Ein Duell der Boxer mit Stil: Darren Barker (re.) und Herausforderer Felix Sturm. Foto: dpa

Boxprofi Darren Barker (31) hat Großes vor: Im Mittelgewicht will der Engländer eine Legende werden. Dafür muss er aber zunächst Felix Sturm besiegen.

STUTTGART - Wenn Darren Barker an diesem Samstag in der Porsche-Arena (22.55 Uhr/Sat 1) in den Ring steigt, ist er ein gemachter Mann. Der smarte Engländer kassiert rund 1,18 Millionen Euro dafür, dass er seinen WM-Gürtel gegen Felix Sturm in Stuttgart verteidigt. Dazu würde es schon reichen, wenn er sich den ersten Runden-Gong anhört und dann aufgibt. Barkers findiger Promoter Eddie Hearn hat die bislang höchste Kampfbörse für seinen Klienten rausgeboxt – und ihn damit mit einem Schlag zum Millionär gemacht.

Nicht schlecht, möchte man meinen. Nur: Vom schnöden Mammon will Barker zurzeit nichts wissen. Das behauptet der 1,84 Meter große Profiboxer zumindest. In dem für seine Sportart so bekannt Jargon kündigt er viel lieber Großes an: „Ich will eine Regentschaft im Mittelgewicht einläuten und dafür werde ich Felix Sturm bezwingen. Das ist das einzige, worum es mir geht.“ Es geht also in erster Linie nur um die erfolgreiche Titelverteidigung, erst in zweiter Linie um die Kohle. Klingt edel, ist im Fall von Darren Barker sogar fast nachvollziehbar.

Denn wenn sich der 30 Jahre alte Linksausleger aus London nachhaltig einen Namen in seiner Gewichtsklasse (bis 72,5 Kilogramm) machen will, dann gibt es keinen besseren Kampf für die erste Titelverteidigung des Verbandes IBF als den gegen Sturm. „Felix war bereits dreimal Weltmeister – zudem ist er ein sehr intelligenter Boxer“, ordnet Barkers Trainer Tony Sims den Kontrahenten seines Schützlings ein. Barker, der mit makellosen, weißen Zähnen und charakteristischen Dreitagebarte statt wie ein Berufsboxer eher wie ein Fotomodel daherkommt, hört das nicht gerne.

Wie alle Titelträger ist er von seiner Leistungsstärke überzeugt. Ohne dieses Gefühl würde auch kaum ein Faustkämpfer in den Ring klettern. Und so strotzt in diesen Tagen auch Barker nur so vor Selbstbewusstsein. Mit Blick auf seinen dreieinhalb Jahre älteren Gegner meint Darren Barker mit einem überheblichen Lächeln: „Felix Sturm war mal ein großer Champion, das ist Vergangenheit. Jetzt ist meine Zeit!“

Die Zeit, der Boxwelt zu zeigen, dass sein erfolgreicher WM-Kampf gegen Daniel Geale im August dieses Jahres keine Eintagsfliege war. Es gibt immer noch Kritiker, die den Sieg nach Punkten gegen den Australier anzweifeln. Zumal Barker damals in Atlantic City (USA) von Geale nach einem Leberhaken in Runde sechs auf die Bretter musste. Jetzt will er aber zum großen Schlag ausholen. „Ich will es allen beweisen. Ich gebe eine hundertprozentige Garantie ab, dass ich diesen Kampf gewinne“, sagt der Champion aus England und hält seine Hand so hin, dass man einschlagen könnte.

Allerdings: Trotz aller eigener Überzeugung hat Barker gemeinsam mit Trainer Sims Felix Sturm genau studiert. Die Erkenntnis: „Er hat sich mit meinen britischen Rivalen Martin Murray und Matthew Macklin packenden Kämpfe geliefert. Aber ich bin mir sicher, dass ich ihn im Griff haben werde“, sagt „Dazzling“, wie die Fans Barker auf der Insel nennen, weil sie ihn für seinen aggressiven Kampfstil lieben. Mehr als 500 Anhänger werden den „Umwerfenden“ (26 Siege in 27 Profi-Kämpfen, davon 16 K. o.’s) in die mit 8600 Zuschauern ausverkaufte Porsche-Arena begleiten. „Mal sehen, ob das wirklich ein Heimspiel für Felix wird“, frotzelt der künftige Millionär schon mal.

Der 34 Jahre alte Kölner kann angesichts dieser Angriffsrhetorik nur müde lächeln. Auch weil Barkers Promoter Eddie Hearn mit Sturm einen Vertrag über das Duell in Stuttgart hinaus vereinbart hat – einen Rückkampf. Sehr zum Ärger seines Klienten: „Den brauche ich gar nicht. Das hat der Manager einfach so entschieden“, schimpft Barker. Doch sollte der Haudrauf an diesem Samstag verlieren, muss er im März oder April in London noch einmal in den Ring steigen. Felix Sturm findet das super. „Ich freue mich schon, im Frühjahr nach London zu reisen“, sagt er selbstbewusst. Wie sollte es bei einem Profiboxer auch anders sein.

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