Präsident Claus Vogt, Vereinsmanagerin Lisa Lang,Oriana D’Aleo und Rainer Adrion . Foto: VfB Stuttgart/vfb.de

Der VfB Stuttgart hat eine seiner wichtigsten Zukunftsfragen geklärt. Die Weiß-Roten bieten zukünftig Frauen und Mädchen die Möglichkeit, im Brustringtrikot Fußball zu spielen. Auch ein Kooperationspartner ist gefunden.

Stuttgart - Die SG West ist es dann doch nicht geworden. Von dort zogen unlängst zwei Sechstklässlerinnen aus, um Unterschriften für eine Frauen- und Mädchenfußballabteilung beim VfB Stuttgart zu sammeln. 1868 sind es am Ende geworden. Ein paar Stimmen haben zur symbolträchtigen Zahl 1893, die beim Club mit dem Brustring eine fundamentale Rolle spielt, dann doch gefehlt. Doch immerhin können die beiden Mädchen für sich reklamieren, der vielleicht letzte stete Tropfen gewesen zu sein, der den Stein endgültig höhlte.

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Der VfB hatte da allerdings schon längst hinter den Kulissen Nägel mit Köpfen gemacht. Monatelang war das Thema Mädchen- und Frauenfußball intensiv besprochen worden – seit es Präsident Claus Vogt in seinem Wahlprogramm 2019 zu einer der großen Zukunftsfragen des größten Vereins in Baden-Württemberg gemacht hat. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, viele Gespräche geführt, Konzepte entworfen, mit möglichen Kooperationspartner gesprochen. „Das gehört zur gesellschaftlichen Verantwortung eines Proficlubs“, wiederholte Vogt immer wieder, als ihm die Frage nach dem Warum gestellt wurde. „Es ist ein überfälliger Schritt“, sagte Vogt damals unserer Redaktion: „Das müssen wir machen, und das wollen wir auch aus Überzeugung. Schließlich sind 40 Prozent unseres Publikums weiblich.“

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Spätestens als mit Lisa Lang eine ehemalige Zweitligaspielerin und jetzige Frauenfußball-Trainerin (TSV Münchingen) beim Club als „Vereinsmanagerin“ angeheuert hat, war es nur noch eine Frage von Wochen, ehe es soweit sein würde. Nun sind die letzten Details geklärt. Der VfB Stuttgart legt auf Breitensport-Ebene mit dem Mädchen- und Frauenfußball los. Die Weiß-Roten aus Bad Cannstatt kooperieren hierfür mit den Blauen aus Obertürkheim, die drei ganz wichtigen Buchstaben im Namen tragen: Es ist der VfB Obertürkheim.

Dort ist man gut im Thema. Schließlich ist der Club mit dem Mühlrad im Logo, dem alten Obertürkheimer Wappen, seit Jahren die erste Adresse für Frauen- und Mädchenfußball in der Stadt. Drei aktive Frauenmannschaften hat der VfB im Wettbewerb, die erste Mannschaft spielt in der Regionalliga, die zweite Landesliga, die dritte immerhin Bezirksliga. Abteilungsleiterin Oriana D’Aleo und ihre Mitstreiter leisten seit Jahren überzeugende Arbeit.

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Manch in der Szene gut vernetzte Beobachter wurden schon vor einigen Wochen hellhörig ob der jetzt offiziellen Kooperation. Da begannen die Obertürkheimer in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram fleißig um neue Spielerinnen zu werben. Die Cannstatter übernehmen nun von den Obertürkheimern das Spielrecht. Geplant ist der Aufbau mehrerer Teams im Aktiven- und Nachwuchsbereich. Die entsprechenden verbandsrechtlichen Anträge haben beide Vereine bereits bei den zuständigen Verbänden eingereicht.

Den Spielerinnen sowie den Trainer- und Betreuerteams von Obertürkheim wird angeboten, sich dem VfB Stuttgart anzuschließen, um dort weiterzuspielen. „Für diesen Schritt hat sich eine große Mehrheit bereits jetzt ausgesprochen. Wir wollen gemeinsam mit dem VfB Stuttgart und unter seiner Flagge sportlich weiterwachsen und so den Frauen- und Mädchenfußball in Stuttgart weiter voranbringen“, sagt D’Aleo, Abteilungsleiterin Frauenfußball beim VfB Obertürkheim und seit Dienstag auch beim VfB Stuttgart.

Jetzt geht es also los. Bis die ersten Mannschaften am Spielbetrieb des Verbandes teilnehmen werden, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Man peilt aufgrund einiger noch zu klärender Themen und den Regularien des Verbandes die Saison 2022/23 an. Bis dahin ist vielleicht ja auch die Frage nach der Trikotfarbe geklärt.

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