Ausbau des Glasfasernetzes erfordert oft, dass Bagger für die Kabel erst aufgraben. Foto: dpa

Stadt Fellbach begrüßt, dass die Region und die Telekom flächendeckende Glasfasernetze versprechen, setzt aber zunächst noch auf die eigene Kooperation.

Fellbach - Viele Internetnutzer leiden nach wie vor am stockendem Datenfluss. Der Seitenaufbau verzögert sich, und gar Kaffeepausen kann mancher einlegen, wenn er den umgekehrten Weg geht und Dateien ins Internet hochladen will. Diese plagten Bürger, oftmals insbesondere in den Gewerbegebieten von bisherigen Ausbauten abgehängt, mag die gemeinsame Initiative der Region und der Telekom in diesen Tagen, flächendeckend hochgeschwindigkeitsfähige Glasfasernetze zu verlegen, wie eine Verheißung vorgekommen sein.

Für die Verwaltung des Rems-Murr-Kreises ist die Absicht der Telekom ein Anlass, die geplante eigene Kreis-Daten-Autobahn, ein so genanntes Backbone, also ein Rückgrat für die schnellen Netze in Städten und Gemeinden, erst einmal zurückzustellen, bis sich die Aussichten klären. Die Stadt Fellbach wiederum reagiert positiv, hält aber an eigenen Plänen und Kooperationen vorerst fest. Denn wann und inwieweit die Stadt Fellbach von der großen Breitband-Offensive profitiert, können die Beamten im Rathaus noch nicht absehen. Bisher gibt es ja erst eine Absichtserklärung.

Für die Stadt wirft die Ankündigung der Telekom die Frage auf

Die neue Aussicht auf mehr schnelle Glasfaserkabel, auch für private Haushalte, wird in Fellbach dennoch willkommen geheißen. Es sei das Ziel von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, so sagt Stadtsprecherin Sabine Laartz auf Anfrage, „eine flächendeckende Anbindung an das Glasfasernetz zu erreichen und somit die Gewerbegebiete und die Stadt nachhaltig aufzustellen. In diesem Sinne ist ein zusätzliches Angebot natürlich eine Bereicherung.“

Ein erstes Gespräch der Stadt Fellbach mit der Telekom muss aber noch stattfinden, wie Sabine Laartz auf Anfrage erklärt. „Derzeit sind uns die detaillierten Konditionen und die dafür erhobenen Preise unbekannt. Ob es zum Abschluss einer Kooperation mit der Telekom in Fellbach kommt, hängt natürlich genau davon ab.“ Wie der Zeitplan der Telekom für Fellbach aussieht, weiß im Rathaus auch niemand.

Diese Kooperation wurde in Kenntnis eines kommenden Kooperationsangebots mit der Telekom abgeschlossen.

Für die Stadt wirft die Ankündigung der Telekom die Frage auf, wie sie es mit der eigenen Kooperation hält, die bereits heute konkrete Angebote für schnelle Glasfaserleitungen vor allem für Gewerbetreibende und darauf beruhende Internet-Dienstleistungen mit höchster Geschwindigkeit anbietet. „Die Stadtwerke sind eine Kooperation mit der NetCom BW eingegangen, um schnell Lösungen für unterversorgte Gebiete anzubieten. Diese Kooperation wurde in Kenntnis eines kommenden Kooperationsangebots mit der Telekom abgeschlossen. Damit stehen uns natürlich immer noch alle künftigen Möglichkeiten offen.“ Maßgabe ist dabei: „Was zählt, ist, was in der Wirtschaft oder bei den Bürgern in Form von Gigabit ankommt“, heißt es bei der Stadt. „Der Wettbewerb bleibt natürlich weiterhin bestehen.“ Die Oberbürgermeisterin hofft aber darauf, dass das neue Angebot der Telekom den Breitbandausbau in bisher nicht versorgten Gewerbe-, als auch in den Wohngebieten generell beschleunigt.

Stadt- und Kreisverwaltung sehen die seitherigen eigenen Vorstöße für Breitbandanschlüsse vor diesem Hintergrund nicht als vergebens an. Der Charme des Telekom-Angebots an die Region, ihre Verwaltung, ihre Kreise und ihre 179 Städte und Gemeinden, ist, dass sich Wettbewerber in das geschaffene Netz werden einklinken können. Bisher scheiterten die Bemühungen der Städte und Gemeinden oftmals daran, dass andere Telekommunikationsanbieter sich nicht an die Glasfaser-Verteilerkästen der großen Netzbetreiber anschließen durften. Daher war es der Plan der Landkreisverwaltung, in alle Gemeinden eine Glasfaserverbindung zu legen, damit sich dort städtische und Gemeindeinitiativen mit den jeweiligen Kooperationspartnern anschließen können. Damit wartet sie nun ab – bis geklärt ist, ob ein verbindlicher, für die Städte und Gemeinden vorteilhafter Vertrag entsteht.

Umsonst sei die aufwendige Planung aber in jedem Fall nicht gewesen: „Es war richtig, das klare politische Signal zu setzen, dass der Landkreis bereit ist, ein eigenes Breitbandnetz aufzubauen, wenn dies von privaten Anbietern nicht geleistet wird“, sagt Landratsamtssprecherin Leonie Ries. Nur durch den Druck der in dieser Frage geschlossen vorgehenden Region Stuttgart sei Bewegung in den Markt gekommen und letztlich auch die Kooperationsvereinbarung mit der Telekom mit einem Milliardenvolumen gelungen.

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