Mitte März: Meterhohe Flammen in einer Gärtnerei in Remshalden Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Seit Jahren wird ein Gärtnerpaar im Rems-Murr-Kreis von seinem Verpächter schikaniert. Die beiden beschuldigen ihn auch, den Großbrand im März gelegt zu haben. Nun muss der Mann ins Gefängnis – allerdings wegen einer anderen Straftat.

Remshalden - Eingeschlagene Fenster, beschädigte Autos, zerstochene Reifen, niedergerissene Zäune, herausgeschraubte Sicherungen und sogar tätliche Angriffe: Die Liste der Dinge, unter welchen der Remshaldener Gärtner Martin Gropper und seine Freundin Katrin Strotbek seit Jahren zu leiden haben, ist lang. Rund hundert Strafanzeigen hätten sie gestellt, erzählt Gropper.

Verantwortlich für die Straftaten macht er den Verpächter seiner Gärtnerei, der direkt nebenan im Ortsteil Geradstetten wohnt. Gerichtsurteile, Aussagen von Unbeteiligten und Aufnahmen von Überwachungskameras bestätigen seine Sicht der Dinge zu großen Teilen.

Die Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Auch für den Großbrand, der Mitte März in den Gewächshäusern der Gärtnerei gewütet hat, sei der 58-jährige Grundstücksbesitzer verantwortlich, davon ist Gropper überzeugt. Das Feuer hatte rund 260 000 Euro Schaden verursacht – rasch ging die Polizei von Brandstiftung aus.

Ein Sprecher des Präsidiums in Aalen bestätigt, dass die Ermittler wegen der Brandstiftung einen Tatverdächtigen im Visier haben. Ob es sich dabei um den besagten 58-Jährigen handelt, will er allerdings weder bestätigen noch dementieren. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. „Es gab aber eine Durchsuchung, bei der Gegenstände sichergestellt wurden“, sagt er. Die Auswertung dieser Beweismittel dauere noch an, das Ergebnis werde, wenn es so weit sei, der Staatsanwaltschaft übergeben.

Mit der Eisenstange einen Sicherheitsmann angegriffen

Der Mann, den Gropper beschuldigt, ist nicht zu erreichen. Er wurde Mitte Mai in einer anderen Sache zu zehn Monaten Haft verurteilt. Das Amtsgericht Schorndorf befand ihn der Körperverletzung für schuldig. Er hatte im November 2017 einen Mieter gewürgt – im Beisein von Martin Gropper, der als Zeuge aussagte.

Es ist nicht die erste Haftstrafe für den Verpächter. Unlängst hat das Landgericht Stuttgart ein Schorndorfer Urteil bestätigt, gegen das der Mann Berufung eingelegt hatte: Im Juli 2015 verstieß er gegen ein Betretungsverbot und randalierte auf dem Gelände der Gärtnerei. Mit einer Eisenstange beschädigte er zwei Fahrzeuge und griff mit der Stange auch einen von Gropper beauftragen Sicherheitsmann an.

Sogar das Fernsehen hat über die Serie von Straftaten berichtet

Der Haftbeginn dieser 16 Monate langen Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung war Ende Mai. Ob der 58-Jährige seine Haft wirklich angetreten hat, konnte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitagnachmittag nicht in Erfahrung bringen. „Ich habe ihn zumindest eine Weile nicht gesehen“, sagt Martin Gropper. Er hofft, dass er und seine Partnerin nun Ruhe haben vor den Schikanen.

Über das Problem des Gärtnerpaares hat vor Kurzem auch das Fernseh-Boulevardmagazin „Explosiv“ berichtet. Vier Tage lang sei das Team des Senders vor Ort gewesen, erzählt Gropper. Im fertigen Fernsehbeitrag sind auch Aufnahmen von Überwachungskameras zu sehen – darauf kann man den 58-Jährigen erkennen. Der Fernsehsender hat versprochen, die Kosten für das Sicherheitspersonal so lange zu übernehmen, bis der Verpächter hinter Schloss und Riegel sitzt.

Ob dieser im Anschluss an die Strafe für den Angriff mit der Eisenstange gleich diejenige für die Würgeattacke vom November 2017 absitzen muss, ist noch unklar: Auch gegen dieses Urteil hat er Rechtsmittel eingelegt, nun wird das Landgericht Stuttgart über die Sache entscheiden müssen.

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