So wurde 2018 der Maibaum in Oberaichen aufgestellt. Foto: Archiv Guenter E. Bergmann

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gibt es heuer an einigen Orten wieder einen Maibaum. Allerdings ist die ganze Angelegenheit knifflig, denn der Aufstellungstermin sollte möglichst ein Geheimnis bleiben.

Stuttgart - Die gute Nachricht: Es gibt in diesem Jahr wieder Maibäume auf den Fildern. Die schlechte Nachricht: Feiern rund ums Aufstellen oder danach gibt es allerdings keine einzige. In Oberaichen ist man sogar bemüht, den Termin, an dem der Maibaum aufgerichtet wird, geheim zu halten, damit auch wirklich keiner kommt. „Nur einige Fachleute wissen Bescheid“, so Kurt Alber von der Bürgergemeinschaft Oberaichen (BGO). Nämlich jene, die konkret mit dem Aufstellen beauftragt sind. Denn selbst dieser Vorgang läuft in diesem Jahr coronabedingt etwas anders ab als in normalen Zeiten.

Nur Fachleute seien eingeweiht

Wenn der Baum dann aber einmal steht, würden sich die Oberaichener natürlich freuen, wenn sich viele für die traditionelle Zierde interessieren. „Im vergangenen Jahr haben wir auf den Maibaum verzichtet“, sagt Alber. „Für dieses Jahr haben wir den Wipfel und den Schmuck erneuert.“

Weshalb in diesem Jahr Fachleute notwendig sind, die beim Aufstellen helfen, erläutert Roland Häberle, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Stuttgart-Vaihingen. Denn auch dort wird in diesem Jahr ein Maibaum zu sehen sein, nachdem diese Tradition im vergangenen Jahr ausgesetzt werden musste. In Vaihingen ist die Feuerwehr fürs Aufstellen zuständig. „Zehn Mann sind da schon nötig, also etwa die Größe einer Einheit im Übungsbetrieb“, erklärt Häberle.

Und sie müssten natürlich den Pandemiemaßnahmen entsprechend mit Maske ausgestattet sein und stets den Hygieneabstand wahren, überhaupt müsse der ganze Vorgang erst einmal umfassend genehmigt sein mit ausführlicher Darstellung, wie das unter Einhaltung der Coronaregeln umgesetzt werden kann. „Wir setzen jetzt halt noch mehr auf Technik als auf Körperkraft“, so Häberle. „Und wenn der Baum mal am Kran hängt, sind die Corona-Schutzmaßnahmen kein Thema mehr.“

Maibaum als Zeichen der Normalität

Allerdings wird auch in Stuttgart-Vaihingen nicht verraten, wann der Aufstellungstermin ist. Der Grund ist derselbe wie in Oberaichen: Ansammlungen von Menschen vermeiden. Dennoch: „Der Bürgerverein und wir waren uns einig, dass wir wenigstens etwas für Normalität sorgen wollen“, so Häberle. Denn im vergangenen Jahr ist der Vaihinger Maibaum in der Mottenkiste geblieben.

In Plieningen hat man sich in diesem Jahr gegen einen Maibaum entschieden. „Dabei blutet mir schon sehr das Herz, der Maibaum wäre als Symbol schon sehr wichtig“, erklärt Folker Baur, die gute und schaffige Seele in Plieningen. Gerade deshalb kennt er seine Plieninger ganz genau: „Die Leute wollen jetzt feiern. Schon zum Aufstellen würden da 200 bis 250 Leute kommen“, weiß Baur. Ein Maibaum ohne Feiern, das rechtfertige den Aufwand allerdings nicht, auch nicht im Zusammenschluss von Feuerwehr, Bürgerverein und Leistungsgemeinschaft Plieningen.

Ein Bonsai-Maibaum für zu Hause

Vielleicht hilft die Nachricht weiter, dass in einigen bayerischen Gemeinden in diesen Notzeiten Mini-Maibäume produziert werden fürs Wohnzimmer oder für den Vorgarten. In Gilching im Landkreis Starnberg gibt es diesen Maibaum-Bonsai „für dahoam“ etwa im Maßstab eins zu hundert im Vergleich zum Original vor Ort. Eine Einladung zum Feiern ist das freilich auch nicht, dafür gibt es aber Videos dazu, die die Volkstänze rund um den Maibaum in Lernschritten vermitteln. Damit die kollektive Party zum 1. Mai 2022 dann auch wirklich ein Knaller wird.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.maibaum-in-stuttgart-vaihingen-vaihinger-begruessen-den-mai.b3925f8c-20df-46d3-8756-648d9bd8aa91.html

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