Brandstifter in Stuttgart Brandserie greift auf Stuttgart über

Von Wolf-Dieter Obst 

Eine unheimliche Serie: Feuerwehr-Einsatz in Strümpfelbach am 4. November. Foto: Feuerwehr (Alexander Ernst)
Eine unheimliche Serie: Feuerwehr-Einsatz in Strümpfelbach am 4. November. Foto: Feuerwehr (Alexander Ernst)

Ist es ein Täter – oder sind es mehrere? Seit Tagen gehen zwischen Weinstadt und Stuttgart Holzstapel in Flammen auf. Der Schaden geht in die Zehntausende.

Stuttgart - Hubschrauberlärm überm Neckartal hat in der Nacht zum Freitag die Bewohner aufgeschreckt: Die Polizei fahndete nach einem Brandstifter, der in einem Weinberggebiet zwischen Obertürkheim und Uhlbach zugeschlagen hatte. Die rätselhafte Serie im vorderen Remstal im Rems-Murr-Kreis hat nun auch auf Stuttgart übergegriffen. Fast täglich gehen Holzstapel in Flammen auf, manchmal auch in der Nähe von Gebäuden. Der Schaden geht inzwischen in die Zehntausende.

Ein 36-jähriger Motorradfahrer entdeckte den jüngsten Fall am Donnerstagabend. Der Mann war gegen 21.15 Uhr im Gewann Esslinger Berg unterwegs, einem Weinberg- und Kleingartengebiet im Dreieck von Esslingen-Rüdern, Uhlbach und Obertürkheim. In der Nähe der Tiroler Straße sah er plötzlich einen brennenden Holzstapel und alarmierte die Feuerwehr. „Und dann entdeckte er gut 200 Meter weiter den nächsten Brand“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann.

Polizeihubschrauber schwebt knatternd überm Tatort

Brennende Holzstapel lösen normalerweise nicht gleich die höchste Alarmstufe aus. Doch das ist längst anders geworden. Wegen der Brandserie in der Nachbarschaft wurde auch gleich ein Polizeihubschrauber zur Fahndung angefordert. „Dabei ging es auch darum, aus der Luft mögliche weitere Brände ausfindig zu machen“, sagt Polizeisprecherin Ackermann. Doch es gab weder weitere Feuer – noch eine heiße Spur zu einem Tatverdächtigen.

Die Brandspur hat sich bisher auf einem etwa sechs Kilometer langen Streifen zwischen Fellbach über Kernen bis Weinstadt gezogen. Die Serie begann am 26. Oktober in Kernen-Rommelshausen, wo in einem Gartengrundstück in der Rotenbergstraße ein Holzstapel in Brand geraten war. Keine zwei Stunden später brannte es im Bereich des Tennisvereinsheims an der Kelterstraße in Kernen-Stetten. Am 1. November brannte es zwischen beiden Ortsteilen, auf Höhe des CVJM-Heims. Die Feuerwehr musste eine 30 mal 15 Meter große Fläche löschen – der Schaden war mit 20 000 Euro immens.

Tatorte nur wenige Kilometer entfernt

Ein örtlicher Täter? Zumindest einer, die sich im Schurwald rund um den 513 Meter hohen Berg Kernen gut auskennt. Bereits am 3. November brannte es in Fellbach – zweieinhalb Kilometer Luftlinie vom Stuttgarter Brandort entfernt. Ein Holzstapel beim Naturfreundehaus im Gewann Röhrach war in Flammen aufgegangen. Das Gebäude blieb unversehrt, jedoch hatte das Feuer bereits umstehende Bäume erfasst. Keine Atempause: Am 4. November gab es in Weinstadt gleich zweimal Alarm. Am Ortsausgang von Strümpfelbach Richtung Schanbach ging um 2.30 Uhr ein Holzstapel samt Unterstand in Flammen auf. Um 23.45 Uhr brannte es auf einem weiteren Grundstück im Gewann Gastenklinge. Schaden: 5500 Euro.

Spekulationen über Zusammenhänge

Dass womöglich vier Jugendliche dahinterstecken, gilt als wenig wahrscheinlich: Vier unbekannte junge Männer wurden am Mittwoch beobachtet, wie sie in der Gottlieb-Daimler-Straße in Kernen-Rommelshausen eine Wiese in Brand steckten. Allerdings war dies am Nachmittag – „und auch sonst passt dieser Vorfall nicht ins Bild“, sagt der für Rems-Murr zuständige Polizeisprecher Ronald Krötz. Der Holz-Brandstifter hatte stets nachts zugeschlagen. Nicht ausgeschlossen ist aber ein Zusammenhang mit einer Brandstifterserie 2016 und 2017 in Fellbach – der Täter war nie gefasst worden.

Die Ermittler rätseln derweil über die Motivation des Täters. Eine krankhafte Neigung? Allerdings könnte er sich nicht am Feuer ergötzen, weil er an den abgelegenen Tatorten auffallen würde. Stattdessen muss er, mutmaßlich mit einem Zweirad, sofort das Weite suchen. Immerhin hat die Kripo die eine oder andere Person kontrollieren können. Eine heiße Spur, heißt es, habe sich dadurch aber nicht ergeben.

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