Wenn südamerikanische Leichtigkeit auf deutsche Spielfreude trifft: Die brasilianische Sängerin und ihre fulminante Band lassen im Jazzclub die Temperaturen steigen.
Es geschieht nicht so oft, dass das im Publikum im Leonberger Jazzclub lautstark mitsingt. Beim spanischen Weihnachtsklassiker „Feliz Navidad“ in der restlos ausverkauften Steinturnhalle geht es gar nicht anders. Zu heiß ist der Funke, der von Viviane De Farias überspringt. Mit südamerikanischen Temperament animiert die Sängerin aus Ipanema ihr Auditorium zum Mitmachen. Kurz vor Nikolaus wird die Steinturnhalle Leonberg zum weihnachtlichen Chorsaal mit Samba-Note.
De Farias trat auch schon mit Placido Domingo auf
Mit der international gefragten Vokalistin hat Jazzclub-Chef Fidi Gänger einen echten Volltreffer gelandet. Ursprünglich im Opernfach groß geworden, und dort mit Weltstar Placido Domingo auf einer Bühne, steht Viviane De Farias inzwischen für Bossa Nova und Samba aus ihrer Heimat. Dass diese Rhythmen so richtig zünden, darum kümmert sich ihre Band, die übrigens ausschließlich aus Deutschen besteht, es aber keineswegs an südamerikanischem Temperament vermissen lässt.
Viele im Auditorium kennen die Männer, die gemeinsam mit Viviane De Farias die Hütte einheizen. Für Werner Acker, der im Stile eines Magiers seiner Gitarre ein schier unfassbares Klangspektrum entlockt, ist die Steinturnhalle in Leonberg schon so ein bisschen ein Wohnzimmer, so oft ist er hier. Zumeist gemeinsam mit Herbert Wachter, der scheinbar ungerührt mit seinem Jazz-Schlagzeug den Sound vorantreibt, um zum Finale ein fulminantes Solo hinzulegen – ohne dabei eine Miene zu verziehen.
Dass der Rhythmus stimmt, ist zudem Dirk Blümlein zu verdanken. Einem breiten Publikum als Bassist von Fools Garden bekannt, ist er in zahlreichen Jazzformationen unterwegs, wo seine hohe Kunst richtig zur Geltung kommt. So auch an diesem Abend. Apropos hohe Kunst: Peter Lehel am Saxofon ist in seiner Branche ein ganz Großer mit großem Herz für Leonberg, wo er regelmäßig zu hören ist.
Ein Leben für den Karneval – und Jesus beschützt die Stadt
Auch die Solistin ist vom hiesigen Publikum äußerst angetan und dürfte gerne wieder kommen. Viviane De Farias hat nicht nur eine bemerkenswert vielfältige Stimme, sondern zudem hohe Entertainer-Qualitäten. Zu jedem Stück erzählt sie eine kleine Geschichte: von den traurigen Liedern, die trotzdem mit einem Lächeln gesungen werden, von den kleinen Leuten in Rio de Janeiro, die das ganze Jahr über auf den Karneval hinarbeiten, oder von ihren Erinnerungen als junges Mädchen. Früher konnte sie den Jesus sehen, der auf dem Berg die Stadt beschützt. Doch immer mehr Hochhäuser in Ipanema verdeckten die überdimensionale Figur, bis noch nicht einmal ein Arm übrig blieb.
Viviane De Farias nimmt auch das mit lateinamerikanischer Leichtigkeit und entlässt das sambabeseelte Publikum mit einer krachenden Version des Klassikers „Mas Que Nada“ in die kalte deutsche Winternacht. Kurz vor Weihnachten dürfte es noch mal eng im Jazzclub werden. Am Donnerstag, 18. Dezember, kommt das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg unter der Leitung des Ditzingers Klaus Graf nach Leonberg.