Der Sportplatz des TV Kemnat ist dringend sanierungsbedürftig. Foto: Horst Rudel

Für einen Kunstrasen in Kemnat kämpfen der Turnverein und die Pfingstweideschule. Beide arbeiten eng verzahnt mit dem Nachwuchs. Die Infrastruktur erschwert das.

Bei der Einführung der Ganztagsschule spielt das Ehrenamt eine Schlüsselrolle. Am runden Tisch beraten die vier Ostfilderner Sportvereine deshalb, wie sie das Ganztagsangebot unterstützen können. Im Dialog mit Stadträten und Zweitkandidaten für die Landtagswahl 2026 loteten nun Vertreter des TV Kemnat Möglichkeiten der Kooperation mit der benachbarten Pfingstweideschule aus. „Ein großes Hemmnis ist, dass unser Sportplatz dringend saniert werden muss“, sagte der Vorsitzende Marcus Bienzle.

 

Trotz knapper Kassen steht das Sanierungsprojekt bei den Stadträten in Ostfildern weit oben. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 10. Dezember, steht das Thema auf der Tagesordnung. Bei der Entscheidung, ob der TSV Scharnhausen oder der TV Kemnat einen Kunstrasenplatz bekommt, hatten die Gemeinderäte für ersteren votiert. Der Grund: Das Gelände an der Körsch ist nach Ansicht von Experten besser geeignet.

Sportlehrerin Claudia Sachs macht Grundschülern Lust auf Bewegung. Foto: Roberto Bulgrin

Mit Blick auf die Jugendarbeit und die Ganztagsschule wagen die Kemnater nun erneut einen Vorstoß, um doch einen Kunstrasen möglich zu machen. Von den 1100 Mitgliedern des Vereins sind 60 Prozent Kinder und Jugendliche. „In den Herbst- und Wintermonaten kann auf dem Kunstrasenplatz nur in Ausnahmefällen Training stattfinden“, sagte Fabian Wahler, der die Fußballabteilung des TVK leitet. Bei Regen ist nach seinen Worten „ein Kunstrasenplatz schneller wieder bespielbar.“

Das bestätigte die Stadträtin Petra Hönschel-Gehrung (Freie Wähler), die an der Erich-Kästner-Schule in Nellingen unterrichtet. Dort gibt es einen Kunstrasenplatz. Die Pädagogin bestätigte, dass sich der Platz relativ einfach abziehen lässt. Bei einem Naturrasen, so Bienzle, müssten Teams des Bauhofs regelmäßig ausrücken. Das koste die Stadt dauerhaft Geld, während der Kunstrasen von Vereinsmitgliedern gereinigt werden könnte. Sofern die Kemnater für einen Kunstrasenplatz Fördergelder vom Bund und vom Württembergischen Landessportbund bekämen, würden die Mehrkosten nach Bienzles Worten nur 175 000 Euro betragen.

Mütter und Väter in Kemnat in Sorge

In der kalten Jahreszeit trainiert Kemnats Fußball-Nachwuchs im Scharnhauser Park. Das erfüllt viele Mütter und Väter mit Sorge, da Kemnat keinen direkten Anschluss an die Stadtbahn hat. Wie eng verzahnt der TV Kemnat mit der benachbarten Pfingstweideschule arbeitet, bestätigte Konrektorin Claudia Sachs. „Wir kooperieren auf vielen Ebenen“, sagt die Sportpädagogin. Die Schule hat einen Bewegungsschwerpunkt und bietet vier Wochenstunden Sport an. Ab 2027 soll auch die Grundschule in Kemnat Ganztagsschule werden; bis dahin wird das in die Jahre gekommene Gebäude saniert und für den Ganztagsbetrieb erweitert. Sachs wünscht sich einen Sportplatz, auf dem für alle Ballsportarten nicht nur Linien dauerhaft eingezeichnet sind. Mit klappbaren Körben könne man den Platz etwa für Basketballer ertüchtigen.

Die Trainingsbedingungen auf dem Kemnater Sportplatz sind nicht ideal. Foto: Horst Rudel

„Bei der Ganztagsschule bauen wir auf Projekte mit dem TV Kemnat.“ Das lässt sich aus Sicht der Pädagogin nur sinnvoll verwirklichen, wenn die Infrastruktur stimmt. Wie eng der Verein und die benachbarte Schule verzahnt sind, zeigt die gemeinsame Einsatzstelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Seit 2021 ziehen Verein und Schule da an einem Strang. Gemeinsam mit dem TV Nellingen, dem TB Ruit und dem TSV Scharnhausen trägt der Kemnater Sportverein die Kindersportschule (KISS), in der Jungen und Mädchen früh an Bewegung und Sport herangeführt werden. Auch in den Kindergärten ist der Verein präsent. Trainer kommen zu den Kleinen und bieten ein Live-Training an. Ausflüge zu den Stuttgarter Kickers stehen ebenfalls an.

Ist ein Kunstrasenplatz in Kemnat möglich?

Ob sich ein Kunstrasenplatz in Kemnat realisieren ließe, konnten die Politiker nicht beantworten. Stadträtin Ulrike Berger-Kögler (CDU) ermutigte den Verein, genaue Zahlen vorzulegen, was den Pflegeaufwand bei Kunstrasen angeht. Pamela Sichel, CDU-Zweitkandidatin im Wahlkreis Esslingen, wollte wissen, wie flexibel die Trainer schon nachmittags einsetzbar wären. Sichel plädierte für flexible Ganztagsmodelle, „die den Familien entgegen kommen.“

Die Bedeutung der Vereine für die Ganztagsschule steht für Oliver Werner-Blum außer Frage. Der Fraktionschef der Grünen und Zweitkandidat für die Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Esslingen sieht mit dem Schultyp „Chancengleichheit“ und „Teilhabe“ verwirklicht. Dennoch ist für ihn die entscheidende Frage, was finanzierbar ist. Wie gut das Miteinander von Ganztagsschule und Verein klappt, sieht Ünal Yalcin (SPD) bei seinen Kindern: „Nach dem Unterricht sind sie im Verein aktiv.“ Schnittstellen von Schulen und Vereinen will der Stadtrat noch intensiver ausloten.