Flächendeckender Breitbandausbau auf dem Land – Welzheim macht vor, wie das gelingen könnte. Foto: IMAGO/Silas Stein

Jahrelang galt der Vollausbau als Vision. Nun schafft eine überraschende Förderung konkrete Fakten und könnte die digitale Zukunft der Stadt Welzheim grundlegend verändern.

Die Nachricht, die der Stadtverwaltung Welzheim kurz vor Weihnachten ins Haus flatterte, hatte es in sich: 6,5 Millionen Euro vom Bund, 5,2 Millionen vom Land. Die Mittel aus dem sogenannten Graue-Flecken-Programm machen plötzlich möglich, was lange als Zukunftsmusik galt: eine nahezu flächendeckende Glasfaser-Versorgung bis in den letzten Winkel der Stadt.

 

Für den Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr ist das mehr als nur ein technischer Fortschritt. „Die staatliche Förderung durch Land und Bund eröffnet die konkrete Perspektive, bis in wenigen Jahren die gesamte Stadt vollständig und buchstäblich bis zum letzten Haus zukunftsfähig digital anzubinden“, erklärt er. In einer Region, in der selbst Mobilfunk manchmal Glückssache ist, klingt das wie ein Versprechen auf Teilhabe.

Welzheim selbst investiert 750.000 Euro in Glasfaser-Ausbau

Die Fördergelder decken 90 Prozent der Ausbaukosten – ein bemerkenswerter Kraftakt aus Berlin und Stuttgart. Nur 750.000 Euro Eigenanteil muss die Stadt noch selbst aufbringen. Dafür entstehen 40 Kilometer neue Glasfaser-Trassen, 750 Gebäude werden angeschlossen, von der Kernstadt bis in die entlegensten Ortsteile wie Eselshalden, Seiboldsweiler oder Schafhof.

Bemerkenswert ist nicht nur der Umfang, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Förderung. Ursprünglich hatte das Projekt die nötige Punktzahl für eine Bundesförderung gar nicht erreicht. Doch weil andere Kommunen ihre Anträge wegen fehlender Eigenmittel zurückzogen, rückte Welzheim unerwartet nach – und nutzte die Chance klug.

Bagger, Verteiler, pinke Kabel: Auch die Telekom baut

Parallel zum staatlich geförderten Ausbau läuft ein weiteres Großprojekt: Die Telekom verlegt im Eigenausbau – also ohne öffentliche Gelder – 110 Kilometer Glasfaserkabel für rund 3200 Haushalte in der Kernstadt. Der symbolische Spatenstich erfolgte im November vergangenen Jahres. 43 neue Verteilerkästen entstehen, die ersten Anschlüsse sollen demnächst aktiv sein.

Symbolischer Spatenstich für den Breitbandausbau der Telekom im Herbst Foto: GRS

„Wir freuen uns, dass es endlich losgeht“, sagte Telekom-Regionalmanagerin Sabine Wittlinger beim symbolischen Spatenstich im Spätherbst. Abstimmungen zur Nutzung vorhandener Leerrohre hatten zuvor mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant. Nun aber rollen die Bagger – und die Hoffnung auf schnellen Anschluss gleich mit.

Digitalisierung als Standortfaktor: Was Glasfaser bedeutet

Gerd Holzwarth, Geschäftsführer des Zweckverbands Breitbandausbau im Rems-Murr-Kreis, bringt es auf den Punkt: „Digitale Teilhabe ist heute wichtiger denn je.“ Die Zahl internetfähiger Geräte im Haushalt wächst, Videokonferenzen und Streaming sind Alltag, selbst Haushaltsroboter erwarten ein stabiles Netz.

Und genau das kann nur Glasfaser liefern: keine Funklöcher, keine instabilen Kupferleitungen, sondern Gigabit-Geschwindigkeit – zuverlässig bis ins Haus. Das Ziel: „FTTH“ – „Fibre to the Home“.

Vom weißen zum grauen Fleck: Die lange Geschichte eines Anschlusses

Ganz bei null begann Welzheim indes nicht. Bereits ab 2016 wurden sogenannte Backbone-Leitungen in schlecht versorgte Teilorte verlegt, zwischen 2020 und 2023 folgten dann weitere FTTH-Projekte durch die Technischen Werke Welzheim, insbesondere in Gewerbegebieten, Schulen und nördlichen Ortsteilen. Der Netzbetrieb liegt seitdem bei der NetCom BW.

Doch viele Gebiete blieben ausgespart – vor allem im ländlichen Süden und Osten. Die neue Förderung setzt genau dort an. Auch Breitenfürst mit 230 Anschlüssen und die Ortsteile mit nur Vectoring-Anbindung wie Aichstrut oder Eberhardsweiler sollen nun endlich Glasfaser bekommen.

Wer mitzieht, profitiert: Was Eigentümer jetzt wissen sollten

Wichtig für Bürgerinnen und Bürger: Der Anschluss kommt nicht automatisch. Eigentümerinnen müssen zustimmen und einen Tarif buchen, damit die Leitung kostenfrei ins Haus gelegt wird. Mieterinnen können sich ebenfalls registrieren – die Anbieter übernehmen dann die Abstimmung mit der Hausverwaltung.

Weitere Informationen gibt es bei der Telekom unter www.telekom.de/glasfaser sowie bei NetCom BW für das städtische Netz.

Welzheim zeigt: Digitalisierung ist keine Frage der Größe, sondern des politischen Willens. In einer Zeit, in der ländliche Räume oft abgehängt scheinen, macht sich eine Stadt auf den Weg – mit Mut, Geld und Glasfaser. Nicht mehr länger grauer Fleck, sondern Vorbild.