In Stuttgart findet im Juni 2015 der Deutsche Evangelische Kirchentag statt Foto: dpa

Stadt Stuttgart wendet für vier Nächte im Klassenzimmer gleiche Regeln an wie für ständig bewohnte Räume -  Nun müssen für vier tage Rauchmelder in 3300 Klassenzimmern installiert werden.

Stuttgart - Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart 2015 hätte beinahe ein großes Problem bekommen, 50 000 Besucher unterzubringen. Denn das Stuttgarter Baurechtsamt wollte die provisorischen Schlafgelegenheiten in 3300 Klassenzimmern an Stuttgarter Schulen nicht genehmigen. Die Auflagen des Brandschutzes für die jeweils 12 bis 16 Kirchentagsbesucher pro Raum ließen dies nicht zu.

Schließlich stimmte die Stadt doch noch zu. Allerdings nur unter der Bedingung, dass jedes Klassenzimmer für die vier Nächte mit einem Rauchmelder nachgerüstet wird, wie es das von Januar an geltende Landesgesetz vorschreibt. Falls es nach dem 1. Januar in einem Wohnraum ohne Rauchmelder brennt und Personen zu Schaden kommen, haftet der Immobilienbesitzer. Im Falle der Klassenzimmer wäre dies die Stadt. „Dieser Verantwortung können wir uns nicht entziehen“, sagt ein Sprecher der Stadt im Auftrag von Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD), „wir können uns nicht einfach über Landesgesetze hinwegsetzen.“

Ausgehend von bis zu 30 Euro für einen Qualitäts-Brandmelder müssen nun knapp 100 000 Euro investiert werden. Ungeachtet der Kosten für die Montage der Melder. „Dieses Geld haben wir nicht in unserem Schuletat“, sagt Sport- und Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU), „die Stadt kann diese Kosten nicht tragen.“ Für den Kirchentag, der nun für die Kosten aufkommen muss, ist dieser Betrag ebenfalls kein Pappenstil. „Die Summe stürzt den Kirchentag nicht in Finanznöte“, sagt Alexander Matzkeit, ein Sprecher des Kirchentags. Aber sie schmerzt die Veranstalter dennoch.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag schafft die Brandmelder nun auf eigene Kosten an, installiert die Geräte, schraubt sie in eigener Regie wieder ab und lagert die Melder bis zum Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg ein.

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