Das ehemalige Jugendgästehaus nach dem Brand. Schon Monate zuvor verlotterte das Areal. Foto: Simon Granville

Am Sonntag stand das Gästehaus des Internationalen Bundes in Brand. Schon zuvor war das verlassene und verdreckte Gelände Thema – nun soll der Restabriss schnell durchgezogen werden.

Mitten im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim brannte es am Sonntag lichterloh. Ein Feuer war im ehemaligen Jugendgästehaus des Internationalen Bundes (IB) ausgebrochen und zerstörte große Teile des Gebäudes. Die Ursache ist bisher unklar. Glücklicherweise wurde zunächst niemand verletzt, doch ein Feuerwehrmann erlitt während des mehrstündigen Einsatzes leichte Blessuren.

 

Nach dem Brand stellt sich die Frage: Hätte das verhindert werden können? Seit fast zwei Jahren steht das Gebäude leer, es gab Müll, Schäden und zeitweise hielten sich dort Obdachlose auf – doch der Abriss ließ auf sich warten. Oberbürgermeister Matthias Knecht zeigt sich nach dem Feuer energisch, den Abriss nun voranzutreiben.

Vernachlässigung zieht oft weitere Schäden nach sich

Schon Anfang des Jahres gab es aus dem Stadtteil kritische Stimmen zum leer stehenden Gebäude. Ein Anwohner bezeichnete das zeitweise vermüllte Gelände als „kleinen Schandfleck“. Der IB wies die Kritik zurück und betonte, dass beauftragte Dienstleister für Sauberkeit und Sicherheit sorgten. Dennoch hoffte die Nachbarschaft auf eine baldige Weiternutzung – etwa als Schülerhort oder Kindertagesstätte.

Die Befürchtungen kamen nicht ohne Grund: Verlassene Gebäude führen oft zu Vandalismus und Verfall, ein Effekt, den die sogenannte Broken-Windows-Theorie beschreibt. Sind erste Spuren von Vernachlässigung sichtbar, folgen oft weitere Schäden. Im Fall des Jugendgästehauses führte der fortschreitende Verfall nun möglicherweise sogar zum Brand.

Ob Brandstiftung die Ursache war, ist noch unklar – die Ermittlungen dauern an. Polizei und Feuerwehr haben dazu keine Bestätigung gegeben, und auch Matthias Knecht will keine Mutmaßungen anstellen. Der Oberbürgermeister war während des Brandes am Sonntag vor Ort und verfolgte die Arbeit der Feuerwehr – zur Ursache habe er währenddessen nichts mitbekommen.

Knecht geht nach dem Brand auch auf das zugrunde liegende Problem ein: Leerstehende Gebäude belasten das Stadtbild und die Sicherheit. Während in der Innenstadt leere Geschäftsflächen das Erscheinungsbild trüben, sorgen sie in Wohngebieten für Unsicherheit. „Wenn Gebäude verfallen und sich – wie im Jugendgästehaus – Obdachlose niederlassen, fühlt sich eine Nachbarschaft vernachlässigt“, sagt Knecht. Er warnt vor der möglichen Ausbreitung solcher Probleme und betont, dass die Stadt dies verhindern wolle.

Abriss des Jugendgästehauses soll schnell folgen

Trotz der Zerstörung sieht Knecht einen möglichen positiven Effekt: Der Brand könnte die Abriss- und Neunutzungspläne beschleunigen. Die Stadt will nach den Pfingstferien mit dem IB klären, wann und wie das Gebäude endgültig abgerissen wird.

Noch liegt das Grundstück unter Erbbaurecht beim IB, doch bald wird es wieder in den Besitz der Stadt übergehen. Eine endgültige Entscheidung zur Nutzung gibt es noch nicht, doch Knecht kann sich eine Kindertagesstätte auf dem Gelände vorstellen. Allerdings stellt die Hochspannungsleitung über dem ehemaligen Jugendgästehaus eine große Hürde dar – sie schränkt die Nutzung des Areals erheblich ein. Bis die Leitung unter die Erde verlegt wird und eine langfristige Nutzung möglich ist, könnten noch einige Jahre vergehen.