Ein Fall für die Feuerwehr: Waldbrand in der Vogelrainklinge bei Heslach Foto: Feuerwehr Stuttgart

Hitzewelle und Unwetter – die Wetterextreme zeigen auf, wie überraschend Flächenbrände oder Hochwasser sein können. Ein Lehrstück aus Stuttgart.

Wo genau ist dieses Feuer? Fast eine Stunde lang findet die Stuttgarter Feuerwehr den Brandort nicht, und das ist höchstungewöhnlich. Der Rauch im Waldgebiet zwischen Heslach und Dachswald ist deutlich zu sehen, der Brand selbst aber nicht auszumachen. Waldbrände sind auch in Stuttgart tückisch – auch wenn es sich um keine Großfeuer wie in Brandenburg oder Südfrankreich handelt. Der jüngste Fall in der Vogelrainklinge ist ein Lehrbeispiel.

 

Der Fall, der sich vor einigen Tagen im Stuttgarter Süden abspielte, beschäftigt die Brandermittler der Kriminalpolizei noch immer. Die Beamten suchen auch noch – nach den Unbekannten, die im Wald offenbar ein Lagerfeuer machten und es am Ende unkontrolliert zurückließen. Waren es Radler, die am sogenannten Salamandertrail in der Vogelrainklinge unterwegs waren? „Wir haben bisher keine konkreten Hinweise auf verdächtige Personen“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn.

Schwierige Orientierung im Wald

Spaziergänger meldeten an jenem 17. Juni gegen 20 Uhr eine Rauchsäule über dem Wald. Ein alarmierendes Zeichen an einem Wochenende mit Warnstufe 4 (hohe Gefahr) und der Sperrung der öffentlichen Grillstellen der Stadt. Die Feuerwehr rückte mit sechs Löschfahrzeugen aus, unter anderem mit dem nagelneuen „Tanklöschfahrzeug-Waldbrand“ (TLF-W) vom Stützpunkt Heumaden. „Wir sind aus verschiedenen Richtungen angefahren, dennoch war es schwer, den Ort zu lokalisieren“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Anand.

Ein generelles Problem. Selbst wenn Wanderer unmittelbar an einem Feuer stünden – wie sollen sie einen genauen Standort übermitteln? Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht? „Es gibt Forstrettungspunkte oder markante Objekte“, sagt Anand, „vor allem aber gibt es eine Ortungstechnik in der Leitstelle.“

Jetzt hilft nur noch der Hubschrauber

Wer den Notruf 112 wählt, kann mit der sogenannten Advanced-Mobile-Location-Technik relativ genau aufgespürt werden. Auch der Service „What3Words“ auf dem Handy, der Koordinaten in drei Worte übersetzt, hilft übrigens, die genaue Position zu bestimmen. „Am wichtigsten aber ist, dass ein Meldender die Einsatzkräfte am gemeldeten Punkt in Empfang nimmt und an die Stelle dirigiert“, sagt der Feuerwehrsprecher.

In diesem Fall hilft allerdings nur der Polizeihubschrauber. Feuerwehreigene Drohnen, die bei der Freiwilligen Wehr im Stadtteil Sommerrain stationiert sind, wären wohl nicht rasch genug fündig geworden. Die Hubschrauberbesatzung entdeckt den Brandherd dann auch recht schnell – und gegen 21 Uhr können die ersten Feuerwehrleute dem Brand zu Leibe rücken – mit vier Löschrucksäcken und zwei Löschrohren. Das Feuer hat sich zu dieser Zeit schon auf etwa 40 Quadratmeter ausgebreitet.

Was ist eigentlich mit Löschen aus der Luft?

Theoretisch hätte auch der Polizeihubschrauber löschen können. Seit Sommer 2020 können zwei Helikopter der Staffel mit einem sogenannten Bambi Bucket ausgestattet werden – einem faltbaren Löschbehälter, der bis zu 820 Liter Wasser abwerfen kann. „Darüber entscheiden aber die lokalen Feuerwehren“, sagt Anika Strack vom zuständigen Polizeipräsidium Einsatz. Bei einem großen Waldbrand im April 2018 zwischen Leinfelden und Steinenbronn auf anderthalb Quadratkilometern hätte man dies gut gebrauchen können, heißt es unter Experten.

Doch im Stuttgarter Fall reichen die Lotsendienste. Auch bei zahlreichen Wald- und Flächenbränden im Frühjahr dieses Jahres sowie im Mai und Juni, etwa in Nürtingen, Bissingen/Teck, Neuhausen/Filder (Kreis Esslingen), Fellbach, Schorndorf-Haubersbronn, Winterbach-Manolzweiler, Winnenden (Rems-Murr-Kreis) oder im Schaichtal in Waldenbuch (Kreis Böblingen), regelte die Feuerwehr das Löschen vom Boden aus. „Wir hatten bisher keine scharfen Löscheinsätze“, bestätigt Polizeisprecherin Strack.

Die Wehrmänner müssen richtig ackern

Die Brandbekämpfung aus der Luft sei dennoch eine gute Option, sagt Feuerwehrsprecher Anand. Bei schneller Ausbreitung und in unwegsamem Gelände sei das „einsatztaktisch sinnvoll“. Für den 40-Quadratmeter-Brand in der Vogelrainklinge im Stuttgarter Süden brauchen die Feuerwehr-Einsatzkräfte bis 23.30 Uhr, ehe dieser komplett gelöscht ist. „Der Boden musste zum Teil aufgebrochen werden, um letzte Glutnester zu löschen“, sagt Anand.

Die Feuerwehr sieht sich für den nächsten Flächenbrand gut aufgestellt. Etwa mit Schlauchwagen und Pumpen, mit denen Wasserleitungen über lange Wegstrecken verlegt werden. Oder mit drei Großtanklöschfahrzeugen, die Löschwasser im Pendelverkehr an die Einsatzstelle bringen können. Der neue Unimog, der mit seiner Ausrüstung extra für Einsätze in unwegsamem Gelände als Tanklöschfahrzeug Waldbrand angeschafft wurde, habe seine Bewährungsprobe bestanden, sagt Anand.

Welche Bäume besonders brandgefährdet sind

Wann das zweite Spezialfahrzeug kommt, ist unklar. „Auch da gibt es Lieferengpässe“, sagt der Feuerwehrsprecher. Wo das zweite TLF-W stationiert wird, „ist noch nicht entschieden“. Immerhin dürfte Stuttgart angesichts seines Baumbestands weniger gefährdet zu sein als die Wälder im Osten Deutschlands. Überwiegend naturnahe Laubwälder hier sind weniger brandgefährdet als der jüngere, schnell austrocknende Nadelholzforst im Osten. Es sei denn, da meinen welche, illegale Lagerfeuer anzünden zu müssen – wie zuletzt in der Vogelrainklinge.