Spuren des Anschlags. Foto: 7aktuell/Andreas Werner

Lange Zeit hat der türkisch-kurdische Konflikt in Stuttgart allenfalls unter der Oberfläche gebrodelt. Jetzt flammt wieder etwas auf – offenbar nicht zufällig.

Plötzlich steht ein Auto in Flammen – und am Ende sind neun Fahrzeuge und zwei Hausfassaden beschädigt: Scheinbar aus heiterem Himmel ist am frühen Dienstagmorgen vor dem türkischen Generalkonsulat am Kernerplatz in der Innenstadt ein Brandanschlag verübt worden. Gesucht werden zwei dunkel gekleidete und vermummte Tatverdächtige.

 

Staatsschutz gründet Ermittlungsgruppe

Das türkische Generalkonsulat wird wegen des kurdisch-türkischen Konflikts schon seit Jahrzehnten vom Objektschutz der Polizei überwacht. „In letzter Zeit ist es sehr ruhig gewesen“, sagt Polizeisprecher Sven Burkhardt. Doch die Ruhe endet am Dienstag um 2.20 Uhr in der Urbanstraße: Ein geparkter VW-Bus des Konsulats geht in Flammen auf, und das Feuer greift auf weitere Fahrzeuge über. Zwei Unbekannte flüchten Richtung Landhausstraße. Sie hinterlassen einen Schaden von mehreren Zehntausend Euro.

Das Staatsschutz-Dezernat der Kripo hat für die Suche nach den Tätern eigens eine Ermittlungsgruppe gegründet. „Die Motive des Brandanschlags sind noch unklar“, sagt Polizeisprecher Burkhardt.

Der Blick geht in den Norden Syriens

Womöglich hängt dies mit der Lage in Nordsyrien zusammen. Der 19. Juli ist dabei ein spezielles Datum: Genau vor zehn Jahren sind die Truppen des syrischen Assad-Regimes aus der Region Kobanê abgezogen, seither gibt es eine kurdische Verwaltung. Die Region unter dem kurdischen Namen Rojava, auf Deutsch Westkurdistan, sieht sich immer wieder Angriffen ausgesetzt. Nun wird ein neuer Krieg befürchtet, nachdem der türkische Präsident Recep Erdogan einen Einmarsch in den Norden Syriens für eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone angekündigt hat.

OB Frank Nopper verurteilt den Stuttgarter Brandanschlag: „Wir lehnen jede Form von Gewalt – von wem auch immer – auf das Allerschärfste ab. Wir stehen dabei ganz fest an der Seite des Generalkonsuls und unserer türkischen Freunde hier in Stuttgart.“ Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir zeigte sich „entsetzt über den Brand vor dem türkischen Konsulat in meinem Wahlkreis Stuttgart“. Zum Glück sie niemand zu Schaden gekommen. „Ich hoffe, dass die Täter schnell gefunden werden und die Tat lückenlos aufgeklärt wird.“