Tiefkühl-Erdbeeren aus China sollen für 11.000 Magen-Darm-Erkrankungen verantwortlich sein - doch der endgültige Beweis steht noch aus.

Berlin - Fachleute untersuchen weiter die Tiefkühl-Erdbeeren aus China auf gefährliche Keime. Ob die Erdbeeren tatsächlich den Brechdurchfall tausender Menschen in Ostdeutschland ausgelöst haben, soll erst diese Woche feststehen, wie Holger Eichele vom Bundesverbraucherministerium sagte. Die rund 11 000 Erkrankten dürfen immerhin auf eine Entschädigung der Cateringfirma Sodexo hoffen. Wie die aussieht, gab das Unternehmen allerdings noch nicht bekannt. Gleichzeitig entbrannte eine Debatte über regionale und saisonale Produkte.

Obwohl mehr als 700 verdächtige Lebensmittelproben auf Keime untersucht wurden, gebe es bislang keinen positiven Befund, hieß es am Sonntag aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz. Tiefgefrorene Erdbeeren aus China gelten seit Freitag als wahrscheinlicher Auslöser des massenhaften Brechdurchfalls.

Die verdächtigen Erdbeeren wurden von mehreren Großküchen in Ostdeutschland verarbeitet, darunter von Betrieben des Caterers Sodexo. Das Rüsselsheimer Unternehmen entschuldigte sich am Freitag bei den betroffenen Kindern und Familien und kündigte Entschädigungen an. „Das ist kein Schuldeingeständnis“, erläuterte der Ernährungswissenschaftler Volker Peinelt von der Hochschule Niederrhein. Nach dem Produkthaftungsgesetz müssten Firmen für ihre Produkte geradestehen - auch, wenn sie den Fehler nicht verursacht hätten.

Debatte über Konsequenzen für Schulkantinen

Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden die Erdbeeren nach ihrer Ankunft im Hamburger Hafen über einen Großhändler aus Sachsen in mehrere ostdeutsche Zentralküchen für Schulessen geliefert. In den Einzelhandel sind die Früchte wahrscheinlich nicht gelangt. Nach Recherchen der „Bild am Sonntag“ kamen die Erdbeeren aus Qingdao. Die Stadt gelte als Hauptumschlagplatz für Erdbeeren in China, doch die dortigen Kontrollen seien lasch.

Obwohl die Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen ist, wird verstärkt über Konsequenzen für die Schulkantinen debattiert. „Erdbeeren Ende September müssen wirklich nicht sein“, sagte die Berliner Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw der „B.Z. am Sonntag“. „Ich bin dafür, dass den Kindern saisonale Produkte serviert werden.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) machte sich in der „Welt am Sonntag“ ebenfalls für regionale Produkte stark. Gleichzeitig betonte sie: „Auch bei Lebensmitteln aus dem Ausland muss sich der Verbraucher jederzeit darauf verlassen können, dass sie sicher sind.“

Der Ernährungswissenschaftler Peinelt, der seit Jahren über Schulessen forscht, kritisierte die geringen Budgets für die Mahlzeiten. Bundesweit lägen sie nur zwischen 2 und 3,50 Euro pro Kind. „Da muss ich natürlich beim Einkauf sehen, dass ich den billigsten Anbieter erwische. Und dann habe ich eben nicht die volle Sicherheit.“ Die Fernsehköchin Cornelia Poletto wandten sich grundsätzlich gegen Schulessen aus Großküchen. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte Poletto, große Mengen vorgekochten Essens warm zu halten, sei hygienisch riskant.

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