Steigende Trassenpreise könnten ICE-Tickets verteuern. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Die Kosten für die Schienennutzung schießen extrem in die Höhe. Grund sind problematische Weichenstellungen der Politik. Die Bahn-Branche warnt in einem Brandbrief an den Bundestag vor fatalen Folgen.

Im Zwist wegen massiv steigender Trassenpreise warnt der Verband der Güterbahnen vor einer akuten Bedrohung für die Zukunft des Schienenverkehrs in Deutschland. In einem Brandbrief an den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags fordert die Branche einen raschen dreistufigen Maßnahmenplan, um fatale Folgen für die Bahnen und eine Verlagerung von Fracht auf die Straße zu verhindern.

 

Demnach sollte die Regierung auf die beabsichtigte Kürzung der Förderung verzichten, den Gewinnanspruch der DB Infra-Go kappen, das Trassenpreissystem reformieren und die Entgelte für je fünf Jahre festzurren.

Der anhaltende Ärger um die Trassenpreise bei der Bahn ist für Bahnkunden wie Industrie und Handel relevant. Die explodierenden Kosten könnten die Tickets für den Fernverkehr mit ICE und Flixtrain verteuern, ebenso die Frachttransporte auf der Schiene mit der Folge, dass noch mehr Verkehr auf die bereits vielerorts oft überlasteten Straßen verlegt würde.

„Stark steigende Trassenpreise gefährden nicht nur den Fortbestand des Schienengüterverkehrs, sondern auch das Erreichen der Klimaziele und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, betont Verbandsvorstand Ludolf Kerkeling im Schreiben an die Abgeordneten.

Verband spricht von „zerstörerischen Mechanismus“

Die Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut, die alle Bahnunternehmen für jede Nutzung von Gleisen und Bahnhöfen zahlen müssen. Sie sollen in den nächsten Jahren massiv steigen. Die zuständige DB Infra-Go AG, die das bundeseigene Schienennetz betreibt, erhöht ab Dezember ihre Entgelte im Schienengüterverkehr um gut 16 Prozent. Für das Fahrplanjahr 2026 drohten bei den Trassen „weitere Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent“, betont der Verband. Und auch danach würden die Entgelte noch höher werden, falls die Politik nicht eingreife und den „zerstörerischen Mechanismus“ im bisherigen Trassenpreissystem stoppe.

Als Ursachen gelten problematische Weichenstellungen der Politik. Zum einen ist der gesamte Regionalverkehr auf der Schiene seit Jahren von stärkeren Zuschlägen ausgenommen, weil die Bundesländer 2016 über den Bundesrat eine jährliche Deckelung auf drei Prozent durchsetzten. Um dennoch die Kosten der Infrastruktur zu decken, müssen seither Fern- und Frachtverkehr deutlich höhere Mehrkosten tragen, die durch Bundeszuschüsse teils ausgeglichen werden. Die Zuschüsse sollen nach dem Haushaltsentwurf von Finanzminister Christian Lindner (FDP) indes von bisher 350 auf 275 Millionen Euro sinken.

Nach einer neuen Studie des Marktforschungsinstituts Infas für die Güterbahnen würden die Regionalbahnen durch die Deckelung bis 2030 rund sieben Milliarden Euro sparen und von den steigenden Trassenpreisen verschont bleiben. Die Kosten des ICE-Verkehrs, von Flixtrain und aller Frachttransporte dagegen würden weiter massiv nach oben getrieben mit der Folge, dass die Ticket- und Transportpreise deutlich teurer werden müssen, wenn die Anbieter Verluste vermeiden wollen.

Dadurch würde der umweltschonende Schienenverkehr im Wettbewerb mit Auto, Lastwagen und Flieger weniger attraktiv. Die Güterbahnen fordern, die Deckelung aufzuheben.

Steigende Bewirtschaftungskosten

Als weiterer Grund der Steigerungen der Trassenpreise gelten die hohen Kosten der Bewirtschaftung des 33 000 Kilometer langen bundeseigenen Schienennetzes, die von der zuständigen DB Infra-Go AG auf die Nutzer umgelegt werden dürfen. Allein für 2026 habe die Deutsche Bahn bei der Bundesnetzagentur eine Kostensteigerung um 1,3 Milliarden auf 8,1 Milliarden Euro beantragt, mehr als das Sechsfache der bisherigen jährlichen Erhöhung.

Zudem bezahlt die Bahn über die Trassenpreise auch die Zinsen an den Bund, die für das Eigenkapital der Bahn fällig werden. Durch die geplanten Kapitalerhöhungen des Bundes von 20 Milliarden Euro würden auch die Zinslasten stark steigen – und dadurch in der Folge auch die Trassenpreise.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) habe angekündigt, dass dieser Eigenkapitalzins auf 2,3 Prozent gesenkt werden soll, betont der Verband. Die Bahn bestehe aber auf 3,7 Prozent Zinsen, um mit den höheren Margen Risiken abzusichern. Dazu gehören laut Antrag „ungeplante Zwischenfälle, Unfälle und Katastrophen“, „Forderungsausfälle und Währungsverluste“ sowie Risiken der „Planabweichung“, die auf die Nutzer der Schiene umgelegt werden sollen. Es sei nicht nachvollziehbar, kritisieren die Güterbahnen, warum solche Risiken auf alle Nutzer umgelegt werden sollen.

Bahnkonzern in der Krise

Ergebnis
Die bundeseigene Deutsche Bahn AG macht hohe Verluste in allen Kerngeschäften. Das Betriebsergebnis des größten Staatskonzerns hat sich im ersten Halbjahr um fast eine Milliarde Euro verschlechtert.

Sparkurs
Ein Sparkurs und der Wegfall von 30 000 Stellen sollen nun helfen. Die Generalsanierung des maroden Schienennetzes soll bis 2030 dauern, wird die Züge aber zunächst kaum pünktlicher machen.