Von dem Gebäude ist nicht mehr viel übrig. Ein Bewohner berichtet von der Brandnacht. Foto: Sandra Lesacher

Ein Mann aus Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) wachte in der Brandnacht plötzlich auf und rettete sich und seine Freundin aus dem brennenden Gasthaus Ochsen.

Warum er in jener Nacht kurz nach 3.30 Uhr wach wurde? „Mein siebter Sinn wahrscheinlich“, sagt ein Mann aus Pleidelsheim. Er steht wenige Tage nach dem verheerenden Brand in der Ortsmitte vor dem Hotel am Schillerplatz, wo er jetzt gerade wohnt. Bis zu jener Nacht lebte er im Obergeschoss des ehemaligen Gasthauses Ochsen in einer Drei-Zimmer-Wohnung.

 

„Alles schon voller Rauch“

Einige Bewohner sind im benachbarten Hotel untergekommen. Foto: Sandra Lesacher

Sein siebter Sinn hat dem 49-Jährigen wohl das Leben gerettet – und das seiner Freundin gleich mit. Sie hatte nämlich den „komischen Geruch“, den der Mann beim Wachwerden wahrnahm, nicht bemerkt. Er warf einen Blick ins Treppenhaus, „alles schon voller Rauch“, und rannte gemeinsam mit seiner Partnerin ins Freie.

Es war die Nacht auf jenen Sonntag, der nicht nur Pleidelsheims Ortsbild für immer veränderte, sondern auch 21 Menschen um ihr Zuhause brachte. Ein Feuer, das im Nachbarhaus des ehemaligen Gasthauses Ochsen ausgebrochen war, breitete sich schnell auf das historische Gebäude aus. Im Laufe des darauffolgenden Tages musste das mehr als 400 Jahre alte Haus abgerissen werden. Die Gemeinde sucht nun nach Wohnungen und hat darüber hinaus eine Spendenaktion initiiert.

Glücklicherweise wurde bei dem Brand niemand ernsthaft verletzt. Der 49-jährige Mann, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte, gehörte zu den sechs Menschen, die wegen einer Rauchvergiftung kurz im Krankenhaus waren. „Es geht mir aber schon wieder gut“, sagt er ein paar Tage später.

Der 49-Jährige blickt auf den Trümmerhaufen, der von seinem Zuhause übrig geblieben ist. Sechs oder sieben Jahre lang hat er hier gewohnt. „Schauen Sie, da sieht man meine Matratze und meinen Schrank“, sagt er und deutet auf die Brandruine.

Hier, in seiner Wohnung oberhalb der ehemaligen Gaststätte Ochsen, wollte er im Mai eigentlich seinen 50. Geburtstag feiern. „Ich hatte eine große Party bei mir zuhause geplant“, sagt er. Daraus wird nun nichts.

Ihm sei alles verbrannt. Seine Wohnung, und alles was darin war, gibt es nicht mehr: Möbel, Handy, Dokumente, Kleidung. „Ich bin im Schlafanzug rausgerannt“, sagt er. „Jetzt steh ich hier mit den Schuhen und dem Jogginganzug von meinem Papa“, sagt er – und lacht.

Seinen Humor hat er nicht verloren, betont der Pleidelsheimer. „Ich bin dankbar, dass ich am Leben bin. Jetzt fange ich eben wieder bei null an.“ Stück für Stück sammelt er die Sachen, die er braucht, wieder zusammen. Das fängt bei den Ausweisdokumenten an, geht über die Bankkarte bis hin zum neuen Handy.

„Ich muss mich ja ausweisen“

Exakt in dieser Reihenfolge, denn: „Ich kann ja nicht einfach ohne in die Bank reinspazieren und eine neue Bankkarte verlangen, ich muss mich ja ausweisen“, sagt er. Und wiederum ohne Bankkarte kann er kein Mobiltelefon kaufen. „Zum Glück“, sagte er, „habe ich es in Pleidelsheim nicht weit zum Rathaus“.

Dort habe man ihm mit den Dokumenten schon prima geholfen, lobt der gelernte Industriemechaniker. Besonders hebt er die Arbeit der Feuerwehr hervor, die in der Brandnacht und danach stundenlang im Einsatz war: „Das sind super Leute, die haben echt Leben gerettet!“