Brasiliens Präsident Bolsonaro (Bild oben rechts) gibt Kanzlerin Merkel Tipps für die Aufforstung deutscher Wälder (Bild unten links). In Brasilien hat der Kahlschlag an Bäumen (Foto unten rechts) ein Rekordniveau erreicht. Foto: Mauro Pimentel

Deutschland hat seine Fördermittel zur Aufforstung des brasilianischen Regenwaldes gestoppt. Brasiliens Präsident Bolsonaro kontert daraufhin: Bundeskanzlerin Merkel soll das Geld besser daheim verwenden. Wie steht es um Deutschlands Wälder?

Brasilia/Berlin - Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat nach dem Stopp deutscher Projekte zum Schutz des Regenwaldes Bundeskanzlerin Angela Merkel empfohlen, das Geld daheim zu verwenden.

„Ich möchte auch der geliebten Frau Angela Merkel eine Nachricht hinterlassen: Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok? Dort ist es viel nötiger als hier“, sagte Bolsonaro laut Medienberichten am Mittwochabend vor der Presse.

Bundesregierung stoppt Fördergelder für Brasiliens Wälder

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze hatte am Wochenende angekündigt, angesichts der verschärften Abholzung des brasilianischen Regenwaldes Fördermittel ihres Hauses auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am internationalen Amazonasfonds über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ist davon nicht betroffen.

Der rechtsgerichtete Präsident Bolsonaro, der Anfang 2019 ins Amt kam, will in der Amazonasregion keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Berichten zufolge hat die Abholzung in diesem Jahr stark zugenommen. Der Amazonasurwald gilt als eine „grüne Lunge“ der Welt.

Deutschland hat rund 11,4 Millionen Hektar Wald, das entspricht etwa 32 Prozent der Landesfläche. In den vergangenen zehn Jahren hat die Waldfläche in Deutschland leicht zugenommen.

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So steht es um den Wald in Deutschland

Die Deutschen und ihr Wald – das war schon immer eine besondere Beziehung. Der Wald ist für viele ein Mythos, ein Identifikationsobjekt, ein Sehnsuchtsort.

„Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens“, schreibt der Dichter Hermann Hesse (1877-1962).

Waldfläche

Deutschland ist ein waldreiches Land. Mit 11,4 Millionen Hektar sind 32 Prozent der Gesamtfläche mit Wäldern bedeckt. In den letzten zehn Jahren hat die Waldfläche um 50 000 Hektar (0,4 Prozent) zugenommen. 13 Prozent der Landesfläche werden für Siedlung und Verkehr sowie 52 Prozent für die Landwirtschaft genutzt.

Bäume

Über 90 Milliarden Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern. Das ergab die letzte bundesweite Waldinventur.

Von den 76 Baumarten, die hierzulande vorkommen, sind 56 Prozent Nadelwald und 44 Prozent Laubwald. Die Fichte ist mit 26 Prozent die häufigste Baumart in Deutschland, gefolgt von der Kiefer (23 Prozent), der Buche (16 Prozent) und der Eiche (zehn Prozent).

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Holz

76 Millionen Kubikmeter Holz werden jährlich in Deutschland gefällt, 122 Millionen Hektar wachsen pro Jahr nach. Allein 2018 fielen rund 30 Millionen Kubikmeter Schadholz an, die vierthöchste Summe in den vergangenen 30 Jahren.

Für 2018 und 2019 rechnt das Bundeslandwirtschaftsministerium mit einer Schadholzmenge von zusammen rund 70 Millionen Kubik- oder Festmetern und einem Gesamtschaden von 2,5 Milliarden Euro.

Waldschäden

Laut Waldzustandserhebung 2018 sind mehr als 70 Prozent der Laubbäume (Buchen und Eichen) geschädigt oder in der Warnstufe. Bei den Nadelbäumen (Fichte und Kiefer) sind über die Hälfte der Bäume stark geschädigt oder in der Warnstufe.

Dem Waldzustandsbericht 2018 zufolge sind in Baden-Württemberg 38 Prozent der Wälder stark geschädigt – sieben Prozentpunkte mehr als 2017. Dagegen ist die Waldfläche mit nicht geschädigten Bäumen um sechs Prozentpunkte auf nur noch 25 Prozent zurückgegangen.

Waldland Baden-Württemberg

Nach Bayern (2,6 Millionen Hektar Wald) ist Baden-Württemberg mit 1,4 Millionen Hektar das Bundesland mit den meisten Wäldern. 40 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt. Damit steht der Südwesten auf Platz vier hinter Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 42 Prozent) sowie dem Saarland (40 Prozent).

„Bei vielen Baumarten ist es nicht so, dass sie infolge eines Dürrejahres vertrocknen wie Wiesen in der Sonne. Bäume erleiden durch Trockenheit Schäden – etwa an der Feinwurzelmasse in der Erde, die geschädigt wird“, sagt Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg Waldbesitzerverband.

Die Lage der Wälder sei insgesamt besorgniserregend, so der Forstexperte weiter. „Laubbäume haben weniger Wasser, das Laub fällt früher ab. Nadelbäume produzieren weniger Harz, mit der sie sich gegen Schädlinge wehren können. Dadurch ergeben sich in den Folgejahren zunehmende Schäden. Die Bäume werden geschwächt und anfällig für Schädlinge. Das ist genau das, was wir beobachten. Und wir haben die große Sorge, dass sich diese Entwicklung weiter verstärkt.“

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