Nach dem Brand bietet die Unterkunft an der Stuttgarter Straße ein Bild der Verwüstung. Foto: Simon Granville

Nach der vermuteten Brandstiftung in Unterkunft in der Stuttgarter Straße in Kornwestheim wurde ein Sicherheitsdienst beauftragt. Weitere Schritte sollen folgen.

Geborstene Scheiben, zerstörte Seitenwände, verkohltes Mobiliar: Nach dem Feuer am 13. November sieht es in der Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in der Stuttgarter Straße in Kornwestheim chaotisch aus. Doch die vermutete Brandstiftung ist nur der Gipfel der Eskalation. Immer wieder muss die Polizei zu dem Containerstandort ausrücken. Jetzt will die Stadt hart durchgreifen und zieht Konsequenzen.

 

Am südöstlichen Ortsrand zeigt sich seit rund zwei Wochen ein Bild der Verwüstung. Einer der beiden Wohncontainer wurde bei einem Feuer vollkommen zerstört und ist unbewohnbar. Die Verwaltung geht von Brandstiftung aus. Die Polizei kann dies bislang nicht bestätigen. Zur Ursache des Feuers werde weiterhin ermittelt, heißt es aus dem Präsidium.

Rund 120 Polizeieinsätze in einem Jahr

Fest steht allerdings, dass es in der Unterkunft ständig Probleme gibt. Dort sind etwa ein Dutzend Personen untergebracht, vorwiegend Asylbewerber. „Die Bewohner fallen durch starken Alkoholkonsum und aggressives Verhalten auf“, sagt Michael Siegel, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. Es komme regelmäßig zu körperlichen Auseinandersetzungen, größeren Sachbeschädigungen und massiven Verunreinigungen. Innerhalb eines Jahres, zwischen Juli 2024 und Juli 2025, zählte die Polizei rund 120 Einsätze – Tendenz zuletzt steigend. Und: „Die hygienischen Verhältnisse sind unzureichend“, ergänzt Siegel.

Im vergangenen August hat ein runder Tisch getagt, unter anderem mit Vertretern der Verwaltung, der Polizei und des Arbeitskreises Asyl. Dabei wurde bekannt, dass etwa die Hälfte der Bewohner wegen psychischer Probleme nicht für Unterstützungsangebote zugänglich ist. Einige haben zudem keine Bleibeperspektive.

Nach dem Brand Mitte November hat Oberbürgermeister Nico Lauxmann kurzerhand einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, die Unterkunft zu überwachen und den Zutritt zur Anlage zu kontrollieren. Das Zwischenfazit ist positiv.

Obwohl die Bewohner nach dem Feuer enger zusammenleben, habe sich die Lage deutlich entspannt, sagt Siegel. „Wir konnten sogar einen Störer identifizieren.“ Der Gemeinderat gab daraufhin das Einverständnis, dass die Unterkunft noch bis zumindest Ende Januar von dem Sicherheitsdienst betreut wird.

OB schlägt eine umfassendere Lösung vor

„Dieser Schritt ist unumgänglich“, sagt Lauxmann. Er toleriere es nicht, dass manche glaubten, sich nicht an Regeln halten zu müssen. Dabei verweist er auch auf das „sensible Umfeld“ mit Jugendzentrum, Spielplatz und Skateranlage. Auch von Elternseite habe es Beschwerden gegeben. Er habe außerdem Kontakt zur Landespolitik in der Sache aufgenommen.

Ein Teil der Unterkunft in Kornwestheim ist nicht mehr bewohnbar. Foto: Simon Granville

Gleichzeitig macht der Oberbürgermeister deutlich, dass es seiner Ansicht nach einer umfassenderen Lösung bedarf. Sein Vorschlag lautet, dass der Standort an der Stuttgarter Straße 210 gänzlich aufgelöst wird und die dort untergebrachten Personen neu verteilt werden. Im Mai war beschlossen worden, die Anlage zu kaufen. Das wurde bisher aber nicht umgesetzt.

Falsches Gerücht ist im Umlauf

Schon in den nächsten Tagen will Lauxmann das Thema mit dem Ausschuss vorberaten. Bei einer offenen Infoveranstaltung im Februar sollen die Einwohner Kornwestheims beteiligt werden. Im Anschluss soll der Gemeinderat einen Beschluss fassen.

Wert legt der OB allerdings darauf, dass es in der Stadt auch viele erfolgreiche Integrationsbeispiele gibt. Lauxmann zeigt sich verärgert darüber, dass das Gerücht kursiert, man suche eine neue Unterkunft für Asylbewerber. Das Sammeln von Unterschriften dagegen schüre Ängste. „Das entbehrt jeglicher Grundlage“, sagt er. Richtig sei, dass eine Unterbringung für Geflüchtete aus der Ukraine benötigt werde. Auch dazu wird es im Februar Informationen geben.