Ein Hubschrauber der Bundespolizei wirft Löschwasser zum Eindämmen des Feuers auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ab. Foto: dpa

In Mecklenburg-Vorpommern brennt ein mit alter Munition belasteter früherer Truppenübungsplatz. Besonders in Ostdeutschland sind im Boden schlummernde Kampfmittel ein Problem. Doch die Gefahr besteht bundesweit.

Berlin - Der Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Mecklenburg-Vorpommern rückt die Gefahren für Anwohner und Einsatzkräfte durch alte Munition und andere Kampfmittel in den Fokus. Das brennende Gebiet bei Lübtheen ist massiv belastet, immer wieder detoniert Munition im Boden. Löscharbeiten sind daher nur aus der Luft möglich. „Es ist lebensgefährlich und daher nicht zu verantworten, Einsatzkräfte zu Fuß in belastete Gebiete zu entsenden“, erklärte der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs, am Dienstag.

Besonders in Ostdeutschland liegt dem Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, zufolge noch Munition im Boden. Als besonders belastet gilt Brandenburg. Doch das Problem zurückgelassener Munition auf früheren Truppenübungsplätzen oder nicht detonierter Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg kann bei Waldbränden in ganz Deutschland zum Problem werden. „Mehrere hunderttausend Hektar kampfmittelbelasteter Flächen deutschlandweit sprechen Bände für die gewaltige Dimension der Kriegsaltlasten“, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Olaf in der Beek unserer Zeitung.

Behörden kennen belastete Flächen nicht genau

Das Problem ist jedoch, dass die Behörden nicht genau wissen, wo noch welche Mengen von potenziell gefährlichen Kriegsaltlasten im Boden schlummern. Kürzlich fragte in der Beek beim zuständigen Bundesfinanzministerium dazu nach. „Ein nationales Kataster kampfmittelbelasteter Gebiete in der Bundesrepublik Deutschland liegt der Bundesregierung nicht vor“, wurde ihm mitgeteilt. „Die Beseitigung von Kampfmitteln und Kampfmittelrückständen fällt als Gefahrenabwehr in die Zuständigkeit der Bundesländer“, sagte ein Ministeriumssprecher unserer Zeitung.

In Baden-Württemberg werden belastete Flächen im Geographischen Informationssystem des Kampfmittelbeseitigungsdienstes verzeichnet. Tätig wird der Dienst, wenn er beispielsweise von Kommunen zur Hilfe gerufen wird. Allerdings bieten auch Privatfirmen die Absuche von Flächen auf alte Munition oder Bomben an. Da diese Firmen ihre Funde nicht dem Kampfmittelbeseitigungsdienst mitteilen müssen, enthalte das Geographische Informationssystem „zwangsläufig keine lückenlosen Informationen“, teilte ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums unserer Zeitung mit.

Unbekannte Gefahren auch in Baden-Württemberg

Über Baden-Württemberg sind während des Zweiten Weltkrieges rund 100.000 Tonnen Bomben aller Art abgeworfen worden: Jeweils rund ein Viertel davon ging auf Stuttgart und Mannheim nieder, weitere rund 12.500 Tonnen auf Karlsruhe. „Der Rest verteilt sich auf weitere Städte und Regionen“, erklärte der Innenministeriumssprecher. „Insofern ist es möglich, dass auch Verkehrswege, insbesondere Bahnlinien, Dörfer und selbst Regionen wie der Schwarzwald belastet sein können.“

In der Beek fordert, die vorhandenen Kataster über kampfmittelbelastete Flächen in den einzelnen Bundesländern in einem nationalen, digitalen Kataster zusammenzuführen, „damit im Ernstfall auch nationale Katastrophen- und Sicherheitsbehörden auf diese Daten zugreifen und Brandherde effizient gelöscht werden können“. Zudem müssten Projekte unterstützt werden, die ferngesteuerte und voll automatisierte Systeme zur Kampfmittelbeseitigung vorantreiben. „Damit könnten Einsatzkräfte vor lebensgefährlichen Situationen geschützt werden“, sagte der FDP-Politiker.

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