Brandschutz ist im Ehrenamt kaum noch zu stemmen, erklärt Ostfilderns neuer Stadtkommandant Michael Mühleck. Wie sich die freiwillige Feuerwehr verändert.
Fast täglich muss die Feuerwehr Ostfildern zu einem Einsatz ausrücken. Mit der Stadtbahn, dem Flughafen und der Autobahn hat die Wehr viele Sonderaufgaben. 220 ehrenamtliche Feuerwehrleute sind in der Stadt mit 40 000 Einwohnern im Einsatz. Hauptamtlicher Stadtkommandant ist seit Juni 2025 der Berufsfeuerwehrmann Michael Mühleck. Mit seinen ehrenamtlichen Stellvertretern Andreas Steinhilber und Marcel Stick bewältigt er das breite Aufgabenspektrum.
Das Modell startete die Stadt 2023 mit Ferdinando Puccinelli – der verließ Ostfildern aber bereits nach einem Jahr wieder „aus beruflichen Gründen“. Vorher war die Wehr rein ehrenamtlich organisiert. „Im Ehrenamt wäre der Brandschutz heute kaum noch zu stemmen“, ist Mühleck überzeugt. Neben den Einsätzen hat er viel Verwaltungsarbeit auf dem Tisch und ist für den Brandschutz in öffentlichen Gebäuden zuständig. Dass seine zwei Stellvertreter aus der freiwilligen Feuerwehr kommen, sei ideal: „Sie bringen Erfahrung aus ihrer Berufslaufbahn ein.“ Das Modell sollte aus Mühlecks Sicht Schule machen.
Andreas Steinhilber ist Manager und dabei auch international tätig. Als stellvertretender Kommandant der Abteilung Nellingen vertritt er den größten Stadtteil. Der selbstständige Friseurmeister Marcel Stick ist Kommandant der Abteilung Ruit und sitzt für die Freien Wähler im Gemeinderat. Dieser Draht zur Kommunalpolitik ist für die Feuerwehr wichtig. „Damit unsere Leute ihren Dienst tun können, müssen sie optimal ausgestattet und technisch auf dem neuesten Stand sein“, sagt Steinhilber. Da gehe es nicht um „Sonderwünsche“, sondern um die Sicherheit: „Wir retten bei Bränden Leben.“ Bei der Stadt sei man da aber immer auf offene Ohren gestoßen.
Die Chemie im Team stimmt. „Mein Herz hat immer für die freiwillige Feuerwehr geschlagen“, sagt Mühleck. Als Berufsfeuerwehrmann in Stuttgart hat er sich in der Freizeit in seinem Wohnort Notzingen bei der freiwilligen Feuerwehr engagiert. Auch seine drei Kinder sind bei der Feuerwehr, sagt der stolze Papa lachend. Den Nachwuchs an die Arbeit der Feuerwehr heranzuführen, ist sein Ziel: „Wir brauchen gute Kinder- und Jugendfeuerwehren, um immer genügend Einsatzkräfte zu haben.“ Denn die Zeiten, in denen Feuerwehrleute lebenslang dabei sind, seien vorbei. Elternzeiten und Familienphasen sind da ein Thema.
„Wir brauchen gute Kinder- und Jugendfeuerwehren, um den Nachwuchs zu fördern und später genügend Einsatzkräfte zu haben.“
Michael Mühleck, Stadtkommandant Ostfildern
Dass es auch mit den Arbeitgebern nicht immer leicht ist, die Feuerwehrleute für die Einsätze zu bekommen, gibt Marcel Stick zu bedenken. „Viele haben ihren Arbeitsplatz weit entfernt und können nicht spontan zum Einsatz gerufen werden.“ Da sei es herausfordernd, Einsatzpläne zu erstellen. Als Stick seinem Sohn neulich die Haare schnitt, wurden beide zum Einsatz gerufen, obwohl die Frisur noch nicht fertig war. „Da wir beide bei der Feuerwehr sind, klappte das.“ Doch mit Kundschaft hätte da selbst der Ruiter Abteilungskommandant als Selbstständiger Probleme.
Dass sich Mühleck für die Feuerwehr in Ostfildern entschied, liegt nach seinen Worten auch an den professionellen Strukturen, die er vorfand. So ist der Gerätewagen Messtechnik für den gesamten Kreis Esslingen in Ostfildern stationiert. „Das war die konsequente Umsetzung der langjährigen Arbeit der Abteilung Nellingen mit dem Thema Schadstoffe bei Bränden“, erinnert Andreas Steinhilber an die Anfänge.
Der Messtechnik-Wagen für den Landkreis steht in Ostfildern
Nach dem Brand eines ungekennzeichneten Lastwagens mit Gefahrgut auf der Autobahn seien damals mehrere Kameraden zur Beobachtung ins Krankenhaus eingeliefert worden. „In Zusammenarbeit mit der Landesfeuerwehrschule entstand 1994 der Prototyp eines Gerätewagens Messtechnik“, sagt Steinhilber. Sein Bruder ist studierter Chemiker und einer der Fachleute, die in dem technisch gut ausgestatteten Messlabor arbeiten. Das Modell wurde vom Landkreis beschafft und in Ostfildern stationiert. Der Messzug unterstützt die drei Gefahrgutzüge und den Strahlenschutzzug des Landkreises bei ihren Einsätzen.
Wichtig ist den Feuerwehrleuten, dass die Männer und Frauen gut ausgebildet sind. Die Grundausbildung umfasst rund 70 Stunden; darin enthalten ist ein 16-stündiger Erste-Hilfe-Kurs. Um die Ausbildungsmodule möglichst regelmäßig anbieten zu können, arbeitet die Feuerwehr Ostfildern mit Leinfelden-Echterdingen und mit Denkendorf zusammen. „Mit den Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten wir den Feuerwehrleuten einen Mehrwert“, ist Steinhilber überzeugt. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene würden da auch viel fürs Berufsleben lernen.
Die vier Abteilungen in Ostfildern
In den Stadtteilen
Die Freiwillige Feuerwehr Ostfildern versteht sich als Einheit. „Aber die vier Wehren in den Stadtteilen haben ihre eigenen Aufgaben und pflegen ihre eigene Identität“, bringt Marcel Stick, stellvertretender Stadtkommandant, die Organisation auf den Punkt. Dabei haben die Abteilungen Spezialaufgaben. Die Abteilung Nellingen betreut unter anderem das kreisweit eingesetzte Messfahrzeug, die Abteilung Ruit hat die Drehleiter.
Generationen
Auch Kinder, Jugendliche und ältere Feuerwehrleute sind in Ostfilderns Feuerwehr willkommen. Die Jugendfeuerwehr ist in zwei Gruppen gegliedert. Jungen und Mädchen von neun bis 13 Jahren und von 14 bis 17 Jahren. Der Spielmanns- und Fanfarenzug ist für alle offen. Die Altersfeuerwehr unterstützt die 220 aktiven Männer und Frauen.