Der neue Nexio kehrt frühestens Anfang 2026 auf die Schiene zurück. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Erneut bremst das komplexe Bremssystem die Schönbuchbahn aus. Einen Termin für den Regelbetrieb gibt es erst gar nicht.

Die jüngste Malaise auf der Schönbuchbahn geht in die Verlängerung: Am Dienstag teilten die Verantwortlichen auf der Sitzung des Zweckverbands mit, dass der angepeilte Termin für die Wiederinbetriebnahme der Bahn am 15. Dezember nicht zu halten sei. Seit Ende Oktober fahren auf der Strecke zwischen Böblingen und Dettenhausen Busse im Schienenersatzverkehr aufgrund von neuerlichen Problemen mit der Bremse. Einen Termin für den Neustart nennen die Betreiber noch gar nicht, nur: „Anfang des kommenden Jahres.“

 

Sensibel eingestellte Bremse

Das Kernproblem liege laut Herstellerangaben in einem zu sensibel eingestellten Software-Parameter des Gleit- und Schleuderschutzsystems der neuen elektrischen Nexio-Züge. Dieses System, das eigentlich das Durchdrehen der Räder beim Anfahren und Blockieren beim Bremsen verhindern soll, reagiere im nasskalten Herbstwetter über. Wie Gerhard Ferstl, Projektmanager beim Hersteller CAF in Deutschland, erläutert, signalisierte der Mechanismus dem Zug, unnötig zu bremsen, was zu einem erheblichen Verschleiß der Räder führe und sogenannte „Flachstellen“ erzeuge.

Ferstl sprach von einem „Phänomen der schlüpfrigen Schiene“, einer Kombination aus Feuchtigkeit und den niedrigen Temperaturen, die die Reibung zwischen Rad und Schiene absenkt. Trotz umfangreicher Tests, sogar auf einer mit Schmierseife präparierten Strecke, habe die Realität vor Ort andere Bedingungen offenbart. Der Fehler wurde zwar nach wenigen Tagen gefunden, doch seine Behebung zieht sich hin.

Die gute Laune ist dem Landrat nach dem holprigen Start wieder vergangen Foto: Archiv/Max Vogel

Der eigentlich für den 14. Dezember angepeilte Termin für die Wiederaufnahme des fahrplanmäßigen Betriebs ist laut Ferstl nicht zu halten. Grund dafür sind zu viele Rückfragen von der Zulassungsbehörde, der Landeseisenbahnaufsicht (EBA). Die Behörde sei „relativ sensibel, gerade wenn Worte wie Bremsversagen herumgeistern“, so Ferstl. Die zu hohe Reaktionsgeschwindigkeit des Systems führte dazu, dass die Züge „auf Nummer sicher gingen und stark abbremsten“. Von einem Versagen der Bremse könne aber keine Rede sein, vielmehr von einer zu hohen Sensibilität.

Um alle Rückfragen zu beantworten und mit der modifizierten Bremsen-Kalibrierung einen zuverlässigen und sicheren Betrieb anbieten zu können, seien weitere Schritte nötig. Landrat Bernhard zeigte sich dennoch tief frustriert: „Mir fehlt die Fantasie, dass es bis zur kommenden Woche zu einem regelhaften Betrieb kommt.“ Er forderte den Hersteller CAF auf, das restliche Jahr zu nutzen, um die Probleme unter Hochdruck zu lösen. „Wir sagen bewusst Anfang nächsten Jahres – und nennen nicht einen Tag x, y oder z“, sagt der Landrat. Ferstl bat die Fahrgäste um Entschuldigung und Verständnis: „Es ist leider Gottes so, dass so ein Zug ein komplexes System ist mit vielen Untersystemen. Der Teufel verbirgt sich im Detail. Wir haben eine Kinderkrankheit im System, die wir jetzt ausmerzen.“

„Nennen bewusst keinen Termin“

Problem bei wenigen Fahrgästen

Tatsächlich seien die unbeabsichtigten Schnellbremsungen am Rand der Betriebszeiten aufgetreten. Also wenn die Züge nicht stark frequentiert und daher leichter waren. Die geringere Achslast der Nexios sei eine Anforderung auch aus dem 15-Minuten-Takt gewesen. Dieser bringe höhere Anforderungen an Beschleunigung und Verzögerung mit sich – und diesen scheinen die komplexen Regel- und Steuerungssysteme voller Elektronik noch nicht gewachsen.

Feierliche Einweihung am 26. Juli Foto: Archiv/Eibner

Der aktuelle Ausfall ist nur der jüngste in einer Reihe von Schwierigkeiten für die Schönbuchbahn. Schon seit Mitte Oktober werden die Züge durch Busse ersetzt. Zuvor hatten wiederkehrende Fahrzeugstörungen den angestrebten 15-Minuten-Takt verhindert, und im September war die Strecke zwischen Holzgerlingen und Dettenhausen wegen „Bewegungen im Untergrund“ gesperrt.

Auch die generelle Inbetriebnahme der neuen Züge hatte sich aufgrund von Problemen mit der Bremsengenehmigung bereits deutlich verzögert. Wer für die Kosten des aktuellen Ausfalls und des Schienenersatzverkehrs aufkommt, ist noch offen. Hier laufen die Verhandlungen zwischen Betreibergesellschaft und Hersteller.

Holpriger Start für die CAF

CAF
Die Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) ist ein spanischer Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Sitz in Beasain im Baskenland. Die CAF ist international tätig und macht einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro.

Genehmigung
Nach vierjährigem Hickhack hatten die Triebwagen der CAF am 18. März von der Landeseisenbahnaufsicht (LEA) Baden-Württemberg beim Eisenbahn-Bundesamt Außenstelle Stuttgart/Karlsruhe die Betriebserlaubnis erhalten.