor es verfeuert werden kann. Die gestiegene Nachfrage kann deshalb nicht schnell bedient werden. „Die Leute haben Angst“, sagen die erfahrenen Brennholz-Anbieter. In früheren Jahren haben ihre Kunden sich zumeist im Oktober oder November gemeldet. In diesem Jahr klingelte das Telefon bereits im Mai.
In den Sommermonaten beginnen die Planungen für die nächste Saison
Das kann auch Alexandra Radlinger, die stellvertretende Forstamtsleiterin im Kreis Böblingen, bestätigen. Das Forstamt beliefert einen Großteil der Kommunen im Kreis mit Brennholz. Die Planungen für die Brennholzsaison beginnen bereits in den Sommermonaten, in denen sich die Förster Gedanken machen, wie viel und welches Holz für die anstehende Saison geschlagen wird.
„Auch wir sind von der massiven Nachfrage überrascht worden“, sagt Radlinger. „Das beschäftigt uns stark, weil wir das auch für die kommende Saison im Blick haben.“ Das Problem: Brennholz lässt sich nicht einfach von heute auf morgen in Massen generieren. Und nicht nur Brennholz ist stark gefragt, sondern alle Arten von Holz, beispielsweise für die Papier- und Sägewerkindustrie. Trotzdem versuchen die Förster den hohen Bedarf an Holz in ihrer Einschlagsplanung zu berücksichtigen. Darüber, wie das in der Praxis genau aussehen soll, haben die Förster aber noch keine Entscheidung getroffen. Doch Alexandra Radlinger sagt: „Was nachhaltig möglich ist, das machen wir auch.“ Das bedeutet aber auch, dass nicht einfach Baumfällungen vorgezogen werden können, die erst in den nächsten Jahren anstehen. „Der Nachhaltigkeitsgedanke darf nicht außer Acht gelassen werden“, sagt die stellvertretende Amtsleiterin. Das bedeutet, dass pro Jahr nur so viel Holz entnommen werden darf, wie auch wieder nachwachsen kann.
Hauptsächlich Buchenholz wird im Kreis Böblingen verbrannt
Hauptsächlich Buchenholz wird im Kreis Böblingen als Brennholz verfeuert – auch das wird sich in den nächsten Jahren wohl ändern. „Die Leute müssen sich daran gewöhnen, dass auch anderes Holz brennt“, sagt Alexandra Radlinger.
Wer genau die Käufer von Brennholz sind, kann die stellvertretende Amtsleiterin nicht beantworten. Sie nimmt an, dass diejenigen, die ausschließlich mit Holz heizen, schon Vorräte für die nächsten Jahre anlegen.
Brennholztourismus kommt noch nicht vor
Und wahrscheinlich kaufen auch diejenigen, die sogenannte Komfortkamine haben, mehr Holz ein, um eine Alternative zu haben. „In diesem Fall steigt der Verbrauch natürlich auch enorm“, sagt sie. Einen massiven Brennholztourismus – dass Menschen, um an Brennholz zu kommen, weite Wege auf sich nehmen – registrieren Alexandra Radlinger und ihre Kollegen im Kreis allerdings noch nicht.
Auch ist Radlinger noch nicht zu Ohren gekommen, dass in den Kommunalwäldern im Kreis Böblingen verstärkt Holz gestohlen wird, um Vorräte für den kostenintensiven Winter anzulegen. Dazu sei die soziale Kontrolle im Wald im Kreis Böblingen zu hoch, sagt sie.
Zuletzt hatte Max Reger von Forst-BW, dem größten baden-württembergischen Forstbetrieb, davor gewarnt, dass aufgrund steigender Energiekosten immer mehr Diebe Holz in großem Stil aus dem Wald transportieren, darunter auch Brennholz. Der Kreis Böblingen scheint davon – für den Moment – verschont zu sein.