Als die Einsatzkräfte am Brandort ankommen, schlagen ihnen schon die Flammen aus dem Fenster entgegen. Foto: SDMG

Nach dem Brand in einem Alten- und Pflegeheim in Frickenhausen gibt es Gerüchte über die Brandursache. Der Verdacht auf Rauchgasvergiftung bei drei Bewohnern und zwei Pflegekräften bewahrheitet sich nicht.

Frickenhausen - Das Aufatmen am Tag danach war mindestens so groß, wie die Aufregung in der Nacht zuvor. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Steffen Ritter, der Sprecher der in Mössingen (Kreis Tübingen) beheimateten Benevit Holding, die das Alten-und Pflegeheim in Frickenhausen betreut. In einer im Obergeschoss liegenden Wohnung des Pflegeheims in der Oberen Straße war es in den Abendstunden des Donnerstag zu einem Brand gekommen, der schnell auf das Dachgeschoss übergegriffen hat. Alle 56 Bewohner des Hauses an der Steinach wurden evakuiert. Zwei Pflegekräfte und drei Bewohner mussten wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden.

„Bis auf den Bewohner des betroffenen, jetzt unbewohnbaren Zimmers sind alle zwischenzeitlich wieder entlassen worden“, sagt Ritter. Noch vor Ort hatte der Leitende Notarzt Lebensgefahr ausgeschlossen. Auch die ausquartierten Bewohner, die von den Rettungskräften während der Löscharbeiten im benachbarten Evangelischen Gemeindehaus betreut worden waren, sind inzwischen wieder zurück in ihren Wohngruppen. „Um 22.45 Uhr ist das Gebäude von den Einsatzkräften wieder freigegeben worden“, sagt Gerhard Franke, der Hauptamtsleiter der Gemeinde.

Lob für die Einsatzkräfte

Dass die Flammen keinen größeren Schaden angerichtet haben, ist nach übereinstimmender Einschätzung der Einsatzkräfte, der Heimleitung und der Gemeindeverwaltung einerseits der funktionierenden Alarmierungs-und Rettungskette, andererseits aber auch dem funktionierenden Brandschutzkonzept im Gebäude selbst zu verdanken. „Alle Brandschutzmaßnahmen haben gegriffen“, bilanziert der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Frickenhausen, Thomas Pauli. Weil auch die Rettungskräfte von Rotem Kreuz und dem Malteser Hilfsdienst nahezu zeitgleich vor Ort gewesen seien, habe sich die Wehrleute ausschließlich auf die Brandbekämpfung konzentrieren können. Neben den 65 Feuerwehrmännern waren 150 Angehörige des Rettungsdienstes mit vier Notärzten und einem Leitenden Notarzt im Einsatz. Bis gegen 3.30 Uhr in der Nacht waren die Feuerwehren vor Ort, um ein erneutes Aufflammen von Brandnestern zu verhindern.

Sieben Stunden zuvor war der von einem Brandmelder ausgelöste Alarm eingegangen – zeitgleich in der Feuerwehr-Leitstelle, bei den Rettungskräften und auf dem Handy des Frickenhausener Bürgermeisters Simon Blessing. Als er und die von Einsatzleiter Thomas Pauli angeführte Feuerwehr Frickenhausen wenige Minuten später am kaum 800 Meter vom Feuerwehrhaus entfernten Brandort eintreffen, schlagen die Flammen schon aus dem Fenster einer Wohnung im Obergeschoss. Während deren 84 Jahre alte Bewohner in Sicherheit gebracht wird – er soll laut Ritter am Montag wieder in das Haus zurückkehren – fressen sich die Flammen über das Dach und bedrohen die dort eingebaute Wohnung der Pflegekräfte.

Mindestens 100 000 Euro Schaden

Angaben der Polizei zufolge ist an dem Gebäude ein Schaden von mindestens 100 000 Euro entstanden. Eine Zahl, die nach Einschätzung der Heimleitung allerdings erheblich zu tief gegriffen ist. Während die Polizei inzwischen vor Ort die Ermittlungen zur Brandursache übernommen haben, macht das Gerücht die Runde, ein Kurzschluss in einem Fernsehgerät könnte für den Brand verantwortlich sein.

Die Benevit Holding betreibt eigenen Angaben zufolge Alten-und Pflegeheime an mehr als 30 Standorten in Deutschland. Das Haus an der Steinach in Frickenhausen ist im Jahr 2014 in Betrieb gegangen. Bundesweit hat das Unternehmen rund 2000 Mitarbeiter. In den Benevit-Seniorenheimen werden insgesamt rund 2300 Bewohnerinnen und Bewohner betreut.

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