Von den Bieren, die im Stauferkreis gebraut werden, kann man bedenkenlos einen kräftigen Schluck nehmen. Foto: Deutscher Brauer Bund

Herbizid-Rückstände in deutschen Bieren haben jüngst die Verbraucher aufgeschreckt. Die Geislinger Kaiser-Brauerei und die Gruibinger Lamm-Brauerei ließen ihre Biere untersuchen – und haben kein Glyphosat-Problem.

Kreis Göppingen - Seit jüngst öffentlich geworden ist, dass in etlichen Biersorten großer deutscher Brauereien – von A wie Augustiner über K wie Krombacher bis hin zu W wie Warsteiner – Rückstande des Herbizids Glyphosat nachgewiesen worden sind, streiten sich die Fachleute über dieses Thema. In der Auseinandersetzung geht es allerdings nicht darum, dass das Pflanzenschutzmittel im Bier nichts verloren hat. Vielmehr wird darüber diskutiert, ob überhaupt und wenn ja von welcher Menge an, die chemische Verbindung eine Gefahr für die Gesundheit darstellt.

Fakt ist, dass kein Grenzwert fixiert ist, wie viel Glyphosat in Bieren enthalten sein darf. Bei Trinkwasser allerdings liegt dieser bei einem Millionstel Gramm pro Liter. In der Untersuchung durch das Münchener Umweltinstitut brachte es der Spitzenreiter, das Pils von Hasseröder, auf fast die dreihundertfache Menge, was die Verbraucher dann doch in eine gewisse Alarmstimmung versetzte – und die Brauereien im Kreis Göppingen dazu veranlasste, ihre Gerstensäfte selbst analysieren zu lassen.

Gerste und Hopfen werden regional eingekauft

Die gute Nachricht dabei: sämtliche Biere, ganz gleich ob sie aus der Geislinger Kaiser-Brauerei oder aus der Lamm-Brauerei in Gruibingen kommen, sind absolut glyphosatfrei. Überrascht hat dieses Ergebnis indes weder die Geislinger Brauer-Familie Kumpf noch Hans-Dieter Hilsenbeck, den Geschäftsführer des Gruibinger Traditionshauses, die beide das renommierte und akkreditierte Labor Friedle aus dem bayerischen Tegernheim mit einer Untersuchung beauftragt haben.

„Wir beziehen unsere gesamte Braugerste von der Schwäbischen Alb und den Hopfen ausschließlich aus Tettnang“, sagt Hilsenbeck. Mit den Produzenten gebe es Abkommen, dass Glyphosat nicht verwendet werden dürfe. „Zumal dieses Unkrautvernichtungsmittel gerade für Braugerste ungeeignet ist, da es die Keimung hemmt, die wir wegen das Malzgehalts ja ausdrücklich wollen“, ergänzt er.

Die Frage, ob das bei großen Brauereien, die es bei den jüngsten Tests durchweg erwischt hat, anders sei, möchte Hilsenbeck nicht beantworten. Der Chef des Gruibinger Bieres sagt nur so viel: „Wer spontane Schnäppchenangebote nutzt oder im Ausland einkauft, bekommt zwar vieles billiger, aber nicht immer in der erforderlichen Qualität.“ Hilsenbeck schließt seine Verträge deshalb längerfristig ab. „Das ist zwar nicht der günstigste Weg, bietet aber Konstanz und ist für beide Seiten kalkulierbar.“

Schon vor 28 Jahren zu Glyphosat „Nein“ gesagt

Bei der Kaiser-Brauerei in Geislingen ist die Maxime des Handelns genau die gleiche. „Wir beziehen die Gerste und den Weizen für unser Bier zu einhundert Prozent aus Württemberg, was uns gleichbleibend gute Rohstoffe garantiert“, sagt Christoph Kumpf, der jüngste Spross des Familienunternehmens, das nach seiner Insolvenz wieder erfolgreich wirtschaftet. „Nur auf diese Weise könne ein ausgezeichnetes Produkt entstehen, das für einen Mittelständler die wichtigste Basis darstellt“, fügt er hinzu.

Sein Onkel Ulrich Kumpf verweist in diesem Zusammenhang auf die bereits vor 28 Jahren gegründete Erzeugergemeinschaft, der mittlerweile 26 Landwirte aus der näheren Umgebung angehören. „Von Anfang an, und das war damals alles andere als üblich, gibt es Berater, die Anbauempfehlungen aussprechen, um eine sorteneinheitliche Ware zu bekommen“, erläutert Ulrich Kumpf . Zudem gebe es, seit der Zusammenschluss bestehe, ein sehr eingeschränktes Portfolio an Pflanzenschutzmaßnahmen. „Da waren wir der Zeit sicher voraus, weil wir zum Einsatz von Glyphosat stets ,Nein’ gesagt haben, betont er.

Erzeugergemeinschaft nutzt Bauern und Brauern

Dass sich der regionale Verbund für alle Beteiligten bewährt hat, findet auch Manfred Hoffie, der in Gussenstadt (Kreis Heidenheim) einen Bauernhof umtreibt und der Erzeugergemeinschaft für „a gscheits Bier“ nicht nur angehört. Vielmehr ist das Bündnis von Hoffies Vater Hans einst mitbegründet worden. „Der Grundgedanke war und ist es, dass der Handel in der Region bleiben muss. Für uns ist die Abnahme gewährleistet und der Preis in Ordnung. Dafür gewährleisten wir uns an die Vorgaben zu halten und für qualitativ hohe Standards zu sorgen“, erklärt Manfred Hoffie. Hätte das Modell nicht gegriffen, wären in der hiesigen Landwirtschaft wichtige Strukturen weggebrochen, vermutet er.

Sicher ist sich Hoffie, „dass solche Skandale, wie der jetzt wegen des Glyphosats eine Initiative wie die unsere bestärken“. Denn ganz gleich, wo der Grenzwert letztlich liege und von welcher Menge an eine Gesundheitsgefährdung bestehe: „Dieses Zeugs gehört ins Bier einfach nicht rein.“

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