Mit einem 3:0-Sieg gegen ­Irland hat sich die Fußball-Nationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert. Foto: dpa

Mit einem 3:0-Sieg gegen ­Irland hat sich die Fußball-Nationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert. ­Sami Khedira (12. ­Minute), André Schürrle (58.) und Mesut Özil (90.) ­erzielten am Freitagabend in Köln die Tore.

Köln - Es sind mitunter gar nicht viele Aktionen, die einen perfekten Moment ausmachen. Zumindest in einem Fußballspiel. Am Freitagabend in Köln reichten folgende: Ein kurzer Blick von Toni Kroos, gefolgt von einem genialen Lupfer. Ein kurzer Sprint von André Schürrle in den Strafraum der Iren. Die Ballannahme mit dem rechten Spann, eine Drehung – und der Abschluss mit links. Danach wackelte das Netz am irischen Kasten, die Menge jubelte, denn in diesem Moment war so einiges klar.

Erstens: Es stand nun 2:0 für das deutsche Team im Duell mit den Iren, der Sieg war so gut wie in trockenen Tüchern und damit auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien. „Wir freuen uns sehr, dass wir uns qualifiziert haben“, sagte Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger später. „Es war insgesamt eine gute Qualifikation“, lobte Bundestrainer Joachim Löw. Zweitens war damit bewiesen, dass sich viel Geduld und nimmermüdes Versuchen irgendwann auch auszahlen. Denn was ansonsten geschah im Spiel gegen die Grün-Weißen von der Insel war so beeindruckend wie zermürbend.

Der Auftritt des deutschen Teams jedenfalls war wieder einmal geprägt von einer unglaublichen Dominanz. Zumindest in der ersten Halbzeit kamen die Iren fast gar nicht an den Ball, Löws Mannschaft ließ Ball und Gegner laufen – und ging doch einmal eine Kugel verloren, wurde der Ball umgehend wieder zurückerobert. Andererseits: Zum Ziel führte diese Dominanz so gut wie nie.

Ohne echten Stürmer wurde die Partie zum Geduldsspiel

Gut, dieses eine Mal sorgten ein Ballgewinn und ein schneller Pass dafür, dass Sami Khedira in nahezu idealer Position zum Schuss kam. Der Ball wurde noch abgefälscht – und es stand schon in der zwölften Minute 1:0 für das deutsche Team. „Es war gut, dass wir früh das Tor gemacht haben“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Im Anschluss an den Führungstreffer aber versuchte es die Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) über beinahe jeden erdenklichen Weg – Großchancen blieben jedoch erst einmal Mangelware. Weshalb der Plan von Löw zumindest zu hinterfragen war.

Der Bundestrainer hatte auf einen echten Stürmer in seiner ersten Elf verzichtet, stattdessen sollte Mesut Özil – im Hauptberuf Spielmacher – den Mann in der vordersten Reihe geben. Wodurch der Mittelfeldspieler vom FC Arsenal eher wenig am Spiel teilnahm, sich oft zurückfallen ließ, dann aber keine Anspielstation in der Spitze mehr hatte. So wurde die Partie gegen die Iren ein wahres Geduldsspiel. „Es war mühsam“, sagte Mittelfeldspieler Thomas Müller. Und zwischendurch auch noch knifflig.

Denn im sicheren Gefühl der eigenen Dominanz ließ es das deutsche Team kurz vor und kurz nach der Pause ein wenig schleifen, die Iren kamen zu einem Lattentreffer per Kopf und einem Überraschungsangriff nach Wiederanpfiff. „Wir sind fahrlässig aus der Kabine gekommen“, kritisierte Löw. Am Ende aber war der Sieg nicht nur souverän herausgespielt, sondern auch hochverdient. „Wir können sehr zufrieden sein“, sagte Löw, nachdem erst Schürrle das 2:0 (58.) erzielt und Mesut Özil (90.) den Schlusspunkt gesetzt hatte. Allerdings hat der Coach auch noch genug zu tun, bevor im kommenden Jahr die Endrunde beginnt.

Es bleiben offenen Baustellen

Mit dem Spiel am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Schweden beginnt bereits die Bewerbungsphase für die 23 Plätze im WM-Kader. Neben der baldigen Vertragsverlängerung („Ich glaube, dass wir eine Einigung finden werden“) muss Löw genau beobachten, wer für das Unternehmen Titelgewinn ideal geeignet ist. Zudem bleiben – trotz der spielerischen Klasse – offene Baustellen. Der Bundestrainer benannte gleich nach Spielende „zwei Schwerpunkte“. Zum einen will Löw „die Defensive noch weiter stabilisieren“. Gleichzeitig sieht er beim „Spiel im letzten Drittel“ noch Potenzial. Soll heißen: Der letzte Pass soll noch öfter seinen Adressaten finden. Oder anders gesagt: Den perfekten Moment darf es gerne häufiger geben.

Vor allem im kommenden Jahr – zwischen dem 13. Juni und dem 13. Juli.

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