Solidarität nach der Tat: Am Abend nach dem Brandanschlag vom 9. März 2018 versammelten sich Lauffener vor der Moschee zu einer Mahnwache. Foto: 7aktuell.de/Jochen Buddrick

Drei Kurden müssen sich seit Dienstag wegen eines Brandanschlags auf die Mili-Görüs-Moschee in Lauffen im März 2018 verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem versuchten Mord und schwere Brandstiftung vor. Ein Verteidiger hält die Beweislage für dünn: „Wir werden voraussichtlich Freispruch beantragen für unseren Mandanten“, sagt Rüdiger Betz.

Lauffen/Heilbronn - Fatih Tokmak ist enttäuscht. Das Vorstandsmitglied der Milli-Görüs-Moschee in Lauffen (Kreis Heilbronn) hätte am Dienstag gerne etwas gehört dazu, warum und wieso in der Nacht vom 9. März Molotowcocktails geflogen sind auf das Gotteshaus in der Seestraße. Aber „darüber wurde heute gar nichts gesagt“, so Tokmak – und womöglich wird es auch so bleiben. Die drei Angeklagten Tahir A. (24), Mohamed H. (20) und Kerem S. (21) haben jedenfalls über ihre Verteidiger angekündigt, dass sie keine Angaben zur Sache machen werden. Seit Dienstag müssen sich die Kurden, die in Syrien und der Türkei aufgewachsen sind, vor dem Landgericht Heilbronn wegen versuchten Mordes, schwerer Brandstiftung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, die drei Männer hätten in jener Nacht zusammen mit einem vierten, bislang unbekannten Mann mit sieben Steinen die Scheiben zu den Räumen der Milli-Görüs-Gemeinde eingeworfen und fünf Molotowcocktails hinterher geschleudert, um damit gegen die türkische Militäroffensive im Kurdengebiet im nordsyrischen Afrin zu protestieren. In dem Gebäude schlief in jener Nacht der damalige Imam mit seiner Frau. Der Brandanschlag war gefilmt und auf PKK-nahen Internetseiten veröffentlicht worden. „Molotowcocktails und Steine flogen in der Nacht auf einen Verein türkischer Faschisten“, hieß es dazu, „aus Rache für die Angriffe der türkischen Besatzerarmee und die massenhafte Tötung von Zivilisten in Afrim.“

Der Sachschaden war gering, der Schreck aber groß

Die Brandsätze zündeten nicht richtig, sie fackelten ab ohne großen Schaden anzurichten: Auf 5000 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft die Kosten für die Beseitigung der Rußflecken. Auch Personen kamen nicht zu Schaden. Der Schrecken war dafür umso größer. Noch am gleichen Abend versammelten sich in Lauffen die Menschen zu einer Mahnwache. Der damalige Imam und seine Frau, die das Landgericht Heilbronn gerne als Zeugen vernommen hätte, mussten aufwendig gesucht werden, um ihnen eine Ladung zukommen zu lassen. Sie sind aber wieder in der Türkei und wollen auch nicht wieder nach Deutschland reisen: „Sie haben Angst“, sagt Fatih Tokmak.

Nach Beginn der türkischen Militäroffensive war es deutschlandweit mehrfach zu Anschlägen auf türkische Gebetshäuser und andere Einrichtungen gekommen. Auch in Ulm flogen Brandsätze auf die dortige Milli-Görüs-Moschee. Dort hat im Dezember wie berichtet ebenfalls ein Prozess wegen versuchten Mordes gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. Bis Mitte Februar sollen 20 Zeugen gehört werden, um zu klären, was in jener Nacht genau geschehen ist. Rüdiger Betz, ein Verteidiger von Kerem S., hält die Beweislage für dünn. Die Staatsanwaltschaft könne nach Aktenlage keinen Beweis dafür vorlegen, das einer drei Angeklagten tatsächlich am Tatort war. „Wir werden für unseren Mandanten voraussichtlich Freispruch beantragen“, sagte der Anwalt noch vor der Anklageverlesung. Die Staatsanwaltschaft beurteilt das naturgemäß anders: „Die Beweislage hat immerhin ausgereicht, dass das Oberlandesgericht den dringenden Tatverdacht der drei bejaht hat“, sagt die Staatsanwältin Tomke Beddies. Der Prozess findet unter schweren Sicherheitsvorkehrungen statt.

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