Im Prozess um die Brandstiftung in Schönaich am Landgericht Stuttgart hat das Brandgutachten bedenkliche Mängel im Haus offenbart. Man nähert sich auch der Persönlichkeit des Täters.
Am zweiten Tag im Prozess um die Brandstiftung in Schönaich hat das Landgericht Stuttgart versucht, das Bild vom Gesundheitszustand des Angeklagten klarer zu bekommen. Eine ehemalige Arbeitskollegin des 32-Jährigen erklärte, dieser sei immer wieder mal in eine Fantasie-Welt abgedriftet. Man habe sich dann nicht mehr mit ihm unterhalten können. „Er hat sich dann aufgeführt wie ein Filmheld, zum Beispiel Super-Mario“, erinnerte sich die 53-Jährige im Zeugenstand. Insgesamt sei der Angeklagte auf dem mentalen Niveau eines 13- oder 14-jährigen Kindes gewesen und habe oft ein extrem kindisches Verhalten gezeigt.
Auffällig seien plötzliche Lachanfälle ohne Grund gewesen. „Kollegen haben ihn oft veräppelt. Da hat er nicht beleidigt reagiert, sondern nur ständig gelacht“, berichtete die Frau. Als sie einmal im Auto mit ihm unterwegs gewesen sei, habe er in einem niedrigen Gang auf 150 Stundenkilometer beschleunigt und sei extrem dicht auf das vorausfahrende Fahrzeug aufgefahren. „Und auch dann hatte er wieder einen Lachanfall, ich habe große Angst gehabt“, erzählte die Frau, die auch ein paar Mal mit ihm ausgegangen war. Sie habe ihrem Kollegen nahe gelegt, sich häufiger zu rasieren und in saubererer Kleidung zur Arbeit zu kommen. Er sei häufig sehr ungepflegt gewesen.
Gutachter hält den 32-Jährigen für voll schuldfähig
Es ist nicht ganz klar, ob der Angeklagte voll schuldfähig ist. Laut dem Gericht vorliegenden Unterlagen wurde er im Jahr 2021 zweimal in einem psychiatrischen Krankenhaus in Kirchheim/Teck wegen Depressionen behandelt. Zudem hat ein Facharzt für Psychiatrie aus Filderstadt dem Mann im Jahr 2023 eine Schizophrenie bescheinigt. Der vom Gericht beauftragte Gutachter hat den 32-Jährigen in einem vorläufigen Gutachten aber für voll schuldfähig erachtet.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten schwere und einfache Brandstiftung vor, was der 32-Jährige eingeräumt hat. Er hat zum einen im August vergangenen Jahres in der Nacht ein Auto in der Robert-Bosch-Straße in Schönaich entzündet. Das Feuer griff auf zwei andere Fahrzeuge über und schließlich auch auf das Haus mit der Nummer 14, in dem 27 Menschen schliefen, die von der Feuerwehr zum Teil über eine Drehleiter gerettet werden mussten. Eine Bewohnerin erlitt eine Rauchgasvergiftung. Der Sachschaden beträgt rund 500 000 Euro.
Keine Rauchmelder im angrenzenden Haus
Zum anderen hat der Mann im Januar 2023 einen Firmenwagen seines früheren Chefs angezündet und einen Schaden von 10 000 Euro verursacht. Grund soll der Streit um gestrichene Überstunden gewesen sein. Hintergrund des großen Brandes sei sein Ärger über einen vermeintlichen Cousin gewesen, der ihm eine Beziehung mit einer Frau ausreden wollte und ihn deswegen bedroht und geschlagen habe. Es sei eine spontane Tat aus der Erregung heraus gewesen, die Folgen bedauere er zutiefst.
Zudem wurden am zweiten Prozesstag Details aus einem Brandgutachten des Landeskriminalamtes bekannt. Darin hieß es unter anderem, für einen Teil der Bewohner habe Lebensgefahr bestanden, da Rauchgas in die Zimmer dringen konnte, weil die Türen keine ausreichende Dichtung gehabt hätten. Zudem habe es keine Rauchmelder gegeben. Eine Flucht durch das verrauchte Treppenhaus sei nicht möglich gewesen, da nur wenige Atemzüge des toxischen Rauchs zu Ohnmacht oder Tod geführt hätten.
Der Prozess wird am 30. Januar fortgesetzt, das Urteil soll voraussichtlich am 24. Februar verkündet werden.