Ausgebranntes Auto nach dem Feuer in der Tiefgarage in Neugereut Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zwei 15-Jährige sollen an Silvester in einer Tiefgarage in Neugereut Feuerwerkskörper abgeschossen haben: Der Brand hatte einen Millionenschaden und neun Schwerverletzte zur Folge. Weitere fünf junge Männer sollen dabei gewesen sein.

Stuttgart - Die Ermittlungsgruppe Wildgans meldet einen Erfolg: Sieben Jugendliche und junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren sollen für den Brand in der ­Silvesternacht in einer Tiefgarage in Neugereut verantwortlich sein. Zwei 15-Jährige gelten als Hauptverantwortliche, einer von ihnen ist geständig. Das Duo muss mit einer Anzeige wegen schwerer Brandstiftung rechnen.

Bei dem Brand – der Alarm ging um 1.56 Uhr am Neujahrsmorgen bei der Feuerwehr ein – gingen zunächst zwei Motorroller und dann zehn Autos in Flammen auf. Weil der Rauch in die Gebäude über der Tiefgarage stieg, evakuierten Polizei und Feuerwehr sieben Wohnhäuser. 110 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, neun kamen mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, acht weitere wurden am Ort des Geschehens behandelt. Die Tiefgarage und die zehn Wohnungen darüber blieben mehrere Tage gesperrt, bis die Garage abgestützt war. Der Sachschaden an dem Gebäude im Wildgansweg und an den Fahrzeugen geht in die Millionen, Polizeisprecher Jens Lauer kann ihn immer noch nicht genau beziffern.

Allmählich deutlich wird dagegen, wer die Verantwortung für das Feuer trägt. Die Polizei bekam schon am Brandtag erste Hinweise auf junge Männer, die in der Garage Feuerwerkskörper gezündet haben sollen. „Die Kollegen haben seitdem mehrere Dutzend Zeugen befragt“, sagt Jens Lauer. Bestimmte Namen seien im Laufe des Januars mehrfach gefallen, so dass eine Gruppe von sieben Jugendlichen und Heranwachsenden in den Fokus der Kripobeamten geriet. Die beiden 15-Jährigen, von denen einer nach Informationen unserer Zeitung in der Nähe der Anlage wohnt, sollen die Feuerwerkskörper entzündet haben, die wiederum die Motorroller in Brand setzten. Einer hat den Vorgang eingeräumt, der andere streitet ihn ab. Zu der Gruppe gehörten auch ein junger Mann aus dem Kreis Ludwigsburg, einer aus dem Rems-Murr-Kreis und zwei aus England, die in Stuttgart zu Besuch waren. Alle sieben sind auf freiem Fuß, die Ermittlungen der Gruppe Wildgangs dauern jedoch an.

Laut Polizeisprecher Lauer ermitteln seine Kollegen wegen schwerer Brandstiftung, weil ein Haus betroffen war, dessen Bewohner in Gefahr gerieten. „Das ist keine Kleinigkeit, das ist ein Verbrechenstatbestand“, sagt Lauer, „und man muss davon ausgehen, dass ein 15-Jähriger weiß, dass da etwas passieren kann.“ Lauer spricht von „bedingtem Vorsatz“, da man wohl kaum nachweisen kann, dass die Roller mit voller Absicht in Brand gesetzt werden sollten.

Der Nachweis des Vorsatzes könnte wichtig dafür werden, ob eine mögliche Haftpflichtversicherung der beiden 15-Jährigen beziehungsweise ihrer Familien den Schaden übernehmen muss oder ob die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers einzuspringen hat. Die ausgebrannten Fahrzeuge könnten auch über Kaskoversicherungen ­ersetzt werden.

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