Noch immer ist unklar, wer das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz gelegt hat Foto: dpa

Wer verübte den Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz? Noch ist die Frage nicht geklärt.

Tröglitz - Der Eindruck, niemand interessiere sich mehr für Tröglitz, täuscht: „Täglich fragen Medienvertreter aus dem ganzen Bundesgebiet bei uns nach“, sagt Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Sachsen-Anhalt, das im Fall des Brandanschlags in dem Ort Tröglitz ermittelt. Große Neuigkeiten kann er den Anrufern allerdings nicht mitteilen; die Untersuchungen dauern an, eine heiße Spur, die zu dem oder den Tätern führen würde, gibt es fünf Wochen nach der Tat noch nicht.

Zur Erinnerung: In der 2800-Einwohner-Gemeinde im Burgenlandkreis sollten im Mai ursprünglich 40 Flüchtlinge in einem Wohnhaus untergebracht werden. Dagegen machten die NPD und Tröglitzer Bürger seit Januar regelmäßig mobil. Unter dem Druck der Straße trat der parteilose Bürgermeister Markus Nierth Anfang März zurück, um sich und seine neunköpfige Familie zu schützen, wie er erklärte. Wenige Wochen später brannte es: In der Nacht zum 4. April ging der Dachstuhl der noch leeren Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf. Zwei Personen, die in einem separaten Teil des Hauses zur Miete wohnten, entkamen dem Feuer unverletzt.

Der Anschlag löste bundesweit ein Echo aus. Nach der Vorgeschichte lag ein fremdenfeindlicher Hintergrund nahe. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte die Ereignisse von Tröglitz „eine Schande“. Sie würden auch außerhalb Deutschlands registriert. Kritiker – auch unter den Lesern – sahen in solchen Äußerungen eine „Vorverurteilung“. Schließlich sei nicht erwiesen, dass der Tat ein fremdenfeindliches Motiv zugrunde lag.

LKA-Sprecher von Koß erklärte am Freitag auf Anfrage, es gebe noch keine konkreten Anhaltspunkte zum Motiv: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Fest steht nur: Das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft wurde vorsätzlich gelegt. Die Ermittler vermuten, dass Brandbeschleuniger verwendet wurden. Das Gebäude ist seitdem unbewohnbar.

Um Schwung in die Ermittlungen zu bekommen, setzte das Land Sachsen-Anhalt eine Belohnung von 20 000 Euro aus. Am 26. April folgte eine Öffentlichkeitsfahndung via Fernsehen, bei der unter anderem nach einem aufgefundenen markanten Schlüsselbund mit Anhänger gefragt wurde. Rund 50 Hinweise aus dem Bundesgebiet gingen ein. Sie würden nun systematisch abgearbeitet, heißt es beim Landeskriminalamt in Magdeburg. Bis zu 15 LKA-Beamte sind permanent mit dem Fall beschäftigt. Außerdem seien Kollegen aus den Bereichen Kriminalwissenschaften und -technik sowie Cyber Crime mit den Untersuchungen befasst.

Der LKA-Sprecher räumt ein, dass ein gewisser öffentlicher Druck bestehe, möglichst bald zu einem Ergebnis zu kommen: „Jeder Schritt steht unter öffentlicher Beobachtung.“ Die Ermittler arbeiteten jedoch professionell und unaufgeregt an dem Fall.

Die Arbeit sei vergleichbar mit der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, sagte von Koß. „Wir stehen aber nicht ganz am Anfang, sondern haben immerhin Ansatzpunkte.“ Der LKA-Sprecher ist jedenfalls „guter Hoffnung, dass wir den Fall auf kurz oder lang klären können“.

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